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Kaum Rezession im Schweizer Fleischmarkt

Die Schweizer Fleischwirtschaft war 2009 von der Rezession nur in abgeschwächter Form betroffen, wobei auch im Fleischfachgewerbe eine Zurückhaltung spürbar war.

von Foodaktuell Importer



Rolf Büttiker, SFF-Präsident und Solothurner FDP-Ständerat, forderte heute vor den Medien:
Lebensmittel, die vollumfänglich in der Schweiz hergestellt werden, sollen die Vorgaben der Swissness unabhängig von der Herkunft des Rohmaterials erfüllen.
Den bestehenden BAG-Vorschlag zum Healthy Choices-Label lehnt der SFF ab.
Den vermehrten Würzfleisch-Import wertet er als verständliche und legale Folge eines völlig untauglichen Importsystems (Versteigerungsverfahren). Besonders ärgerte sich Büttiker über das Bundesamt für Landwirtschaft, das die Zollkontingentrechte des beim Grossbrand in Basel Ende März vernichteten Fleisches (rund 4000 Tonnen) nicht zurückgeben will.

Die Fleischbranche hat die Rezession insgesamt gut gemeistert und erwartet von der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung zusätzliche Impulse. Der Rückgang des Pro-Kopf-Konsums um 1.8% im 2009 bewegte sich im normalen Schwankungsbereich. Die inländische Produktion wurde bei Rindvieh, Schweinen und Geflügel im Bereich von 2 bis 4% gesteigert. Dies hatte rückblickend eine zu starke Reduktion der Importe infolge der vor allem durch die bäuerlichen Kreise allzu restriktiv gehandhabten Freigaben zur Folge und führte insgesamt zu weniger Ware auf dem Markt.

Der Detailumsatz nahm im Mittel um 1.5% ab, was auch die durchschnittlich tieferen Verkaufspreise widerspiegelt. Dank des erfreulichen Festtagsgeschäftes konnte der relativ träge Geschäftsgang des übrigen Jahres zum Teil wieder kompensiert werden. Insgesamt darf festgehalten werden, dass sich die Fleischbranche im positiven Rahmen bewegt. Sehr erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Beschäftigungslage innerhalb der Branche gut ist und das Personalaufkommen sich im konstanten Bereich bewegt.

Wie Ständerat Rolf Büttiker, Präsident des Schweizer Fleisch-Fachverbands, ausführte, hat die Schweizer Fleischwirtschaft auch schon einfachere Zeiten durchgemacht, aber auch schon unverhältnismässig härtere. Nach wie vor stehen auf der Traktandenliste so zentrale Themen wie der Agrarfreihandel mit der EU sowie die Korrektur des zur Zeit herrschenden und für die Fleischwirtschaft geradezu ruinösen Importystems.

Derzeit ist im Auftrag des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements eine aus Vertretern der Landwirtschaft, des Viehhandels, der Geflügelimporteure und des SFF bestehende Arbeitsgruppe mit dem Thema beschäftigt. Sie wird ihre Arbeit voraussichtlich Mitte Juli abschliessen wird. Aus diesem Grund äussert sich der SFF zur Zeit nicht weiter zu diesem brennenden Thema. Grosse Sorgen bereitet Rolf Büttiker zudem die Mehrung von Klagen der SFF-Mitglieder über die in beängstigendem Masse zunehmende Regulierungs- und Kontrollwut der Behörden.

Ferkelkastrationsfond kurz vor dem Ziel

Sehr Positives hatte der Präsident des SFF bezüglich der vom Gesetz per 1. Januar 2010 geforderten schmerzfreien Ferkelkastration zu vermelden. Obwohl die Mitglieder des SFF nicht begeistert waren für etwas herhalten oder aufkommen zu müssen, das zwar in ihrem Interesse, aber nicht in ihrem direkten Tätigkeitsbereich liegt, hat sich der SFF stets bedingungslos hinter das Anliegen gestellt und Hand für die Äufnung eines Kastrationsfonds geboten. Gegen 400 Schlachtauftraggeber haben sich solidarisch am Kastrationsfonds finanziell beteiligt, damit die Bauern das notwendige Narkosegerät beschaffen können.

Swissness – vorgeschlagene Regelung ist untauglich

Die vom Bundesrat vorgelegten Entwürfe zur Änderung des Markenschutz- und des total revidierten Wappenschutzgesetztes enthält diskriminierende Regeln und dürfte sich als Bumerang für die Landwirtschaft erweisen. Wie SFF-Direktor Ruedi Hadorn ausführte, begrüsst der SFF zwar die Neueinführung eines Schutzes der Marke Schweiz aus grundsätzlichen Überlegungen, verlangt aber zwingend eine Vereinfachung des vom Bundesrat vorgelegten Entwurfes.

Er widersetzt sich der vorgeschlagenen 80% Rohmaterial-Limite für verarbeitete Lebensmittel und fordert stattdessen, dass sämtliche Lebensmittel, die vollumfänglich in der Schweiz hergestellt werden, die Vorgaben der Swissness unabhängig von der Herkunft des Rohmaterials erfüllen. Ansonsten muss für die Erfüllung der Swissness mindestens 60% der Wertschöpfung in der Schweiz erfolgen.

