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Emmi will Marktanteile gewinnen

Durch die Übernahme von Fromalp sieht Emmi-Chef Urs Riedener eine Chance, mit Schmelzkäse den europäischen Raum zu erobern. Schliesslich liegt der Schweizer Marktanteil in diesem Bereich bloss bei einem Prozent.

von Alimenta Import

Noch Anfang März liess Fromalp verlauten, ein Verkauf stehe nicht zur Diskussion. Etwas mehr als einen Monat später scheinen sich die Zeichen gewendet zu haben: Am 13. April wurde die Übernahme des in Zollikofen ansässigen Käseproduktions- und -handelsunternehmens durch Emmi gemeldet. Der grösste Schweizer Milchverarbeiter kauft es von der deutschen Hochland-Gruppe.
«Diese Übernahme erlaubt uns, den Marktanteil von Schweizer Schmelzkäse auf dem europäischen Markt markant zu steigern», begründet Emmi-Chef Urs Riedener den Entscheid gegenüber «Alimenta». In der EU stammt nur gerade ein Prozent des Schmelzkäses aus Schweizer Produktion. Durch die Übernahme könne in Zukunft mehr Schweizer Milch als Fondue und Raclette exportiert werden, fügt er an.
Riedener erhofft sich auch, Synergien nutzen zu können, vor allem im Verkauf. Denn die bisherige Besitzerin von Fromalp, die ­Allgäuer Hochland SE, investierte in ­eigene ­Markenprodukte, nicht aber in ein schweizerisches Randsortiment. Fromalp selber verfügte über ein Marketingbudget von ein paar hunderttausend Franken. «Damit reisst man keine Bäume aus», kommentiert Urs Riedener.
Derzeit erwirtschaftet Fromalp 40 Prozent des Umsatzes im Exportgeschäft. Um wie viel dieser Anteil gesteigert werden kann, lässt sich gemäss Riedener noch nicht beziffern. Doch die Erfahrung lehre, dass eine Marke dank Werbung im zweistelligen Prozentbereich wachsen könne. Bei Emmi war dies jüngst in Holland der Fall.

Arbeitsplätze nicht in Gefahr
Für das Werk, in das letztes Jahr ein Betrag
im zweistelligen Millionenbereich investiert wurde, bedeutet die Übernahme aber nicht unbedingt die Schliessung und für die Arbeitnehmer gemäss Urs Riedener nicht den ­Arbeitsplatzverlust. Bis die Wettbewerbskommission dem Deal zustimmt, vergehen allenfalls ein paar Monate. In dieser Zeit will Emmi prüfen, welche Synergien sich durch die Zusammenlegung der ähnlich aufgestellten Unternehmen ergeben werden. Bis jetzt steht fest, dass eine Möglichkeit besteht, die ­Gebäude logistisch zu nutzen. Arbeitsplätze ­sollen jedoch keine abgebaut werden. Denn schliesslich sind in der Umgebung mit Kirchberg, Ostermundigen und Langnau gleich drei weitere Emmi-Standorte, wo die Leute weiterbeschäftigt werden könnten, vorhanden.

Verunsicherung nach Mifroma-Deal

Es wurde erwartet, dass Fromalp nach der Abstossung seiner «Perle», der Gruyère-Affinage an die Mifroma im letzten Herbst, auch das Emmentaler-Geschäft verkauft wird und sich das Unternehmen auf die Raclette- und Schmelzkäseproduktion in Zollikofen be­schränken wird. Die Verunsicherung bei den Emmentaler-Lieferanten war entsprechend gross. Einige sicherten sich schon bei anderen Händlern ab. Doch André Straub, der bis Ende Februar dieses Jahres das Unternehmen leitete, wollte am Emmentaler-Geschäft festhalten («Alimenta» 17/09). Für Käserproduzenten, die mit Fromalp einen laufenden Vertrag haben, ändere sich nichts, sagt ­Riedener.
Fromalp-Lieferant Markus Stirnimann von der Käserei Luthern sieht Chancen in der Übernahme durch Emmi. Dies, obwohl er sich im Käsehandel eine starke Nummer zwei mit einer klaren Vorwärtsstrategie gewünscht hätte: Schliesslich sei eine zu grosse Konzentration der Abnehmer nicht gut.
Durch die Übernahme besitzt Emmi beim Emmentaler AOC einen Marktanteil von 74 Prozent. Eine grosse Zahl – doch vor sieben Jahren, nach der Übernahme von Swiss Dairy Foods, war dieser noch höher.
Trotz seiner Skepsis gegenüber der Markt­­konzentration steht für Stirnimann fest, dass Fromalp «nicht der einfachste Partner» war: «Die Entscheidungswege waren lang und komp­liziert.» Deshalb habe das Unternehmen den Schritt in die Marktwirtschaft nicht geschafft.
Ein anderer Lieferant meint, dass die Übernahme im Jahr 2006 durch Hochland nichts als logisch gewesen sei. Das deutsche Unternehmen wollte sich mit der Kompetenz zur Herstellung von Naturkäse aufwerten. «Doch wie kann es sein, dass gerade dieser Teil letzten Herbst verkauft wurde?», fragt er sich. Schmelzkäse und Raclette herstellen könnten die Deutschen besser und vor allem billiger als die Schweizer in Zollikofen.
Laut Jakob Beer aus Oberwil, der zu den 30 Emmentaler-Lieferanten gehört, wird Emmi diesen Freitag über das weitere Vorgehen informieren. Danach wird intern beraten werden. «Interessant wird auch sein, was mit den von Emmi vor acht Jahren ­ausgestossenen 12 Emmentaler-Betrieben, die über den Umweg der PFS (Producteurs ­Fromages Suisses) in die Fromalp gelangten, passieren wird.»
André Straub wollte sich zum Verkauf von seinem einstigen Arbeitgeber nicht äussern. Käseaffineur Ernst Oettli von Gourmino sieht Chancen im Wachstum von Emmi. So kann er sich auf die Nischenkunden konzentrieren.

Keine einfache Aufgabe
Hochland ist mit Schnittkäse im Selbstbe­dienungsbereich in Deutschland sehr gut aufgestellt. Dort liegt aber der ­Benchmark laut Deutschland-Marktkenner ­Thomas Schiemann bei 1,95 Euro pro 150 Gramm für Appenzeller, Gruyère und ­Emmentaler-Scheiben (Aldi-Preis). Bei den Discountern (Aldi, Lidl, Netto, Penny) wird Fondue lediglich eine Woche pro Jahr im ­Regal geführt, Schweizer Raclette im Bereich Discount, wenn überhaupt, ebenfalls nur eine Woche. Die deutschen Preise, die stark vom Discount beeinflusst sind, liessen Hochland wohl erkennen, dass es nicht einfach ist, die Fromalp-Produkte zu verkaufen. Die deutsche Unternehmung fokussiert ausserdem Märkte in Ost­europa. In Rumänien hat sie Marktführerschaft. Seit August ver­gangenen Jahres ist Hochland auch im Iran ­vertreten und hat dort in Amol mit der Produktion begonnen.