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Pastabag – «einfach praktisch»

Trockenteigwaren im Kochbeutel – eine Innovation der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft, welche dem zunehmenden Convenience-Bedürfnis der heutigen Gesellschaft Rechnung tragen soll.

von Alimenta Import

Trockenteigwaren werden im Handel in allen Formen und Farben angeboten. Der Vergleich zum Substitut Reis zeigt, dass der Convenience-Gedanke noch nicht auf diese Produktgruppe adaptiert worden ist. Dieses Potenzial entdeckten fünf Studierende der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft während der Entwicklung einer Produktidee im Rahmen des neuen Moduls «Produktentwicklung». Darin soll neben dem Lebensmittel auch die Verpackung, das Marketing- und Vertriebskonzept entwickelt sowie alle betriebswirtschaftlichen Aspekte einer Produktinnovation und deren Lancierung berücksichtigt werden.

Höhere Wertschöpfung im Kochbeutel

Bisher ist das Angebot an Trockenteigwaren durch die Verpackung in Kartons oder Beutel zu meist 500 Gramm eher traditionell ge­staltet. Im Vergleich dazu hat sich der Kochbeutel bei Reis bereits einen festen Platz im Regal ­gesichert. Beim Preisvergleich zwischen dem herkömmlichen Reis und dem Reis im Kochbeutel kann ausserdem eine deutliche Steigerung der Wertschöpfung festgestellt werden.
Die Machbarkeitsstudie hinsichtlich Produktion, Kochverhalten und Sensorik der ­Pasta hat gezeigt, dass keine grundlegenden Änderungen an der Rezeptur und am herkömmlichen Herstellungsverfahren vorgenom­men werden mussten. Veränderte Rezepte, wie ­beispielsweise solche mit Olivenöl, führ­ten in ­Bezug auf das Zusammenkleben zu ­keinem verbesserten Kochverhalten. Hingegen konnten durch das Olivenöl positive ­sensorische Effekte nachgewiesen werden. Weil dadurch aber höhere Produktionskosten entstanden, wurde zugunsten einer höheren Wertschöpfung auf den Einsatz von Olivenöl verzichtet.

Verpackung im Teebeutelsystem

Um einen qualitativ hoch stehenden Koch­beu­tel anzubieten, wurde bei der techno­logischen Entwicklung auf verschiedene ­Aspekte geachtet. Faktoren wie beispielsweise die gleich­­mässige Benetzung des Produkts während des Kochvorgangs, die Volumen­zunahme und die damit verbundene Raum­kapazität, die Interaktion zwischen dem Beutelmaterial und den Trockenteigwaren sowie die Benutzerfreundlichkeit wurden eingehend untersucht. Die schliesslich gewählte Beutelform entspricht einem Teebeutelsystem mit Öffnungsmechanismus. Diese Form garantiert das benötigte Volumen sowie die gewünschte Benutzerfreundlichkeit.

Abwägen nicht mehr nötig
Mit dem Pastabag soll der Zielgruppe von 20- bis 50-jährigen Personen, die in Einzel- oder Zweierhaushaltungen leben, das Kochen erleichtert werden. Dabei soll der Konsument ohne viel zu überlegen und mit geringem ­materiellem Aufwand die richtige Menge Teigwaren zubereiten können. Das bedeutet, dass dem Konsumenten die Verwendung einer Waage zum Abwägen der geeigneten Portionengrösse sowie das Abschütten mit einem Sieb oder dem Pfannendeckel erspart werden. Beim Abschütten des Wassers wird zugleich die Gefahr des Fingerverbrennens beseitigt. Aus der Summe dieser Vorteile entsteht somit der UAP (unique advertising proposition), welcher die Einzigartigkeit des Produkts mit der geeigneten Werbebotschaft kommuniziert. Im Falle von Pastabag lautet diese ­Botschaft «Coole Verpackung mit heissem ­Inhalt».

Optisch von Konkurrenz unterscheiden
Die Ausgestaltung des Marketing Mix ist darauf ausgelegt, die zuvor erwähnten Vorzüge der Produktinnovation optimal am Markt zu positionieren. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die eindeutige Differenzierung zur Konkurrenz. Um das zu erreichen, wurden sämtliche Marketinginstrumente aufeinander abgestimmt. Dabei wird beispielsweise bei
der Produktpolitik darauf geachtet, eine Verpackungsform sowie -farbe zu wählen, welche im Handel noch nicht zu finden ist, damit sich das Produkt optisch von der Konkurrenz unterscheidet.
Bei der Kommunikationspolitik wird dem Ziel Rechnung getragen, die definierte Zielgruppe möglichst breit zu erreichen. Ausserdem wird bei der Ausgestaltung der Kommunikationsmittel darauf geachtet, dass der Schwerpunkt der Kommunikation auf dem angestrebten Verkaufskanal, beispielsweise in Form eines Inserates in einer Kundenzeitschrift, liegt.

Break Even ab einer Menge von 340 Tonnen

Die Preispolitik orientiert sich an dem im Handel erhältlichen Kochbeutel mit Reis. Dieser prozentuale Aufpreis wird übernommen und als Ausgangslage für die betriebswirtschaftlichen Berechnungen definiert. Daraus wurde eine Produktkalkulation sowie die ­Deckungsbeitragsrechnung abgeleitet, worauf die Erfolgsrechnung mit den geplanten Absatzmengen über fünf Jahre simuliert werden konnte. Dabei konnte errechnet werden, dass ab einer Menge von 340 Tonnen der Break-Even-Punkt erreicht wird, was gemäss Absatzplan zwischen Jahr drei und vier nach Lancierung des Pastabags sein wird.

* Die Autoren und Autorinnen studieren an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) Lebensmitteltechnologie.
** Patrick Bürgisser ist Dozent an der SHL und betreut das Modul «Produktentwicklung».