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Überkapazitäten führen zu Verlust

Thurella musste im Jahr 2009 einen Verlust von 57 Millionen Franken hinnehmen. Jetzt werden Kooperationen im Abfüllbereich, der im ­Schweizer Markt grosse Überkapazitäten aufweist, gesucht.

von Alimenta Import

Allen war klar, dass es eine Lösung für die Getränkeprodzentin Thurella braucht, auch schon nach dem erst­maligen Verlust 2008. Nun ist der Verlust im 2009 mit 57 Millionen noch viel höher und der Handlungsbedarf trotz der nach Unternehmensaussagen nicht gefährdeten Liquidität im Jahr 2010 noch dringender. Der Umsatz ging um 11% auf 168,5 Mio. Franken zurück.
Die Firma sucht jetzt Kooperationen im mit Überkapazitäten kämpfenden Getränkemarkt der Schweiz. Doch laut Firmenchef ­Benedikt Scheideck geht es nicht um die Zerschlagung der Thurella. Schliesslich setze sich der Verlust nur operativ und aus den Sondereffekten zusammen. Wichtig sei der im Gegensatz zu 2008 positive Cashflow, was bedeutet, dass das Unternehmen aus dem aktuellen Geschäft Investitionen finanzieren kann.
Nun soll der Abfüllbetrieb in Eglisau veräussert werden. Diesen hat die Thurella im Jahr 2004 von der Feldschlösschen-Gruppe gekauft und letztes Jahr dort ein hochmoder­nes Hochregallager gebaut (siehe «Alimenta» 13/09). Damit will sich die Thurella auf ihr Kerngeschäft, das Abfüllen von Apfel- und Gemüsesäften, konzentrieren.

Rosskur hinter sich
Nach dem Schock des erstmaligen Verlustes, der aus dem Jahr 2008 resultierte, unterzog sich die Firma einer strengen Abmagerungskur mit Desinvestitionen und Entlassungen. Nicht betriebsnotwendige Liegenschaften wur­den veräussert, wie etwa diejenigen in ­Bischofszell oder in Egnach, wo die 26%-Beteiligung an Tobi verkauft wurde.
Weiter wurde in Lömmenschwil eine ­Liegenschaft verkauft und der Thurella-Getränke-Express im Rahmen eines Managements-Buyouts an die neu gegründete Zisch Getränke & Service AG, Weinfelden, veräussert. All dies trug 14 Millionen Franken in
die Thurella-Kasse. 21,22 Millionen Franken brachte die im Jahr 2009 beschlossene Aktienkapitalerhöhung ein. Weitere 1,2 Millionen Franken stärkten das Eigenkapital der Unternehmung durch die Umwandlung von Obligationen in Aktien. Ebenfalls 2009 wurden ein Fünftel der 250 Stellen gestrichen.

Köpferollen
Mit all diesen Massnahmen verfolgt die Unternehmung das Ziel, aus den roten Zahlen zu kommen. Auch die Investitionen – u.a. in das Hochregallager, das seit rund einem Jahr in Betrieb ist («Alimenta» Nr. 17/09), oder in die Prozesswasserreinigungsanlage in Egnach –, die letztes Jahr getätigt wurden, sollten Aufwendungen reduzieren helfen und das Unternehmen wieder flott machen.
Viele Investitionen wurden jedoch noch von der alten Führungscrew, die jetzt fast komplett ausgewechselt wurde, abgesegnet. Paul Kundert, der noch vor vier Jahren erklärte, dass Thurella jährlich um 10% wachsen wolle, verliess den Mostdampfer im Februar 2009. Dr.-Oetker-Manager Benedickt Scheideck als neuer CEO ist seit gut einem Jahr im Amt. Die Geschäftsleitung wurde letzten Dezember von fünf auf drei Mitglieder verkleinert. Verwaltungsratspräsident Hermann Hasen ist schon bei der Ankündigung des Halbjahresverlustes letzten September zurückgetreten. Robert Bühler wurde im Dezember als neuer Verwaltungsratspräsident gewählt.
Ein Aktionär des Unternehmens kritisiert die damalige Strategie vor allem wegen des Zuckergrundgeschäfts, in das der ehemalige Verwaltungsrat vor drei Jahren einige Mil­lionen investierte, ohne die Aktionäre zu ­fragen. Dass die EU diese Lücke in der Zollverordnung schliessen würde, sei schliesslich absehbar gewesen und die Thurella-Strategie gemäss dem Aktionär blauäugig. 9,2 Millionen Franken Folgekosten mussten für die Aufgabe dieses Geschäftes aufgewendet werden.

Vom Pech verfolgt und Altlasten
Diese Geschäfte sind nun abgestossen, und die neue Crew wollte das Unternehmen auf den Erfolgspfad zurückführen. Doch das Pech verfolgte die Thurella erneut. Letzten Februar zog Feldschlösschen seinen Auftrag für die Abfüllung von Schweppes zurück. Dieses ­Abfüllgeschäft machte einen Viertel des Umsatzes von Thurella aus. Dieser Verlust war auch ausschlaggebend für die Absicht, Eglisau zu veräussern. Denn: «Einen Industriebetrieb auszulasten, ist entscheidend» sagt Benedickt Scheideck. Damit lässt sich der Standort Eglisau auch nicht mehr gewinnbringend betreiben. Dies zählt für alle Unternehmen, ob klein oder gross. Grossen fällt nur die Querfinanzierung leichter.

Wer übernimmt?
«Jeder redet im kleinen Markt Schweiz mit ­jedem», sagt Benedickt Scheideck. Bei den Kooperationsverhandlungen seien vorwiegend Schweizer Unternehmen im Spiel. Denn beim «Bottling» ist die Logistik entscheidend und somit die Entfernung. Je weiter gefahren werden muss, desto schmäler werden die ohnehin schon kleinen Margen. Ob die Nummer eins im Saftgeschäft, die Fenaco mit der Marke Ramseier mit Thurella kooperiert oder Teile davon übernimmt, soll in diesen Tagen sondiert werden. Die Nummer drei und Nachbarbetrieb der Thurella, die Möhl AG in Arbon, hat gemäss Ernst Möhl keine Absichten, Teile der Thurella zu übernehmen.
Seit ein paar Jahren verfolgt die Migros-Industrie eine Akquisitionsstrategie und gemäss Branchenkennern könnten mit Thurella auch Synergien ermöglicht werden. Doch ­Migros-Industriechef Walter Huber will sich zu allfälligen Übernahmen nicht äussern.