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Henggeler will Annäherung an die ETH

Markus Henggeler, der neue Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Lebensmittel-Wissenschaft und -Technologie (SGLWT) will den Kontakt zur ETH verbessern und die Vorstandsmitglieder stärker einbinden.

von Alimenta Import

Der neue Präsident der SGLWT, Markus Henggeler, schätzt die bisherige Arbeit der Gesellschaft sehr. Deswegen möchte der 51-Jährige sie im gleichen Sinne wie sein Vorgänger Karl Gschwend weiterführen. Dies sei jedoch nicht alleinige Entscheidung des Präsidenten, da die neue Strategie vom gesamten Vorstand in der ersten Sitzung festgelegt werde, sagt er.

Kontakt zu Hochschulen stärken

Als besonders positiv erachtet Henggeler, der bis vor Kurzem als Betriebsleiter bei Obipektin tätig war, die guten Beziehungen zu den Fachhochschulen, zu den befreundeten Organisationen und zu den Berufsverbänden in Österreich und Deutschland. «Der Kontakt zur ETH ist in den letzten Jahren etwas ­schwächer geworden», stellt er fest. Diesen möchte er intensivieren und auch mit den ent­sprechenden internationalen Professoren der ­Lebensmittelwissenschaften eine gute Be­ziehung aufbauen.
Während seiner beruflichen Laufbahn hat Henggeler bei der Steiner-Bäcker-Konditorei AG, bei Pfister Chocolat und bei Obipektin immer in der Linie und nahe der Produktion gearbeitet. Als Betriebsleiter eines Produk­tionsunternehmens stand Henggeler bisher nicht in enger Verbindung mit den Hochschulen. Der Vater von vier Kindern im Alter von 15 bis 23 Jahren freut sich deshalb umso mehr auf eine interessante Zusammenarbeit mit den Schulen.
Um den Mitgliedern etwas bieten zu ­können, möchte er auch zukünftig zusammen mit den Hochschulen und anderen Verbänden Tagungen und Seminare zu spezifischen Themen der Lebensmittelindustrie organisieren. Als gelungenes Beispiel nennt er die Fach­tagung «Hygienic Design in der Lebensmittelverarbeitung», welche 2008 an der ETH durchgeführt wurde. Eine weitere Fachtagung ist bereits geplant für den Herbst 2011, wobei das Thema noch nicht definiert wurde.

Ansehen des Berufes stärken

Da er schon immer in Vereinen aktiv mitgearbeitet hat, ist es ihm ein Anliegen, auch die SGLWT zu unterstützen. Er betont: «Solch eine Gesellschaft zur Pflege der Kontakte und der Netzwerke muss weiterhin gestärkt und unterstützt werden.» Er unterstreicht auch, dass die Gesellschaft weder eine Arbeitgeber- noch eine Arbeitnehmervertretung sei, sondern ein Berufsverband, der nicht politisiere.
Mit seinem Engagement will er der Berufsausbildung des Lebensmittelingenieurs zu einem höheren Stellenwert verhelfen. Denn er hat den Eindruck, dass sie zu wenig geschätzt wird. Wichtig ist für Henggeler, der während seines Lebensmitteltechnologie-Studiums an der ETH gleichzeitig auch betriebswirtschaftliche Vorlesungen an der Uni besuchte, dass die Schulen die Ausbildung nach den Bedürfnissen der Industrie gestalten. Bedenken äussert er zum Trend, dass immer mehr Studenten ohne eine Berufslehre an der Fachhochschule anzutreffen sind. Dies führe vermehrt zur Ausbildung von Theoretikern und nicht, wie von den Fachhochschulen angestrebt, von Praktikern.

Ausrichtung auf kurzfristige Gewinne

Allgemein bereitet ihm Sorgen, dass die Preise der Lebensmittel immer mehr unter Druck geraten. Dies habe einen direkten Einfluss auf die Löhne in der Lebensmittelindustrie. Des Weiteren empfindet er den zunehmenden Eingriff der Finanzindustrie in die Produktionsbetriebe als sehr problematisch, da so die ­Strategie auf kurzfristige, maximale Gewinne ausgerichtet werde und nicht auf ein lang­fristig erfolgreiches Unternehmen.

Gewinn für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Beruflich befindet sich Markus Henggeler derzeit im Umbruch. Nach der Übernahme von Obipektin durch die französische Firma Naturex Anfang Jahr wurde beinahe das gesamte Management durch Franzosen ersetzt. Aus diesem Grund ist er auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.
Die Frage, ob sich der Beruf und die ­Tätigkeit als SGLWT-Präsident zeitlich mit­einander vereinbaren lassen, bejaht Markus Henggeler. Da er auch in anderen Vereinen im Vorstand tätig ist, so zum Beispiel in der ­Zürcher Zunft zum Weggen, hat er Erfahrung damit. Falls die Zeit trotzdem knapp werden sollte, kann er jederzeit andere ausserbe­rufliche Aktivitäten reduzieren. Ausserdem möchte er, dass auch Vorstandsmitglieder ­Repräsentationspflichten übernehmen und nicht nur der Präsident an Veranstaltungen in Erscheinung tritt.
Dass sich Arbeitnehmer im Vorstand der SGLWT engagieren, sei für die betroffenen Firmen keineswegs negativ, findet Henggeler. «Diese Firmen können von den Tätigkeiten der Vorstandsmitglieder profitieren, indem zum Beispiel durch die guten Kontakte und Netzwerke Projekte mit Hochschulen aufgegleist werden, welche sonst aufwendiger gewesen oder nicht zustande gekommen wären.» Es handelt sich dabei sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber um eine Win-win-Situation.