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Bio-Grossist lanciert «Bio-Budget»

Bio ist ein Wachstumsmarkt. Doch drei Viertel des Markts entfallen auf Migros und Coop. Der Hauptgrossist des Bio-Fachhandels pariert jetzt mit einer Billig-Bio-Linie.

von Alimenta Import

Jeder zweite Schweizer Bio­franken rollt in die Ladenkasse von Coop. Tendenz zunehmend: Plus 5,2 Prozent wuchs Bio bei Coop im letzten Jahr. Gar um 6,9 Prozent entwickelte sich das Geschäft mit den ­naturnah und tierfreundlich produzierten ­Lebensmitteln bei der Migros. Und es kommt noch besser: 2010 soll ein neues Logo, eine neue Verpackung und ein Ausbau des Sortiments im Bereich Milchprodukte, Brot, Fleisch und Tiefkühl dafür sorgen, dass das Bio-Wachstum überdurchschnittlich bleibt, so Migros-Sprecherin Nathalie Eggen.

Den Druck der Grossverteiler spürt auch der Fachhandel, auf den 2008 15,6 Prozent oder 225 Millionen Franken des Schweizer Bioumsatzes entfielen. Delikat ist für ihn der Einkauf: Denn seit 2007 nimmt die Bio Partner Schweiz AG (BPS) mit Sitz in Seon AG eine monopolähnliche Stellung als Grossistin ein. Die BPS ist ein Fusionsprodukt aus den früheren Bio-Grossisten Vanadis, Via Verde und Eichberg und beliefert heute 1600 Kunden aus Fachhandel, Gastronomie, Verarbeitung und Grosshandel. Mit den total 8600 Artikeln macht BPS 90 Millionen Franken Umsatz. ­Dabei kooperiert sie eng mit den meisten regio­nalen Grossisten wie Bio-Service in Marin-Epagnier NE (10 Millionen), Horai in Bern und Pico Bio (je 7 Millionen).

BPS bekommt neuen Grossinvestor
Baut die Migros ihr Biosortiment aus, könnte es für den Fachhandel nicht nur beim Verkauf, sondern auch bei der Beschaffung enger werden: «Die Liefersicherheit wird immer zentraler», sagt Matthias Wiesmann, langjähriger Beobachter des Biomarkts. Schon heute komme es vor, dass der Markt in gewissen Sortimenten durch die Grossverteiler in ganz Europa leer gekauft sei. Als kleiner Nachfrager sei BPS nicht in der Lage, international gewichtig aufzutreten. Wiesmann: «BPS muss sich überlegen, ob sie nicht mit ausländischen Partnern gemeinsame Beschaffungsstruktu­ren etablieren will.» Bei BPS ist man sich ­bewusst, dass der Wind kälter weht. An der Generalversammlung vom 18. März (nach Redaktionsschluss) gab sich das Unternehmen eine neue Führung. Einzig BPS-Verwaltungsratspräsident René Zoller und der Gemüse­lieferant Stephan Müller verblieben im Leitungsgremium. An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst soll eine ­Kapitalerhöhung erfolgen. Den Namen und die Höhe des Engagements des neuen Gross­investors will Zoller noch nicht nennen.

BPS bringt «Bio-Budget»
Im Alltagsgeschäft will man sich nach den ­Fusionstumulten der zwei letzten Jahre konsolidieren und dann eine Strategie für die Zukunft formulieren, sagt BPS-Geschäftsführer Stefan Menti. Der Preisdruck in den Läden sei ihm bewusst, umso mehr, als er selbst drei Jahre lang den Rägeboge-Laden in Winterthur geleitet habe. Bis Ende März evaluiert BPS deshalb eine Bio-Einsteiger-Linie, danach soll ein Pilotversuch starten.
Mit dieser Offensive erntet er Applaus bei Urs Mantel, früherer Verwaltungsratspräsident der Via Verde und heute unabhängiger Berater der Branche. «Qualität allein reicht nicht. Der Endkunde vergleicht heute den Preis im Fachhandel mit jenem bei Coop.» Es sei zudem vorteilhaft, ein Sortiment auf Coop-Preisniveau wie von BPS geplant mit einer günstigen Eigenmarke zu kombinieren. «Damit bietet man nicht nur dem Schweizer ­Detailhandel Paroli, sondern ist auch gewappnet, wenn Alnatura & Co. kommen.» Auf den Megatrend Regionalität habe BPS bisher jedoch keine Antwort gefunden.

Alte Gräben zuschütten
Mit FiBL-Direktor Urs Niggli war im letzten Dezember ein besonders prominenter Abgang aus dem BSP-Verwaltungsrat zu verzeichnen. «Die Fusion ist einigermassen abgeschlossen, jetzt sollen andere Leute ans Ruder», begründet er seinen Rücktritt. Dass der Zusammenschluss eher harzig verlief, erklärt Niggli mit der Herausforderung, zwei derart unterschiedliche Firmenkulturen unter einen Hut zu bringen. Er hoffe, der neue Investor, der keiner Bio-Philosophie verpflichtet sei, sondern schlicht eine Rendite im Ökobereich ­suche, könne dieses Patt aufbrechen.

Grossist als Exportplattform
Urs Niggli sieht für den personalintensiven und deshalb auch langfristig teureren Fachhandel die Chance in einer Doppelstrategie: Grundnahrungsmittel sollten mit dem von BPS geplanten «Bio-Budget» deutlich güns­tiger als heute werden; andererseits müsse sich die Branche mit exklusiven, geschmacklich und qualitativ hervorragenden Spezialitäten profilieren. Und was heisst das für den ­Grossisten BPS? Niggli sieht das Unternehmen zwar gut gerüstet, nicht zuletzt dank «einem der modernsten Logistikzentren Europas». Doch die Synergie in der Logistik müsse
voll auf die Nettopreise durchschlagen. Und nicht zuletzt könne die Bedrohung aus dem Ausland auch als Chance genutzt werden, empfiehlt Niggli: BPS könnte als Scharnier nicht nur für ausländische Trockenware dienen, sondern auch hochwertigen Schweizer Ver­arbeitungsprodukten wie Käse, Kräutern, Confiserie, Backwaren oder Weinen als Sprung­brett für den Export ins Ausland ­dienen.