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Gnadenfrist vor dem drohenden Aus

Zur schlechten finanziellen Situation der Molkerei Frenkendorf führten vor allem Planungsfehler. Jetzt erhält der Betrieb dennoch eine Gnadenfrist in Form einer zweiten Nachlassstundung. Und dann?

von Alimenta Import

«Sechs Millionen muss ein Investor mitbringen, der die Molkerei Frenkendorf übernehmen will», sagt Urs ­Baumann. Bisher sind gemäss dem Sachwalter der Molkerei fünf ernstgemeinte Investoren da, die den drohenden Konkurs abwenden könnten. Seit letzter Woche steht der Betrieb in der zweiten Nachlassstundung, die bis am 6. Juli 2010 dauert.

Warten nun potenzielle Käufer auf den Konkurs und schlagen dann mit einem Schnäppchen zu? «Nein», dementiert Sachwalter Baumann. «Vielleicht wäre der Verkaufspreis dann 1,5 Mio. Franken tiefer, doch dem Spekulanten käme diese Variante teuer zu stehen, weil er nach der Konkursphase, in der der Betrieb nach Gesetz geschlossen bleibt, wieder bei null anfangen müsste. Ob die Kunden nach dem Verfahren wieder zur Regiomilch zurückkehren würden, wäre dann die andere Frage.

Doch es soll gar nicht bei Preisverhandlungen angefangen werden. Viel wichtiger ist es für die Hauptgläubiger zu wissen, was ein Investor mit der Molkerei anfangen und wie er das bisherige Konzept weiterführen will. Viel anderes als Milchprodukte herzustellen, lassen aber die Gebäude gar nicht zu. Zu diesem Schluss kamen auch die Hypothekargläubiger und das Kantonsgericht, das mit der zweiten Nachlassstundung ein Auge zugedrückt hat.

Sträfliche Planungsfehler

Der im 2007 realisierte Neubau wurde aus­giebig und jahrelang geplant. Dennoch sind es Planungsfehler, die zu dieser Situation führten. Diese wirkten sich fatal auf das ursprünglich vorgesehene Budget von 8 Millionen aus. «Auch bei 9 Millionen wäre die Molkerei überlebensfähig gewesen, und sie hätte dieses Jahr schwarze Zahlen geschrieben», meint ein Insider. Doch der Bau verschlang 13 Millionen bei einer Milchmenge von 6 Mio. Liter. Und der Schuldenberg gipfelt jetzt in ­einer Höhe von 15,5 Mio. Franken, wovon 10 Mio. Franken pfandgesichert.

Die Planungsfehler reichen von der Systemsteuerung, die nach falschen Gesichtspunkten realisiert wurde, über eine bis jetzt nie gebrauchte Baktofugationsanlage, weil das Konzept der Molkerei der Frischmilchverarbeitung entspricht. Butter steht nicht im Angebot der Molkerei, dafür eine ungebrauchte 2000-Liter-Butterwanne.

Fatal wirkte sich der gutgemeinte ­P-Minergie-Standard des Gebäudes aus, der zu hohen Temperaturen in den Produktionsräumlichkeiten führte, was mit einer teueren Klimatisation wieder korrigiert werden ­musste. Käse wird keiner produziert, doch die Räumlichkeiten dafür wurden gebaut. Weiter musste die Flaschenfüllmaschine nach einem Jahr durch eine Getränke­kartonabfüllmaschine ersetzt werden. Hygienische Probleme traten auf. Dem Pseudo­monas-Bakterium im Spülwasser wurde der Garaus gemacht, doch gute Kunden wie Spi­täler verzichteten dennoch auf Frischmilch. Auch mit Lohnaufträgen wie den Traktor-Smoothies macht die Molkerei Verlust.

Aus drei mach eins?
Der «Alleingang» der Molkerei scheint sich nicht auszuzahlen. Über Partnerschaften wurde vor Jahren diskutiert. Die Molkerei Lanz hat seitdem einen Neubau erstellt, eine andere Molkerei, die Milchzentrale Zofingen, wird am 1. April ihre Tore schliessen.