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Biomarkt wächst weiter aber Biobauern fehlen

Bio Suisse startet Offensive zur Mobilisierung von Produzenten

von Foodaktuell Importer

Bio ist etabliert und die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt seit Jahren. Bio Suisse startet eine bio-offensive, damit wieder mehr Bauern auf Biolandbau umsteigen.


Der Bio-Markt wuchs 2009 um 7% auf 1,545 Mia Franken. Die Zunahme betrifft alle Produktgruppen. Besonders auffällig ist das Wachstum bei Bio-Fleisch (+16,8%) und -Fisch (+34,6%) sowie bei den verpackten Konsumgütern (+ 5,7%) und den Convenience-Produkten (+8.3%). „Bio ist etabliert und erreicht mit modernen Produkten neue Käuferinnen und Käufer“, sagte Jürg Schenkel, Marketingleiter von Bio Suisse an der Jahresmedienkonferenz auf dem Bio Schwand in Münsingen/BE. Die Krise hat Bio nicht erreicht.

Durchzogener sieht die Bilanz in der Biolandwirtschaft aus. „Zwar sind 2009 mehr Betriebe auf Bio umgestiegen als im Vorjahr“, erläuterte Bio Suisse Präsidentin Regina Fuhrer. „Und im Tal hat die Biofläche zugenommen.“ Doch sowohl die Anzahl Biobetriebe als auch die -Fläche sind insgesamt leicht rückläufig. Im Jahr 2009 arbeiteten 5499 Landwirtschaftsbetriebe nach den Richtlinien von Bio Suisse, dazu kommen 436 Bio-Höfe, die nach der Bioverordnung des Bundes arbeiten. Der Anteil der Biobetriebe liegt bei 11,1 % (11,9% im Vorjahr).

Die gesamte Bio-Fläche beträgt rund 120 000 Hektaren. Das sind rund 1500 Hektaren weniger als im Vorjahr. Nicht ganz unerwartet ist der Bioanbau im Berggebiet leicht zurückgegangen, allerdings deutlich weniger stark als nach Einführung der 100-Prozent-Biofütterung für Wiederkäuer befürchtet worden war. Im Tal nahm die Fläche leicht zu. Die landwirtschaftliche Nutzfläche bleibt mit 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (11,4%) praktisch stabil.

Für den neuen Bio Suisse Geschäftsführer Stefan Flückiger ist klar: „Das grosses Potenzial in der Biolandwirtschaft gilt es auszunutzen.“ Mit einer breit angelegten bio-offensive will Bio Suisse neue Bauernfamilien gewinnen. Zur bio-offensive gehören:

Bildung und Beratung: Gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Beratungsdiensten werden interessierte Landwirte gezielt informiert und beraten.

Beschaffungsmarketing: Bio-Agrarmärkte unterstehen besonderen Gesetzmässigkeiten. Bio Suisse legt grössten Wert auf ein ausgeglichenes Wachstum. Überangebote sollen vermieden werden. Es mangelt v.a. an Brot- und Futtergetreide, an Raps, Eiern, Schweine- und extensivem Rindfleisch sowie Kräuter und Beeren.

Richtlinien-Revision: Das anspruchsvolle Regelwerk von Bio Suisse soll entschlackt werden, ohne Substanz zu verlieren. Für Stefan Flückiger und Regina Fuhrer ist klar: „Auch die Politik muss sich zu Bio bekennen und einen griffigen Bio-Aktionsplan vorlegen.“
(Mitteilung BioSuisse)


Bio-Fisch wird immer beliebter und erreicht einen Marktanteil von 6 %.

Biomarkt wächst stark weiter

Der Bio-Markt wuchs 2009 stark weiter. Der Umsatz mit Bio-Produkten stieg um 7% auf 1,545 Mia Franken. Nebst den Bio-Frischprodukten werden auch verpackte Konsumgüter und Convenience-Produkte in Bio-Qualität immer beliebter. Das zeigt: Bio ist etabliert und erreicht mit modernen Produkten neue Käuferinnen und Käufer.

Der Umsatz mit Bio-Produkten stieg im Jahr 2009 um 7% auf 1,545 Mia Franken. Jede Schweizerin und jeder Schweizer kaufte für rund 200 Franken pro Jahr Bio-Produkte. Rund 73% der Bio-Produkte gingen 2009 über die Ladentische von Coop (49,4% Marktanteil, 764 Mio Franken) und Migros (23,6% Marktanteil, 365 Mio Franken). Wiederum stark gewachsen sind die Direktvermarkter (Hofläden, Marktstände usw.) mit einem Plus von 9,6% (5,2% Marktanteil, 80 Mio Franken).

