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McDonald’s wird wieder tierfreundlich

McDonald's hat sich mit den Bauern geeinigt: Auch künftig soll die tierfreundliche Haltung bei der Rindfleischbeschaffung eine Rolle spielen.

von Foodaktuell Importer

Weil die Hamburger bei McDonald’s ohne Fett gebraten werden, muss der Fettgehalt des Fleisches etwas höher sein.

Im Sommer 2009 hatte McDonald’s angekündigt, für Rindfleisch, das zu Hamburgern verarbeitet wird, nicht mehr IP-Suisse-Qualität zu bevorzugen sondern Fleisch mit dem Suisse Garantie-Zeichen. Bezüglich der Anforderungen in der Haltung der Kühe bedeutet das gesetzlicher Mindeststandard. Die Reaktion war ein Aufschrei der IP-Suisse-Produzenten und der Tierschützer. Darauf hin erklärte sich McDonald’s bereit, über die künftigen Einkaufsbedingungen zu verhandeln. Danach folgte monatelange Funkstille. Nun hat McDonald’s die Katze aus dem Sack gelassen.

Der Tierschutz soll weiterhin eine wichtige Rolle spielen. McDonald’s fordert künftig, dass neben den Standardanforderungen von QM-Schweizer Fleisch auch die Richtlinien von RAUS eingehalten werden. QM steht für Qualitätsmanagement und RAUS ist ein Programm des Bundes, das für die Tiere möglichst viel Auslauf im Freien verlangt. Für Tiere, die diese Bedingungen erfüllen und auch die erforderliche Fleischqualität liefern, bezahlt McDonald’s nun eine Prämie von 40 Franken. Damit soll der Anreiz geschaffen werden, dass Tiere mit der richtigen Fleischqualität geliefert werden, erklärt Rhea Beltrami (Bild), Leiterin Einkauf bei McDonald’s, gegenüber dem landw. Informationsdienst LID.

Das Problem war bisher, dass IP-Suisse lediglich ein Drittel des Fleisches liefern konnte, den Rest musste Bell, der für McDonald’s in Oensingen SO die Rindfleisch-Pattys produziert, von konventionellen Schweizer Betrieben beziehen. Die bisherige Prämie von 30 Rappen pro Kilo wurde laut Beltrami in den letzten drei Jahren nicht ausbezahlt; sie war nur vorgesehen für den Fall, dass die Marktpreise tief sind.

Weil die Hackfleischplätzchen in den McDonald’s-Restaurants ohne Fett gebraten werden, muss der Fettgehalt des Fleisches etwas höher sein. “McDonald’s ist ein heikler Kunde, das Fleisch braucht eine gewisse Marmorierung”, sagt Josef Daehler von Bell. Die Qualitäts- und Fettgehaltsanforderungen sind klar festgelegt. Insgesamt verarbeitet Bell für McDonald’s 35’000 Vorderviertel von Kühen zu knapp vier Millionen Kilo Rindfleisch.

Die Mehrkosten für die Prämie wird von McDonald’s bezahlt, denn die Hamburger sollen in den Restaurants nicht teurer werden, wie Beltrami erklärt. Sie hofft, auf diesem Weg möglichst bald 100 Prozent des Fleisches aus Auslaufhaltung beschaffen zu können. Der Deal gilt für zwei Jahre, danach will McDonald’s Bilanz ziehen. (Text: LID / Roland Wyss-Aerni)



Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme” (BTS): Die Tiere sind in einem Drei-Raum-Laufstall, das heisst, sie haben eine gedeckte und eingestreute Liegefläche, einen gedeckten Fressbereich und einen ungedeckten Bewegungsbereich (Bild: LID)

Prämien für tierfreundliche Haltung

Seit 1993 bzw. 1996 bezahlt der Bund Beiträge an Landwirte, die ihre Tiere freiwillig in den staatlichen Tierhaltungsprogrammen “Regelmässiger Auslauf ins Freie” (RAUS) und “Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme” (BTS) halten. RAUS-Tiere müssen im Sommer an mindestens 26 Tagen und im Winter an 13 Tagen Auslauf auf einer Weide oder im Laufhof haben. Die Tierhalter bekommen pro Tier und Jahr 180 Franken. 76% des Rindviehs wird derzeit im RAUS-Programm gehalten. Den Milchkühen in RAUS und BTS geht es besser als jenen in herkömmlicher Haltung. Zu diesem Schluss kommt eine vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) herausgegebene Studie. (Quellen: BLW / LID)

Weiterlesen: McDonald’s steigert 2009 den Umsatz – in Kurznews 30.3.2010