Datum:

Förderplattform für Innovationen

Swiss Food Research unterstützt die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Produktideen wie etwa die Entwicklung eines ­Diagnosemittels bei Schluckstörungen werden gefördert.

von Alimenta Import

Von Schluckstörungen sind Menschen oft nach einem Schlaganfall oder einem Unfall betroffen, aber auch Demenzkranke leiden darunter. Damit bei diesen ­Personen der Schluckreiz ausgelöst wird, muss eine Flüssigkeit eine bestimmte Konsistenz aufweisen. Die Wissenschafterin Christine Brombach und ihr Team von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil entwickelten eine Projektidee für ein Verdickungsmittel, welches gleichermassen für die Diagnostik bei Dysphagie (Schluckstörung) und für den Einsatz im Alltag der Betroffenen geeignet sein sollte. Die Standardisierung des Pulvers soll erlauben, Angaben darüber machen zu können, mit welcher Menge welche Konsistenz der Flüssigkeit erreicht werden kann (beispielsweise puddingartig).

Unterstützung der Projektidee
Im Anschluss an die erfolgreiche Suche nach einem Industriepartner reichte das Team, ­bestehend aus den Forscherinnen und dem Industriepartner, sein Projekt am sogenannten «Transferkolleg» der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) ein. Mit dem Transferkolleg unterstützen SATW und die Förderagentur für ­Innovation des Bundes (KTI) Erfolg ver­heissende Projekte mit 16?000 Franken, und bieten den Entwicklern zudem die Möglichkeit, ihr Projekt an einem Workshop mit Fachkollegen kritisch zu diskutieren. Das Projekt von Christine Brombach wurde als för­derungswürdig anerkannt. Aufgrund der ­Diskussion am Workshop wurde beim Projekt von Brombach nicht nur ein Pulver als ­Diagnosehilfsmittel, sondern auch zur Einstellung einer gewünschten, festgelegten Konsistenz des Lebensmittels als Ziel definiert. Brombach betont, dass es für ein Forschungsteam ein hohes Mass an Anerkennung bedeute, wenn ein Projekt gefördert wird. Dies zeige, dass die Idee Entwicklungspotenzial aufweise.

Bestehende Produkte sind nicht ideal
Danach wurden die gewünschten Attribute des zu entwickelnden Produkts definiert und eine Marktanalyse durchgeführt. Dabei tes­tete das Projektteam die gängigen, auf dem Schweizer Markt erhältlichen Verdickungsmittel, welche bei Schluckstörungen ein­gesetzt werden. Da noch keine Methode für diese Tests zur Verfügung stand, musste diese erst entwickelt werden. Die wichtigste Anforderung an das neue Produkt ist seine Resis­tenz gegen Amylase, da es sonst im Mund abgebaut wird und das Lebensmittel seine ­verdickte Konsistenz wieder verliert.

Zum Zeitpunkt der Marktanalyse stiess man auf kein Produkt mit den gewünschten Eigenschaften. Ausserdem wurde festgestellt, dass alle bestehenden Produkte bezüglich Sensorik und Benutzerfreundlichkeit verbesserungs­fähig sind. Brombach ist mit den bisher gewonnenen Ergebnissen sehr zufrieden. Im Laufe des Projekts zeigte sich jedoch, dass bereits ein ähnliches Produkt auf dem Markt vorhanden ist. Nun muss sich das Projektteam überlegen, ob es mit der Entwicklung eines Produktes weiter­fahren will oder nicht.
Für Christine Brombach war die Unterstützung durch die SATW und das Forschungs- und Entwicklungs-Konsortium Swiss Food Research ein Glücksfall. Dadurch konnte sie wichtige Erkenntnisse gewinnen und neue Kon­takte, zum Beispiel zu Rheologiefachleuten, knüpfen.

Ideen suchen und Projekte unterstützen
Swiss Food Research hilft aktiv mit, das ­Projektkonsortium mit den verschiedenen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft aufzubauen und einen Antrag für eine finanzielle Unterstützung bei der zuständigen Förderungsinstitution, zum Beispiel der KTI, zu formulieren. Gemäss Hans-Peter Bachmann, Co-Chairman von Swiss Food Research, sollen möglichst viele neue Projekte lanciert und mit den geförderten Projekten ein guter Umsetzungserfolg erzielt werden: «Dies bedeutet, dass die Industrie weiter in die neuen Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen in­ves­tiert.» Erfolgsabhängig erhält Swiss Food ­Research eine Bonifizierung durch die KTI und kann damit weitere Projekte initiieren. Gemäss Bachmann gab es dank dem von SATW, KTI und Swiss Food Research orga­nisierten Transferkolleg 2009 zum Thema «Food Processing» mehr Projekte. Dadurch hätten sie mehr Geld zur Verfügung und ­veranstalteten nun einen jährlichen Call als Nachfolgeinstrument zum Transferkolleg. Dieser werde dazu beitragen, dass auch in ­Zukunft ähnlich viele Innovationsprojekte im Lebensmittelsektor realisiert würden.
Im Sinne von Open Innovation hat Swiss Food Research dieses Jahr das erste Mal eine öffentliche Web-Umfrage nach neuen Produktideen durchgeführt, bei der sich jeder ­Interessierte beteiligen konnte. Die Fragestellung lautete: «Welches Lebensmittel würden Sie gerne kaufen, welches noch nicht auf dem Schweizer Markt erhältlich ist?». Das Echo war gross, und Swiss Food Research benötigt nun einige Wochen, um die über 500 einge­gan­genen Vorschläge zu bewerten und zu entschei­den, welche weiterverfolgt werden können.

Stärkung des Agrar- und Ernährungssektors

Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschern, wie sie Swiss Food Research fördert, ist wichtig, um den schweizerischen Agrar- und Ernährungssektor für den Agrar-Freihandel mit der EU möglichst gut zu posi­tionieren. Wie Bundesrätin Doris Leuthard festhält, sind bei einer Marktöffnung Vertrauen, eine Strategie der Qualität und Ausrichtung auf Zukunftsfelder matchentscheidend. Die Herausforderung für den Agrar- und Lebensmittelsektor bestehe darin, europaweit und global durch Qualität und Preise sowie auf dem heimischen Markt durch die Nähe und Nachvollziehbarkeit der Produkt­kette wettbewerbsfähig zu sein. Für ­Aussagen zur Entwicklung der Projekte sei es noch zu früh, heisst es aus ihrem Departement. Forschungsprojekte bräuchten jeweils eine gewisse Zeit, bis konkrete Resultate vorliegen und entsprechend gewürdigt werden könnten.