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WEEKENDNEWS 16.5.2010

Verlust für Thurella / Nespresso investiert in Avenches weiter / Erforscht: Wie der Mensch Bitterstoffe schmeckt / Aufwand für einen Fisch heute 17 mal höher als 1889 / Mythen und Fakten rund ums Trinkwasser

von Foodaktuell Importer

Thurella AG will sich wieder auf ihre Stärken konzentrieren: Säfte aus Mostindien. Bild: sympathische Werbung mit indischem Model im 2007. Thurella gewann im 2005 die AMS-Goldmedaille für den innovativen Apfelsaft «obi PUR». Thurella in Egnach gewann mit dem innovativen Apfelsaft «obi PUR» mit dem Geschmack einer frisch gepflückten Frucht

Verlust für Thurella im 2009

Der angeschlagene Obst- und Gemüsesafthersteller Thurella schliesst das Geschäftsjahr 2009 mit einem Verlust von 57,2 Millionen Franken. Der Rückzug aus den Geschäftsfeldern Zuckergrundstoffe und Abfüllung zog Wertberichtigungen nach sich. Der Umsatz der Thurella-Gruppe reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 11,4 Prozent auf 168,5 Mio. Franken, wie das Unternehmen am 12. Mai am Hauptsitz im thurgauischen Egnach informierte. Thurella weist einen Verlust vor Abschreibungen (EBITDA) von 3,8 Mio. Franken aus; das operative Ergebnis (EBIT): minus 14,5 Mio. Franken.

Trotz des Jahresverlustes sei die Liquidität momentan sichergestellt, sagte Heinz Stübi, Delegierter des Verwaltungsrats. Im November 2009 konnte die Thurella AG ihre Eigenkapitalbasis stärken. Das habe dem Unternehmen das Überleben gesichert. “Dennoch: Eine Eigenkapitalquote von 13,6 Prozent bei 72 Millionen Nettoschulden ist kritisch”, so Stübi. Der verschärfte Verdrängungswettbewerb und die Überkapazitäten in der Getränkeindustrie hätten nicht Halt gemacht vor Thurella. Deshalb soll der Abfüllbetrieb in Eglisau verkauft werden. In Eglisau arbeiten gegenwärtig ungefähr 100 Mitarbeitende für die Thurella Gruppe. Die Thurella AG will sich wieder auf ihre Stärken konzentrieren, nämlich die Herstellung von Biotta-Gemüsesäften und Obi-Apfelsäften und Rittergold-Apfelwein. (LID 12. Mai 2010)

Nespresso investiert in Avenches weiter

Nestlé Nespresso SA hat bestätigt, dass die Arbeiten
für die schon lange geplante Erweiterung des Nespresso Produktions- und
Vertriebszentrums in Avenches (Schweiz) nun aufgenommen werden. Nach Abschluss
dieses Ausbaus werden sich die gesamten Investitionen von Nespresso in Avenches auf
mehr als CHF 400 Millionen belaufen. “Nespresso wird auch weiterhin erhebliche Investitionen in unsere hochwertigen
Produktionsanlagen in der Schweiz vornehmen”, erklärt Richard Girardot, CEO Nestlé
Nespresso SA. “Dank diesen Investitionen werden wir das für die nächsten Jahre geplante
Wachstum erreichen können.”

Mit dem Abschluss der Arbeiten wird 2012 gerechnet. Die Ausbauphase des Nespresso
Werks in Avenches unterstreicht das Engagement, das Nespresso Leitmotiv “Coffee
Excellence” weiter konkret umzusetzen und belegt die anhaltenden Investitionen in höchste
Qualität in allen Unternehmensbereichen. Die nachhaltig konzipierte Hochleistungsanlage
ermöglicht es, die Produktionskapazität in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln und
gleichzeitig die Qualität des Kaffees weiter zu verbessern. Denn dieser wird von den
Nespresso Kaffee-Experten direkt vor Ort gemischt, geröstet und gemahlen.

Die Pläne zum Bau des “Nespresso Centre of Coffee Excellence” wurden erstmals 2006
vorgelegt. Als Reaktion auf die erwartete Zunahme der Verbrauchernachfrage in den darauf
folgenden Jahren hatte Nespresso damals die Erweiterung des Werkes in Avenches in die
Originalpläne aufgenommen. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 2007 und wurden 18
Monate später, im Jahr 2009, beendet.

“Dank unserer einmaligen Trilogie von hervorragendem Kaffee, intelligenten und
formschönen Maschinen sowie dem erstklassigen Kundenservice können wir die Nachfrage
nach Nespresso weltweit laufend steigern”, erklärt Girardot. “Unser Erfolg versetzt uns in die
Lage, weiter in unser Kaffee-Know-how zu investieren, so dass wir auch in Zukunft die
Qualität liefern können, die unsere Nespresso Clubmitglieder erwarten.” (Nestlé Nespresso SA 10. Mai 2010)

Erforscht: Wie der Mensch Bitterstoffe schmeckt

Nur 25 verschiedene Geschmacksrezeptoren reichen aus, um Zehntausende von Bitterstoffen wahrzunehmen. Offenbar besitzen die Sensoren sehr unterschiedliche Bindungseigenschaften, die erst in ihrer Kombination diese enorme Leistung ermöglichen. So lautet das Fazit einer Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), die im Journal “Chemical Senses” veröffentlicht wurde. Der Geschmackssinn für Bitteres ist angeboren und schützt vor allem vor dem Verzehr von giftiger Nahrung. So werden schon Kleinkinder etwas Bitteres so schnell wie möglich wieder ausspucken.

