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Schweinefleisch-Preis im Rekord-Tief

Die Nachfrage nach Schweinefleisch ist momentan aussergewöhnlich tief. Grund dafür ist die bis jetzt wegen schlechtem Wetter ausgebliebene Grillsaison und ein höheres Angebot. Schweinehalter hoffen derweil auf besseres Wetter.

von Foodaktuell Importer

Die Preise für Schweinefleisch sind derzeit markant tiefer als in den Vorjahren. Mit Aktionen wollen die Detaillisten den Verkauf ankurbeln. (Bild: Lid)

Rückblick auf 2008 und 2009: Der Auftakt zur Grillsaison verlief nach Mass: In beiden Jahren herrschten im Mai Rekordtemperaturen und aussergewöhnlich viel Sonnenschein. Der Mai 2009 gilt gar als der wärmste seiner Art in der Schweiz seit Messbeginn. Komplett anders sieht die Situation heute aus, wo nach einem warmen und trockenen April vor allem tiefe Temperaturen und viel Regen dominieren.

Und anders als in den Vorjahren wird derzeit kaum grilliert. Aufgrund der mangelnden Nachfrage bleiben die Detaillisten deshalb auf ihren Produkten sitzen. Das drückt auf die Preise. Zu spüren bekommen das vor allem die Schweinehalter, die verglichen mit den Vorjahren deutlich weniger Geld für ihre Tiere erhalten.

Preise sind im Keller

Während die Schweinehalter unter den tiefen Preisen leiden, profitieren die Konsumenten. Wie Bell-Sprecher Davide Elia auf Anfrage sagt, verkauft die Basler Grossmetzgerei aufgrund der tieferen Einkaufspreise ihre Produkte billiger weiter. Coop bietet derzeit mariniertes Schweinshalssteak 45 Prozent billiger an. Mehr noch: Aufgrund der zurückhaltenden Nachfrage werde die Aktionstätigkeit noch weiter erhöht, sagt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Die Kunden wird’s freuen.




Auch die Schweine sind zufrieden mit dem feucht-kühlen Wetter: statt im Schatten zu liegen oder sich im Schlamm zu wälzen, um sich zu kühlen, können sie nach Herzenslust suhlen. Jedenfalls wenn es Freiland-Schweine sind. Den Stallschweinen ist das Wetter wohl egal.

Anders die Produzenten: Erhielten sie im Mai 2008 noch 5.20 Franken pro Kilo Schlachtgewicht, sind es 2010 nur noch 4.30 Franken. “Ich bin schon lange im Handel tätig, aber das habe ich noch nie erlebt,” sagt Max Fehr, Schweinehändler aus Sursee. Er erklärt das Preistief mit dem momentan schlechten Wetter. Dadurch würden die Leute derzeit weniger grillieren, womit die Nachfrage abnehme. Das bestätigt auch Denise Stadler von Coop: “Wetterbedingt ist der Absatz aktuell tiefer als im Vorjahr.”

Grösseres Angebot

Beat Wandeler vom Schweinezucht- und produzentenverband Suisseporcs führt zur Erklärung der tiefen Preise einen weiteren Grund ins Feld: Im ersten Quartal gelangten rund 11’000 Schweine mehr als im Vorjahr auf die Schlachtbank. Das derzeit grössere Angebot hat unter anderem mit der so genannten Circovirenimpfung zu tun. Dank dieser erkranken und sterben weniger Ferkel, womit mehr Jungtiere auf ein Mutterschwein kommen.

“Die höhere Produktion von 3 bis 4 Prozent macht uns zu schaffen”, erklärt Wandeler. Die Grillsaision könne dieses grössere Angebot aber auffangen und zu Preisaufschlägen führen. Entscheidend für das zweite Halbjahr wird dann eine attraktive Preisgestaltung der Detailhändler an der Landenfront sein.


Die Schweineproduzenten hoffen derweil auf wärmere Temperaturen und mehr Sonnenschein: “Wird das Wetter besser, grillieren die Leute auch wieder mehr. Damit nimmt die Nachfrage zu und die Preise steigen wieder”, sagt Wandeler.

Wird die baldige Fussball-WM den Verkauf ankurbeln? Wandeler winkt ab. Zwar habe sich die EM08 in der Schweiz positiv auf den Fleischabsatz ausgewirkt. Allerdings dürfe man diesen Anlass nicht überbewerten: Unter dem Strich wirke sich die WM sicherlich positiv aus, wichtiger für den Fleischabsatz ist aber schönes Wetter”, dämpft Wandeler die Erwartungen. (LID / Michael Wahl)