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Noch nie so viel Butter am Lager

Die Butterlager platzen aus ihren Nähten. Noch nie lagerte mehr Butter darin. Eine Entlastungsaktion der BO Milch bringt etwas Entspannung. Hoffnung bietet auch die globale Entwicklung des Milchmarktes.

von Alimenta Import

Es liegt mehr Butter am Lager denn je. Vor einer Woche waren es genau 9310 Tonnen, der grösste Teil davon in den Lagerhäusern von Cremo. «Jemand muss die überschüssige Milch schliesslich abnehmen», sagt Generalsekretär Michel Pellaux dazu. Während seit Anfang Jahr unvermindert viel Milch produziert wurde, reduzierten die Verarbeiter entweder die verarbeitete Menge oder sie senkten den Abnahmepreis, sodass eine Bewegung hin zu Cremo statt-fand – so die Sicht von Cremo.
Um etwas Platz in den Regalen der Kühlhäuser zu schaffen, hat sich der Vorstand der Branchenorganisation (BO) Milch am 6. Mai darauf geeinigt, 3000 Tonnen Butter verbilligt zu exportieren. Das entspricht dem Fettgehalt einer Milchmenge von 64 Mio. Kilogramm. Die entstehenden Kosten von 15 Mio. Franken sollen gleichmässig und nach dem Verur­sacher­­prinzip auf die Marktakteure verteilt ­werden.

Neuer Stichtag
So werden 11 Mio. von den regionalen Milchhändlern, den Produzenten-Organisationen und Produzenten-Milchverwerter-Organisationen während drei Monaten auf der vermarkteten Silomilch eingezogen. Dabei müssen 80 Prozent des Geldes auf Zusatzmengen abgezogen werden und 20 Prozent auf den ­ursprünglichen Lieferrechten. Was als Zusatz- und was als Vertragsmenge gilt, darüber wurde in letzter Zeit oft und heftig gestritten. Der BO-Milch-Vorstand einigte sich nun ­darauf, für die Marktentlastungsaktion den letzten Tag der Milchkontingentierung, den
30. April 2009, zum Stichtag zu machen. 
Die Käsereimilchproduzenten leisten ­einen Beitrag von 4 Mio. Franken. Fromarte wird dazu in den Monaten Mai, Juni und Juli flächendeckend 1,5 Rappen pro Kilo verarbeiteter silofrei produzierter Milch einziehen.

Butterpreis verdoppelt

Ob diese Aktion die letzte ihrer Art sein wird, wie es die BO Milch in ihrer Mitteilung formuliert, darüber bestehen Zweifel. Denn trotz der Abräumung ist davon auszugehen, dass Ende Jahr 8000 Tonnen Butter zu viel am ­Lager sein werden.
Neben dem Umstand, dass die Milchverarbeiter künftig über ihr Milchbeschaffungsmodell selber für die Butterbilanz zuständig sind, könnten die Marktentwicklungen in Euro­pa und weltweit für eine gewisse Entspannung sorgen. So kann die «Abräumungsbutter» in Blockqualität heute für mehr als 4 Franken pro Kilo auf dem Weltmarkt verkauft werden. Vor einem halben Jahr lag der Preis noch bei 2 Franken. Michel Pellaux geht davon aus, dass die Preise für Butter sowie Mager- und Vollmilchpulver bis zum Sommer weiter steigen werden, bevor sie dann stagnieren dürften.
Die ursprünglich beschlossene Abräumung einer bestimmten Milchmenge als Butter und Milchpulver wurde von der BO Milch fallengelassen.