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Kaum noch Eier-Nachfrage nach Ostern

Vor Ostern produzieren die Schweizer Hennen auf vollen Touren, nach Ostern vergeht den Konsumenten die Lust auf Eier. Eine mögliche Lösung ist die Verarbeitung in der Industrie. Dies scheitert vorläufig am Preis und an der Verfügbarkeit.

von Foodaktuell Importer




Industrie-Automat zum Eier aufschlagen und Eiklar von Eigelb trennen

Nachdem es letzte Ostern zu wenig Schweizer Eier hatte, werden dieses Jahr genügend Eier produziert. Die Hühnerställe sind voll, die Legehennen arbeiten auf Hochtouren. Doch nach Ostern vergeht den Konsumenten die Lust auf Eier, die Nachfrage sackt ab. Die rund zwei Millionen Legehennen legen jedoch weiter ihr tägliches Ei, nach Ostern gibt es zu viele Eier.

Was also machen mit den überschüssigen Eiern? Das Problem wird durch eine möglichst gute Planung der Eierproduzenten entschärft. “Die älteren Hühner werden ausgewechselt und junge werden nachgezogen”, sagt Jean Ulmann, Präsident des Eierproduzentenverbandes GalloSuisse. Will heissen: Nach Ostern werden überdurchschnittlich viele Hühner geschlachtet. Zudem greift der Bund den Eierproduzenten mit Marktentlastungsbeiträgen unter die Arme.

Für Verkaufsaktionen von Schaleneiern gibt es fünf Rappen pro Ei, neun Rappen werden bezahlt, wenn das Ei aufgeschlagen und verarbeitet wird. Das Bundesgeld von maximal zwei Millionen Franken reicht aber nicht für alle überschüssigen Eier, und es soll nach den Sparplänen des Bundes in diesem Jahr zum letzten Mal fliessen.

Bei den Verarbeitungseiern, die zu Produkten wie Teigwaren und Guetzli verarbeitet werden, liegt laut Ulmann künftig eine Chance für die Schweizer Eierproduzenten. Denn im Gegensatz zu den Schaleneiern wird der grösste Teil der Verarbeitungseier importiert (siehe Kasten). Auch Hannes Messer, Geschäftsführer der Eierhandelsfirma EiCO, sieht ein gewisses Potenzial bei der Herstellung von Schweizer Verarbeitungseiern. “Wirklich mehr produzieren können wir aber erst, wenn die Verarbeitungsindustrie sich auch längerfristig zu Schweizer-Eiern bekennt”, sagt Messer.

Die Hühner länger legen lassen

Das hängt auch vom Preis ab: Das Schweizer Verarbeitungsei werde preislich nie konkurrenzfähig sein gegenüber dem billigeren ausländischen Verarbeitungsei, sagt Othmar Hungerbühler, Chef der gleichnamigen Firma und Eierhändler. Zudem wolle ein Guetzliproduzent, der Schweizer Eier verarbeitet, seine Guetzli das ganze Jahr hindurch ausloben können, und nicht nur Lückenbüsser für die Zeit nach Ostern sein. Derzeit seien jedoch nicht durchs ganze Jahr hindurch Schweizer Verarbeitungseier in grossen Mengen erhältlich, so dass eine fächendeckende Umstellung kurzfristig möglich wäre.




Weisse Hühner legen weisse Eier und braune Hühner legen braune Eier – fast immer, aber es gibt durchaus weisse Hennen, die braune Eier legen. Die Schalenfarbe hängt von der Hühnerrasse ab: Braunleger sind an den roten Ohrscheiben erkennbar und Weissleger haben weisse Ohrscheiben. Weisse Hennen, die braune Eier legen haben rote Ohrscheiben!
Qualitativ sind braune und weisse Eier gleich gut.

Hungerbühler hat einen Vorschlag, wie die Schweizer Eierproduzenten konstant mehr Verarbeitungseier produzieren könnten. “Die Legedauer der Hühner muss verlängert werden”, sagt er. Derzeit legt ein durchschnittliches Schweizer Huhn während 12 Monaten knapp ein Ei pro Tag. Danach wird es geschlachtet, weil die Schalen- und Eiqualität ab- und die Eiergrösse zunimmt und sie nur noch bedingt als Schaleneier verkauft werden können.

Statt die alte Legehenne bereits nach 12 Monaten mit einer neuen zu ersetzten, lässt sie der Eierproduzent noch weitere drei Monate ihre Eier legen. Diese Eier werden für die Verarbeitungsindustrie produziert, der Produzent erhält dementsprechend weniger Geld dafür. “Die Rechnung geht auf, denn das Huhn ist nach 12 Monaten, in denen es Schaleneier produziert, amortisiert”, sagt Hungerbühler. Zugleich könnte so ein ethisches Problem entschärft werden. “Wird die Lebensdauer der Hühner verlängert, müssen weniger Bibeli ausgebrütet werden. Folglich müssen auch weniger männliche Küken getötet werden und weniger Suppenhühner verwertet werden.”



HUG setzt für seine Guetzli ausschliesslich aufgeschlagene Schweizer Frischeier ein.

Es gibt bereits einige Lebensmittelverarbeiter, die auf Schweizer Verarbeitungseier setzen. Der Guetzlihersteller Hug setzt für seine Hug-Guetzli ausschliesslich aufgeschlagene Schweizer Frischeier ein und lobt dies auf der Verpackung auch aus. Emmi verwendet für die Produktion des Energy-Drinks Verarbeitungseier aus der Schweiz, der Teigwarenproduzent Pasta Röthlin in Kerns AG, die Bäckereien Bertschi in Kloten ZH und Fredy’s AG in Baden setzen auf Schweizer Verarbeitungseier.

Bei der Migros jedoch werden die verarbeiteten Eier für Industrieprodukte “zum grössten Teil importiert”, wie es bei der Medienstelle heisst. Auch für die Teigwarenproduktion beim Coop-Teigwarenhersteller Pasta Gala ist ein grosser Teil der Verarbeitungseier Importware aus Bodenhaltung. Die Nachfrage beim grössten Schweizer Eierhändler Lüchinger + Schmid zeigt: Die Verarbeitungseier stammen hauptsächlich aus dem Ausland. Die Schweizer Eierproduzenten sind also noch weit davon entfernt, den Markt für Verarbeitungseier zu erobern.



Verarbeitungseier kommen aus dem Ausland


Jährlich essen die Schweizer insgesamt rund 1,5 Milliarden Stück Eier. Knapp zwei Drittel der Eier werden ganz, also mit der Schale, verkauft. Und bei diesen Eiern wird auf die Herkunft geachtet: Gut 70 Prozent der Schaleneier stammen von Schweizer Hühnern. Anders sieht es bei Eiern aus, die zu Produkten wie etwa Teigwaren, Zopf und Guetzli verarbeitet werden: Nur vier Prozent der Verarbeitungseier sind aus der Schweiz, der Rest wird importiert. Gemäss Lebensmittelgesetz muss die Herkunft eines Inhaltsstoffes erst dann deklariert werden, wenn er mehr als 50 Prozent des Produktegewichts ausmacht. In verarbeiteten Produkten essen die Schweizer in versteckter Form also viel mehr ausländische Eier, als ihnen bewusst ist.

(Text und Bilder: LID / Helene Soltermann)

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