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Bio strebt das Fair-Trade-Siegel an

Nicht nur Produkte aus dem Süden sind mit dem Fair-Trade-Gütesiegel -ausgestattet. Auch Wurst, Käse oder Mehl aus Schweizer Bioproduktion sollen künftig die Fair-Trade-Anforderungen erfüllen müssen.

von Alimenta Import

Können Bananen, die aus dem Süden stammen, in der Schweiz in einer Migros-Filiale günstiger als einheimische Äpfel sein?, fragten sich die «Bananenfrauen», die in den siebziger Jahren vor den Migros-Läden Mahnwache hielten und so die Konsumenten auf Missstände in der Produktion von landwirtschaftlichen Produkten aus Drittweltländern aufmerksam machten. Kann Milch, die aus einheimischen Eutern ge-wonnen und in Beuteln beim Discounter zu Tiefstpreisen angeboten wird, fair sein, fragen sich Schweizer Milchproduzenten. Denn wenn es nach ihnen ginge, sollte nicht nur das Tier- und das Mitarbeiterwohl geregelt sein, sondern auch, dass der Betriebsleiter einen fairen Preis für seine Produkte erhält.

PMO ist sowieso fair
Zu Bio soll sich nun auch Fair Trade gesellen. Mindestens, wenn es nach den Vorstellungen von Bio Suisse geht. An ihrer Versammlung vom 14. April soll den Delegierten ein Richt-linientext vorgelegt werden. Darin will die Vereinigung die sozialen Standards mit den Handelspartnern regeln. Knospe-Produkte sollen künftig automatisch Fair Trade sein. «Grundsätzlich probieren wir mit den Bauern faire Bedingungen einzuhalten», sagt Pius Biedermann von der Molkerei Biedermann. Denn der Akt der Preisbildung erfolgt gemeinsam in der PMO, wo Verarbeiter wie 600 Bauern eingebunden sind. Aber der Einfluss des Marktes ist trotzdem gegeben. Auch in der Branchenorganisation (BO) Milch ist eine Untergruppe für Biomilch gebildet -worden, der Marktpartner wie die Bio Suisse -angehören.

Grundsatzbekenntnis gefordert
Obwohl Verarbeiter kritisch hinter der Absicht stehen, ist es das Ziel der Bio Suisse, die ganze Wertschöpfungskette an einen Tisch zu bringen, um einen gemeinsamen Verhaltenskodex auszuarbeiten. Jacqueline Forster, Pressesprecherin der Bio Suisse, sagt, es soll dann primär eine Wertediskussion geführt und definiert werden, was fairer Handel überhaupt ist.
Eine mögliche Antwort weiss Simon Brassel von der Fair-Trade-Organisation -Gebana. «Wir haben schon ein Schweizer -Sortiment mit Standardprodukten wie Teigwaren, Gebäck oder Tee eingeführt.» Aber auch Alpkäse, ein halbes Osterlamm oder Mischpakete vom Jungrind, die direkt vom Bauern zum Konsumenten geschickt werden, sind im Angebot. Getreu dem Grundsatz der Organisation «als Brücke zum Konsumenten». Dieser erwarte normalerweise, dass Fair-Trade-Produkte aus dem Süden stammen, doch gemäss Brassel haben ein Bergbauer aus den Alpen und ein brasilianischer Sojabauer ähnliche Bedürfnisse. «Wenn den Bauern der geschaffene Wert bezahlt wird und beispielsweise mit Alpkäse die Abwanderung gestoppt wird, hat Fair Trade auch in der Schweiz sein Ziel erreicht», sagt er.

Bio als Stolperstein
Erwartet der Konsument nicht sowieso von einem Bioprodukt, dass dieses fair produziert worden ist, und dass Produkte aus dem Inland eigentlich gar nicht anders als fair produziert werden können? «Da die Preise von Bioprodukten höher sind, geht der Konsument wohl davon aus, dass nicht nur Umwelt und Tiere von der Bioproduktion einen Nutzen haben», sagt Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz. Theoretisch erwarte der Käufer, dass Bioprodukte zumindest sozialverträglich hergestellt worden sind. Doch -normalerweise bringt der Konsument Fair-Trade-Produkte mit Schwellenländern in -Verbindung. Umgekehrt ist es nicht immer so, dass fair produzierte Lebensmittel auch bio-logisch sind, sagt Vesna Stimaz von der Max-Havelaar-Stiftung. Bio stellt vielfach für afrikanische Länder eine zu grosse Hürde dar. Bei Max-Havelaar-Produkten erhält das Produkt das Label «Bio Plus», wenn es biologisch und auch fair produziert worden ist.

Das Fuder nicht überladen
Bei Schweizer Agrarprodukten ergibt die Absicht von Bio Suisse laut Andreas Hug, Geschäftsführer des Biscuitherstellers Hug AG in Malters, keinen Sinn. Bei Kakao, Kaffee oder Honig sei dies anders. Dass die Verarbeiter mit einheimischem Fair Trade Probleme erhalten könnten, befürchtet Romeo Sciaranetti, Chef von Swissmill und Pasta Gala, nicht. Man riskiere damit eher das Label Bio mit Fair Trade zu über-laden. Mit der «Kreuzung» von zwei gut etablierten Labels, die ein hohes Kundenvertrauen besitzen, entstehe die Gefahr, dass der Konsument sich plötzlich frage, ob vorher Kinderarbeit gang und gäbe war. «Hier ist komnunikativ einiges zu leisten, sonst könnte Geschirr zerschlagen werden.»