Bitterrezeptoren findet man auf der Zunge, aber auch im Bereich des Gaumens, des Rachens und des Kehlkopfs. Bitterstoffe sind in ihrer Struktur sehr vielfältig. Sie kommen in Pflanzen vor, werden von Tieren produziert und entstehen bei der Verarbeitung von Nahrungsmitteln, bei Alterungs- und Zerfallprozessen. Beispiele sind Strychnin aus der Brechnuss, Koffein aus dem Kaffee, Limonin aus Zitrusfrüchten und Chinin aus Bitterlemon.

Im Labor haben die Wissenschaftler untersucht, wie diese heterogenen Substanzen erfasst werden können. Dazu entwickelten sie eine Art “künstliche Zunge” und testeten mit diesem Zellkultursystem die Wirkung von 104 natürlichen und künstlichen Bitterstoffen auf 25 Rezeptoren. Fünf Sensoren konnte erstmals ein Bindungspartner und 64 Bitterstoffen passende Rezeptoren zugeordnet werden. Es stellte sich heraus, dass die Bindungseigenschaften der Sensoren sehr unterschiedlich sind. So reagieren einige Rezeptoren nur auf wenige spezifische und andere auf eine breite Palette unterschiedlicher Bitterstoffe. Drei der Rezeptortypen reichten aus, um die Hälfte der getesteten Substanzen wahrzunehmen.

Ein Bittersignal wird erst ausgelöst, wenn der Stoff eine bestimmte Schwellenkonzentration überschreitet. Dieser Wert kann je nach Giftigkeit sehr unterschiedlich sein, erklären die Forscher. Ein Beispiel: Strychnin und Brucin sind zwei strukturell sehr ähnliche Pflanzenalkaloide, unterscheiden sich aber in ihrer Giftigkeit. Die tödliche Dosis für Strychnin liegt im Bereich von 5 bis 10 Milligramm, für Brucin bei rund 1 000 Milligramm. Strychnin aktiviert den gleichen Rezeptor bei einer hundertfach niedrigeren Konzentration als Brucin. Interessanterweise entspricht die Konzentration, bei der Strychnin wahrgenommen wird, in etwa der natürlichen Konzentration, in der dieses Gift im Samen der Brechnuss vorkommt.
(aid, Heike Kreutz 5.5.2010)

Aufwand für einen Fisch heute 17 mal höher als 1889

Die Überfischung der Meere hat dazu geführt, dass es heute 17 mal mehr Aufwand an Energie und Ressourcen braucht, um einen Fisch zu fangen, als am Ende des 19. Jahrhunderts. Das berichten Forscher der Universität York http://www.york.ac.uk und Marine Conservation Society (MCS) http://www.mcsuk.org im Online-Journal “Nature Communications”. “Der Zustand der Fischerei ist schlimmer als sogar die pessimistischsten Schätzungen bisher angenommen haben”, so Studienautor Callum Roberts.

Grundlage dieser Aussagen ist die Analyse historischer Daten zu den Fischfängen in England seit 1889. Es zeigte sich, dass der Bestand in den Meeren im vergangenen Jahrhundert durch die ständige Überfischung immens reduziert wurde, wobei der Rückgang 94 Prozent betragen dürfte. Besonders die beliebten Speisefische wie Kabeljau, Schellfisch und Scholle sind praktisch aus den Meeren verschwunden. 1937, am Höhepunkt der Überfischung, gingen sogar 14 mal mehr Fische in die Schleppnetze als heute.

Interessant war auch der Vergleich dieser Daten mit der Größe und Anzahl der Fischerboote – Informationen, die Rückschlüsse über den Aufwand an Energie und Technik erlauben. Heute ist der Aufwand demnach 500 mal höher, um einen Heilbutt zu fischen als zu Beginn der Aufzeichnungen. Ein Schellfisch erfordert heute 100-fache Ressourcen, andere wie Scholle, Katfisch, Seehecht und Lengfisch 20-fache. Durchschnittlich war der Aufwand pro Fisch zu Beginn der Aufzeichnungen 17 mal geringer.

So drastisch konnten die Folgen der Überfischung bisher kaum dargestellt werden. “1889 fischte man mit Segelbooten. Trotz des technologischen Fortschritts und der heutigen Leistungsstärke hat die heutige Fischereiflotte weit weniger Erfolg als die noch von Segelkraft betriebene Fischerei am Ende des 19. Jahrhunderts”, so Erstautorin Ruth Thurstan. Der Schaden für die Fischerei sei somit größer und habe schon früher begonnen als bisher angenommen. Bisherige Maßnahmen des Gegensteuerns würden zu kurz greifen um den derzeitigen Fischbestand zu sichern.

