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Die Marktanteile verschieben sich

«Wir verlieren Marktanteile», ein Gerücht, das sich in der Milchbranche hartnäckig hält. Wie gross sind die Verluste, und wer gewinnt die Anteile? Ein Blick auf die Beteiligten und ihre Strategien drängt sich auf.

von Alimenta Import

Aufgrund der Deregulierung beobachtet man steigende Milchmengen, was zwangsläufig zu einem Preisrückgang führt. Die Produzenten rebellieren verständlicherweise gegen den fallenden Milchpreis. Wenn jedoch die Industrie ihre Marktanteile halten will, muss sie alles machen, um die Milch zu einem konkurrenzfähigen Preis zu kaufen.

Von Ost nach West
Das Bundesamt für Landwirtschaft veröffentlicht jeden Monat in seinem Marktbericht den Produzentenpreis der Milch in fünf verschiedenen Regionen. Über das gesamte Jahr 2009 betrug der Unterschied des Preises für Molkereimilch 3,77 Rappen zwischen der Romandie und der Ostschweiz. Logischerweise ist ein Verarbeiter, welcher beinahe 4 Rappen pro Kilo­gramm Milch weniger bezahlt, konkurrenzfähiger. Die tiefen Preise in der Ostschweiz haben einen Einfluss auf den Rest der Schweiz und zwingen die anderen, den Milchpreis ebenfalls zu senken. Im Nordosten hat Miba, ein wichtiger Lieferant von Elsa, bereits Verträge mit Estavayer an Händler aus der Ostschweiz verloren.

Gleicher Effekt in der EU

In der EU beobachtet man dieselben Auswirkungen. Besonders die französische und die deutsche Sichtweise geraten aneinander. Anlässlich des Milchforums Berlin sagte Martin van Driel, Mitglied der Generaldirektion AGRI in Brüssel, dass die stetige Erhöhung der Mengen nicht zu einem Überschuss geführt habe.
Die Kommentare aus Frankreich lauten anders. Jean-Marc Untereiner, Direktor der Molkerei Orlait, erzählt in einem Interview Anfang Jahr, dass seit 2008 zusätzlich etwa 200 Millionen Liter Milch, hauptsächlich deutscher Herkunft, in den Regalen des ­Detailhandels gelandet sind und nun Orlait sowohl bei den Hard-Discountern als auch im Detailhandel konkurrenzieren. Es sei vor allem der Preis der A-Milch, welcher betroffen ist. Aufgrund der Konkurrenz durch die Importe ist der Absatz von Orlait gesunken, und das Unternehmen musste im September die Fabrik Derval (80 Millionen Liter) schliessen.

Ausmass der Selbstversorgung
Wird der Verbrauch einheimischer Produkte in Prozent des Gesamtkonsums während der letzten Jahre betrachtet, stellt man bei vielen einen leichten Rückgang fest. Die Menge des verzehrten Käses aus Vollmilch ist jedoch ­gestiegen.
Bei den Exporten ist für Käse seit dem 1. Juni 2007 der Freihandel mit der EU in Kraft. Die Tatsache, dass die Exporte ansteigen, wurde oft betont, jedoch steigen die Importe stärker an als die Exporte. Zwischen 2007 und 2009 sind die Exporte um 2800 t und die Importe um 6200 t gestiegen.
Berechnet man den Anteil des Schweizer Käses anhand der Zahlen von TSM Treuhand, zeigt sich ein stetiger Rückgang des einheimischen Käses am Gesamtkäseverbrauch von 77% im Jahr 2007 auf 74% im Jahr 2009 (siehe Tabelle).
Nach der Betrachtung des Problems von verschiedenen Seiten kann man sich fragen, ob die stetige Senkung des Preise für Molkereimilch tatsächlich die richtige Strategie ist. Es handelt sich um eine Flucht nach vorne, da Europa bei einem bereits deutlich tieferen Milchpreis auf dieselbe Weise vorgeht. Andererseits bestehen unsere Käse und deren Preise auf dem freien europäischen Markt ganz gut, verlieren aber auch langsam an Boden. Die Wunderlösung ist noch nicht gefunden.