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Mehr Eigenverantwortung gefordert

Fromarte-Direktor Jacques Gygax zeigte auf, dass die Beschlüsse der Branchenorganisation Milch kaum umgesetzt werden. Daher brauche es ein konsequentes Umdenken; weg vom Zwang, hin zur Eigenverantwortung.

von Alimenta Import

Die Situation auf dem Milchmarkt war einmal mehr ein zentrales Thema an der Delegiertenversammlung von Fromarte, die am 15. April in Bern stattfand. Es zeige sich, dass die Abräumung von 62?000 Tonnen Molkereimilch, wie sie der Vorstand der Branchenorganisation (BO) Milch im März beschlossen hat, nicht umsetzbar sei, stellte Direktor Jacques Gygax fest. Dies, weil sich die Vertragsmengen fast täglich änderten und dadurch die Basis für eine verursachergerechte Abräumung nicht gegeben sei: «In gewisser Weise sind die Vertragsmengen nur virtuell», folgerte er.
Demnach wird sich an der nächsten Vorstandssitzung, die diese Woche stattfindet, zeigen, ob und wie die BO Milch künftig ­agieren kann. Für Gygax ist klar, dass sich die Organisation auf strategischer Ebene über ihre Ausrichtung klar werden muss. Auf operativer Ebene müssten das Mengenführungsmodell analysiert und die Fehler ausgemerzt werden. Dazu gehört, die Richtpreisfestlegung durch eine Preiserhebung, die nur noch einen informativen Charakter besitzt, zu ersetzen. Eindringlich plädierte er für mehr Eigenverantwortung der Marktteilnehmer.

Kampf den Käseimporten

Präsident René Kolly zeigte sich sehr zufrieden mit dem Abschneiden der Schweizer
an den Käseweltmeisterschaften in Madison USA. Nicht nur führen die Eidgenossen die Gesamtwertung an. Mit Cédric Vuille aus La Brévine stellen sie auch den Weltmeister. Die Fromarte-Delegierte Maria Meyer und ­Martin Bienerth aus Andeer erreichten den zweiten Gesamtrang. Am 22. April findet in Madison die Preisverleihung statt, zwei Tage später werden die Gewinnerinnen und Gewinner am Flug­hafen Zürich gebührend empfangen.
Kolly richtete aber auch weniger erfreuliche Worte an die Delegierten: Derzeit weise die Import-Export-Bilanz für Käse auf der Importseite einen Überhang von 20 Mio. Kilo Milch aus, was vorwiegend von der Massenware herrühre. Deshalb ist für ihn klar, dass die inländischen Milchverarbeiter diesen Platz zwischen den wertschöpfungsstarken, traditionellen Käsen sowie der Milchpulver- und Butterproduktion belegen sollen.
Dazu forderte Kolly politische Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, deutlich mehr Vollmilch zu Käse zu verarbeiten. Dadurch sollten keine Überschüsse an Milch­pulver und Käse anfallen. Mengen und Preis seien daher auf einem Niveau zu ­regeln,
das es ermögliche, die Käsemarkt­anteile im ­Inland zu halten, sie im Ausland auszubauen und gleichzeitig die Importe zu reduzieren, sagte er.

Branchenleitlinien anerkannt

An der Versammlung wurde ferner darüber informiert, dass das Bundesamt für Gesundheit das Qualitätsmanagementsystem, das von Fromarte entwickelt wurde, genehmigt hat. Dadurch werde den gewerblichen Betrieben die Erfüllung der lebensmittelrechtlichen Vorschriften wesentlich erleichtert.
Zudem sprachen sich die Delegierten für geringfügige Statutenänderungen aus. Unter anderem beschlossen sie, die Rechnungen für die Mitgliederbeiträge fortan im Mai zu verschicken, sodass das Geld bis zum 30. Juni auf dem Fromarte-Konto liegen sollte.