Auch die Discounter verzeichnen ein starkes Wachstum, ihr Bio-Umsatz wuchs von 7 auf 40 Mio Franken. Dies ist auf den Markteintritt von Lidl sowie auf die zahlreichen Neueröffnungen von Aldi-Filialen zurückzuführen. Der Bio-Marktanteil der Discounter bleibt mit 2,6 % bescheiden.

Grosse Nachfrage nach Bio-Convenience-Produkten

Alle Bio-Produktegruppen sind gewachsen. Besonders signifikant ist das Wachstum bei Bio-Fleisch und -Fisch sowie bei den verpackten Konsumgütern und den Convenience-Produkten. Das zeigt: Bio ist etabliert und erreicht mit modernen Produkten neue Käuferinnen und Käufer.




Besonders stark legen Convenience-Produkte zu
wie in der Linie Coop-Naturaplan.

Schaut man den Detailhandel genauer an (exklusive Bio-Fachhandel, Discounter und Direktvermarkter), zeigt sich, dass die Marktanteile bei den Bio-Frischprodukten weiter gestiegen sind. Dies ist umso bemerkenswerter, weil die Verkaufspreise für viele Produkte gesunken sind. Das heisst, dass trotz des Preisdrucks mehr Umsatz mit Bio-Frischprodukten gemacht worden ist. Im Detail präsentiert sich das Wachstum so:

Umsatz in Mio CHF Marktanteil in % Wachstum gegenüber Vorjahr in %
Gesamtmarkt (ohne
Bio-Fachhandel, Direktvermarktung
und Discounter)
1108.9 5.2 +5.2
Frischprodukte 728.4 6.5 +4.9
Verpackte Produkte 380.5 3.7 +5.7
Bio-Milchprodukte 167.0 8.6 +0.5
Bio-Frischbrot 141.1 16.0 +4.4
Bio-Gemüse 134.5 10.7 +3.0
Bio-Früchte 89.7 7.0 +4.6
Bio-Convenience-Produkte 87.2 7.6 +8.3
Bio-Fleisch 82.1 1.9 +16.8
Bio-Fisch 23.7 6 +34.6
Bio-Eier 43.9 17.2 +11.0

In der Westschweiz setzt sich das überdurchschnittliche Wachstum der letzten Jahre fort. Der Gesamtbiomarkt nahm im französischsprachigen Landesteil um 10,5% oder 22,9 Mio Franken zu. Der Marktanteil in der Romandie steigt kontinuierlich und liegt heute bei 4,6%. Bei den Frischprodukten betrug die Zuwachsrate 12%. Geradezu explodiert sind die Verkäufe bei Bio-Früchten (+24,5%), Bio-Fleisch (+26,6%) und Bio-Eiern (+15,7%).

Was führte zu diesem starken Wachstum? Einerseits steigt das Bewusstsein für ökologische Fragen auch in der Romandie. „Grüne“ Themen sind in den Medien sehr präsent. Anderseits sind Bio-Produkte in mehr Detailhandels-Filialen und Fachgeschäften besser verfügbar. Im Tessin wuchs der Bio-Markt um 3,3%. Der Bio-Marktanteil im italienischen Landesteil liegt bei 4,8% und nähert sich sukzessive dem gesamtschweizerischen Durchschnitt an.

Neue Biobetriebe braucht das Land!

Die hervorragenden Verkaufszahlen führten auch im vergangenen Jahr wiederum vereinzelt zu Lieferengpässen. So wurden Bio-Eier zeitweise zur Mangelware. Auch Bio-Getreide war chronisch knapp und von Früchten, Gemüse, Beeren, Kräutern, Rapsöl, Schweinefleisch und Kartoffeln in Bio-Qualität hätte sich problemlos mehr verkaufen lassen. Deshalb: Neue Biobetriebe braucht das Land! Der Markt könnte gut einige hundert Bio-Betriebe mehr verkraften. Darum startet Bio Suisse in diesem Jahr die bio-offensive (s. auch Referate von Stefan Flückiger und Regina Fuhrer).

Auf das Biowachstum hat die Krise keine Auswirkungen. Das weitere Wachstum des Biomarktes zeigt, dass Bio-Produkte längst salonfähig geworden sind. Ein nachhaltiger Lebensstil, zu dem auch der Konsum von Bio-Produkten gehört, hat sich etabliert. 92 Prozent aller Konsumenten kaufen laut einer repräsentativen Umfrage mindestens einmal im Jahr ein Bio-Produkt, rund 60 Prozent mehrmals pro Monat.
(Text: Jürg Schenkel, Marketingleiter Bio Suisse)

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