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Vielfalt, auch im Einheitseuropa

von Alimenta Import

EU-Kritiker schimpfen gerne über die Standar­disierung und Gleichmacherei, die der Moloch ­angeblich produziert. Legendär ist die Vorschrift, welche die Krümmung der Gurke europaweit ­regelte. Nun, ich will nicht nachweisen, dass das komplette Gegenteil der Fall ist und Europa der Hort der Vielfalt. Aber anhand des belgischen Biers könnte man gut und gerne einen Versuch in diese Richtung starten.

Am kürzlich zu Ende ­gegangenen Kongress der internationalen ­Agrarjournalisten in Belgien gab es reichlich ­Gelegenheit für einen Augenschein und vor allem eine vielfältige Gaumenprobe der dortigen ­Brauerkunst. Der Markt bietet nicht weniger als 1200 heimische Biere aus 115 Brauereien. Die Geschmacksvielfalt ist schier unbegrenzt. Neben Normal-, Weizen-, Dunkel- und zahlreichen Stark­bieren gibt es auch Absonderliches mit Himbeer- und anderem Frucht- und Beeren­ge­schmack.

Auf den Exkursionen wurde uns an jeder Station ein anderes Gebräu serviert, das zwar nicht immer gleich gut mundete, aber jedesmal interessante Einblicke gab, was man alles herstellen kann aus Hopfen, Malz und Wasser. ­Interessanterweise war es ausgerechnet ein Verbot, das der Biervielfalt auftrieb gab. Bis 1983 war es in belgischen Bars untersagt, Spirituosen zu servieren. Deshalb setzten die Brauer auf Starkbier.

Das härteste, das uns präsentiert wurde, war das 15-prozentige Bush-Bier. Eine Flasche pro Person reicht für einen fröhlichen Abend. Das belgische Bier-­Erlebnis soll nun nicht herangezogen werden als Argument für einen möglichst baldigen Beitritt der Schweiz zur EU, aber es zeigt immerhin, dass selbst im Land, das den Hauptsitz der Union und die grösste Brauereigesellschaft der Welt (Inbev) beherbergt, eine klein strukturierte und florierende gewerbliche Herstellung weiterhin möglich
ist.

Der Vergleich zur Schweizer Käsereistruktur liegt nicht allzu fern. Und die gegenwärtigen Milchpreise für gewerbliche Käsereispezialitäten ­zeigen, dass der Weg, auf dem die Branche ­wandelt, nicht der schlechteste ist. Vor der EU braucht sie jedenfalls weniger Angst zu haben als manch anderer Sektor.