Die Ergebnisse dürften laut den Studienautoren nicht nur für die Meere um England, sondern auch für die meisten marinen Fischereigebiete gelten. Doch das Problem gibt es auch im Süßwasser. “In Seen und Flüssen ist die Lage ähnlich dramatisch”, berichtet Mathias Jungwirth, Leiter des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Wiener Universität für Bodenkultur http://www.wau.boku.ac.at/ihg.html im Gespräch mit pressetext. “In Flüssen ist das Grundproblem allerdings nicht die Überfischung, sondern Kraftwerke, Flussverbauungen und die Verschmutzung durch Abwässer.” (pte 5.5.2010)

Mythen und Fakten rund ums Trinkwasser

„Wonach halten Astronomen Ausschau, wenn sie im Weltall nach Leben suchen? Richtig, nach Wasser!“ begann der Stoffwechselexperte Prof. Ulrich Keller vom Kantonsspital Basel seinen Vortrag zur Bedeutung von Wasser. Die Erde wie auch der Mensch bestehen zu zwei Dritteln aus Wasser. Ein ausgeklügeltes System hält den Wassergehalt des Körpers in engen Grenzen. Maximal einen Liter Flüssigkeit pro Stunde kann der Körper aufnehmen – wer in dieser Zeitspanne mehr verliert, dehydriert.

Doch auch wer zuviel trinkt, belastet seine Nieren und lebt unter Umständen sogar gefährlich: Einige Marathonläufer, die ihren Flüssigkeitsverlust mit sehr viel Wasser kompensierten, ohne gleichzeitig Natrium in Form von Kochsalz aufzunehmen, waren von einer „Überwässerung“ (Verdünnungs-Hyponatriämie) betroffen, die in einigen Fällen sogar tödlich endete.

Zur Empfehlung des Flüssigkeitskonsums liegen sich die Experten nach wie vor in den Haaren, denn keine der Empfehlungen basiert auf streng wissenschaftlichen Fakten. Einzig sicher ist: zu wenig trinken kann Nierensteine begünstigen und zu viel trinken die Nieren belasten. Die aktuelle Empfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE zur Getränkeaufnahme liegt bei 1 – 2 Litern pro Tag. Nicht in dieser Empfehlung enthalten sind Milch, Saft und gezuckerte Getränke, die nicht der Getränkestufe der Lebensmittelpyramide zugeteilt werden.

Prof. Emmanuel Reynard vom Geographischen Institut der Universität Lausanne zeigte die globalen Zusammenhänge des Trinkwassers auf. In der Schweiz beträgt der Wasserverbrauch pro Kopf 160 Liter pro Tag, in den USA sogar 400 Liter. In Entwicklungsländern hingegen kommen die Menschen mit durchschnittlich 10 Litern pro Kopf und Tag aus.

Die aktuelle Weltbevölkerung zählt 6.8 Milliarden Menschen, 2050 werden es über 9.1 Milliarden sein, wobei die Zunahme vor allem in Entwicklungsländern stattfinden wird, wo sich die Bevölkerung voraussichtlich verdoppelt. Dies wird den Druck auf die Ressource Wasser weiter verschärfen. Wegen des Klimawandels nimmt der Regen in vielen Regionen ab, wo das Wasser ohnehin schon knapp ist, während er dafür in anderen Regionen wie beispielsweise in Nordeuropa zunimmt. Die Wasserknappheit ist deshalb sowohl ein klimatisches als auch ein demografisches Problem, so Prof. Emmanuel Reynard.

Wie macht man aus Seewasser Trinkwasser? Diese Frage beantwortete der Leiter Betrieb und Unterhalt der Wasserversorgung der Stadt Zürich, Dr. Joachim Lenzner: Indem das Wasser aus dem See mit Leitungen in die Wasserversorgung geleitet, mehrmals mit Ozon versetzt und durch verschiedene Filter geführt wird. Dadurch wird das Wasser so sauber, dass die Zugabe von Desinfektionsmitteln nicht nötig ist.

Zahlreiche Untersuchungen im Labor sowie Wasserkontrollen mit den wohl kleinsten Mitarbeitern der Wasserversorgung, die empfindlichen Krebstierchen namens Daphnien, garantieren eine einwandfreie Qualität. Jeden Tag wird das von Gebühren finanzierte Wasser in ausreichender Menge, Qualität, mit ausreichendem Druck und zu tiefen Kosten an seine über 800’000 Empfänger in der Stadt und den umliegenden Gemeinden geliefert. Mineralwasser brauche durchschnittlich tausendmal mehr Energie bei der Aufbereitung als Hahnenwasser, schloss Dr. Joachim Lenzner seinen Vortrag. Prof. Ulrich Keller bezifferte die Ausgaben für Flaschenwasser mit 100 Milliarden Franken pro Jahr, was rund einem Fünftel des Bruttoinlandprodukts der Schweiz entspricht. (SGE 27.4.2010)