Swissness-Vorlage blockiert Appenzeller Mostbröckli

Am Beispiel des Appenzeller Mostbröckli demonstrierte der Appenzeller Metzgermeister Franz Fässler eindrücklich die 10-jährige Leidensgeschichte des Appenzeller Mostbröckli für die Anerkennung als geschützte geografische Angabe (GGA): “Wir Metzger von Appenzell warten seit einem Jahr geduldig auf den Entscheid des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW, das Mostbröckli schützen zu können.

Der Schutz für die beiden anderen Appenzeller Fleischspezialitäten Pantli und Siedwurst stellt das BLW in Aussicht und ermuntert uns, diese voranzutreiben. Aufgrund der weitaus geringeren Produktionsmengen ist der Schutz dieser zweier Produkte finanziell jedoch nicht tragbar. Unsere Botschaft lautet daher: „Entweder mit Mostbröckli oder gar kein Schutz”.

Und Franz Fässler führte weiter aus: “Unsere Grundmotivation im Jahre 2000 war es, zu verhindern, dass im nahen Ausland mit ähnlichen Grundvoraussetzungen wie Vorarlberg, Tirol, Allgäu, Bayern und weitere unser Produkt erkennen und dieses wie den Emmentaler Käse kopieren und unter dem Namen «Appenzeller Mostbröckli» vermarkten. Wir möchten die Wertschöpfung bei uns behalten und uns die Möglichkeit offen halten, Fleisch aus der EU bei uns zu veredeln, um die fertigen Produkte wieder zurückzuführen. So bleiben Arbeitsplätze erhalten bzw. es können sogar noch weitere geschaffen werden.“

Für dieses Bestreben spricht auch die bevorstehende gegenseitige Anerkennung der geografischen Herkunftsbezeichnungen zwischen der Schweiz und der EU, die auch einem allfälligen zukünftigen Export der genannten Appenzeller Fleischprodukte förderlich wäre.
Seit dem Beginn unserer Aktivitäten sind inzwischen 10 Jahre vergangen mit vielen spannenden Begegnungen, Gesprächen und Herausforderungen.

Für Appenzeller Mostbröckli werden rund 400 t Rindfleisch pro Jahr benötigt. Die Hersteller verwenden alles verfügbare Schweizer Fleisch und müssen dennoch rund 25% der Rohstoffmenge importieren. Exportiert wird heute wenig, aber bei einem GGA-Schutz würde der Export interessant und bräuchte weitere Import-Mengen. Vor allem Grossmetzgereien sind auf Importe angeweisen.

Fässler: „Umso mehr sind wir frustriert, dass das BLW den ursprünglich positiven Entscheid vom Oktober 2008 zurückgezogen hat und sich hinter der zur Diskussion stehenden Swissness-Vorlage versteckt. Wir fordern daher vom BLW eindringlichst, dass es sich seiner Verantwortung endlich bewusst wird und unserem Antrag für die GGA-Anerkennung der drei Appenzeller Fleischspezialitäten, Mostbröckli, Pantli und Siedwurst mit der notwendigen Effizienz im positiven Sinne umgehend entspricht.”

Das “Healthy Choices”-Label erfüllt den anvisierten Zweck nicht

Auch bezüglich der vom Bundesamt für Gesundheit erwogenen Einführung eines sogenannten “Healthy Choices”-Label hat der SFF eine klare Position. Der SFF lehnt die Einführung des “Healthy Choices“-Labels in aller Deutlichkeit ab. Das neue Gesundheitslabel würde zu Fehlinterpretationen führen, nur Teilaspekte der Übergewichtsproblematik abdecken und mit dem faktischen Ausschluss von Fleisch und Fleischprodukten dem eigentlichen Label-Zweck widersprechen.

Wie SFF-Direktor Ruedi Hadorn ausführte, ist diese ablehnende Haltung des SFF zum “Healthy Choices”-Label in die Stellungnahme zuhanden der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE eingeflossen und deckt sich mit diversen Beurteilungen aus der Lebensmittelindustrie und der Wirtschaft.

Untaugliches Importsystem – Import von Würzfleisch

Der Import von gewürztem Fleisch ist bereits seit Mitte der 90er Jahren legal, wurde aber in den letzten Monaten aufgrund des untauglichen Importsystems für Fleisch mittels Versteigerung sowie den sehr restriktiven Importfreigaben vermehrt als alternative Beschaffungsquelle genutzt. Der SFF stellt sich in dieser Frage gegen allfällige Missbräuche und Exzesse und setzt sich für eine korrekte Deklaration der betreffenden Fleischzubereitungen auf allen Stufen ein.

Der SFF anerkennt in diesem Zusammenhang die Unzufriedenheit vor allem der bäuerlichen Kreise mit dem Import von gewürztem Fleisch, fordert von diesen zwecks Reduktion der Problematik aber im Gegenzug, dass die Freigaben von Fleischimporten innerhalb der Proviande nun weniger restriktiv gehandhabt werden. Vom Bund verlangt er zudem, dass die im Rahmen der EVD-Arbeitsgruppe Importsystem Fleisch lancierte Optimierung des Importsystems ohne Verzögerung umgesetzt wird. (Text: SFF, Bilder und Legenden: foodaktuell.ch)