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Die Umsetzung beginnt im Kopf

Erfolgreiche Projekte brauchen einen Verantwortlichen, der ihnen Leben einhaucht und Sympathien für das Projekt bei allen Beteiligten schafft. Nur so ist nachhaltiges Engagement des Projektteams zu erwarten.

von Alimenta Import

Die Führungskraft mit Verantwortung ist in der heutigen Arbeitswelt nicht nur Fachmann. Immer mehr wird sie zum Verkäufer und Werber für den eigenen Verantwortungsbereich. In den Unternehmen tobt der Kampf um die knappen Ressourcen an Fachkräften, Zeit und Geld. Mit gesundem Menschenverstand und dem Einsatz der nachstehend gezeigten Marketingbausteine können Projekte besser verkauft und schneller zum Erfolg geführt werden.
Als Beispiel aus der Feinkostindustrie sei hier das Projekt «Der Snack mit Kartoffelsalat und Minifrikadellen» vorgestellt. Die neue Idee hatte bis zu ihrer Umsetzung einige Hürden zu überwinden. Denn jeder Mitarbeiter weiss, dass der Einsatz einer neueren Technik zunächst sehr viel Arbeit mit sich bringt. Der Projektleiter mit Marketingausbildung hat für die Akzeptanz zwei Marketingmassnahmen genutzt: Markendreiklang (Bekanntheit, Sympathie und Verwendung) und PR. Sie führten letztlich zu einem erfolgreichen Projekt. Denn die grössten Widerstände waren nicht technischer Natur, sondern in den Köpfen der Projektmitarbeiter.
Im Projektteam vertreten waren Verantwortungsträger und Mitarbeiter mit grossem Know-how, wie der Qualitätsmanager, der technische Leiter, der Fabrikleiter usw. Gleichzeitig waren diese auch in zahlreichen anderen Projekten engagiert.
 
Sympathie als wichtige Grösse für Erfolg

Die Zeitschrift «Brigitte» stellt alle zwei Jahre eine Kommunikationsanalyse vor, in der
über 5000 Frauen nach der Verwendung von ­Marken befragt werden. Und zwar in der ­Reihenfolge Bekanntheit, Sympathie und Verwendung. Das Besondere daran: Die Frauen kennen zirka 500 Marken, 170 davon sind ­ihnen sympathisch und zirka 120 verwenden sie dann wirklich. Sympathie ist also eine wichtige Grösse für den Erfolg (www.brigitte-ka.de). Das Sympathieprinzip ist einfach, funk­tioniert immer, weil es die Auswahl erleichtert. So funktionieren Autokäufe, Stellensuche und eigentlich alles im Leben, das der Mensch auswählen kann. Hier ist auch der Ansatz für eine Projektarbeit.
Von den vielen Projekten und Aufgaben, die es im Unternehmen gibt, muss ein Projekt Sympathien gewinnen. Und zwar bei jedem einzelnen Projektbeteiligten. Das ist Aufgabe des Projektleiters. Wird dieses Ziel erreicht, hat er mit den nominierten Fachleuten einen beinahe sicheren Projekterfolg. Es lohnt sich also, im Vorfeld des Projektes diese Über­zeugungsarbeit auf sich zu nehmen. Beim erwähnten Projekt des Snacks dauerte es zwei Jahre, bis Sympathie und volles Engagement auf allen Ebenen vorhanden war.

Schritt 1: Überzeugungsarbeit
Das neue Produkt bestand aus den zwei Komponenten Minifrikadellen und Kartoffelsalat, die jede für sich seit Jahren Wachstumsraten im Markt zeigten und auch oft zusammen verzehrt wurden. Aber es gab kein Produkt am Markt, das beides kombinierte. Das in diesem Sinne neue Snackprodukt wird am Markt einzigartig sein, aber nachgefragt und damit profitabel, so die Analyse. Das Produktkonzept wurde von den beteiligten Projektmit­arbeitern sofort akzeptiert. Dass Robotik die bes­te Lösung für die Herstellung des Produktes war, überzeugte den Geschäftsführer erst mit der zunehmenden Sympathie der anderen Projektbeteiligten. Nach Genehmigung der Investition für den Roboter war dann auch diese Hürde genommen.
Der Qualitätsmanager erkannte den höhe­ren Hygienestandard und die gleichmässigere Arbeitsweise als grosses Plus. Der technische Leiter freute sich über einen Zuwachs an technischem Know-how, und der Fabrikleiter bemerkte die Verbesserung der Kennzahl KPI (produzierte Tonnen/Mitarbeiter und niedri­gere Kosten).
Das Entscheidungsgremium für Projekte bestätigte sich selbst damit, dass es so innovativ war, dieses Projekt zu forcieren. Die Wartungstechniker erweiterten ihre Kompetenz und waren bei der Geburtsstunde einer neuen Technik dabei. Die ganze Belegschaft war schiesslich stolz und neugierig auf «ihr» neues Projekt.

Schritt 2: Firmeninterne PR

Während und nach dem Projekt blieb die Aufgabe, dauerhaft für PR, sprich gute Stimmung, zu sorgen, beispielsweise mit Zwischenberichten in der Firmenzeitschrift und in den monatlichen Innovationsmeetings. Nach Abschluss des Projektes wurde auf der Hannover-Messe eine komplette Produk­tionslinie auf­gebaut, und es gab gratis Fernseh- und Radioberichte auf allen Kanälen. Das wiederum machte die Mitarbeiter stolz, und jeder war spätestens jetzt sicher, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben.
In jedem Projekt ist eine gute Mischung an Persönlichkeiten der Schlüssel zum Erfolg. Diese gilt es dann vor dem Projekt einzustimmen. Das schafft man am besten mit der Taktik des Markendreiklangs.
Besonders der letzte Punkt ist entscheidend. Wenn das Ergebnis des Projektes gleichzeitig eine Lösung für ein weiteres Problem aus dem Aufgabenbereich der Beteiligten bietet, ist die Sympathiegewinnung leichter.
Grundsätzlich gilt: Ist man vom Projekt überzeugt, schafft man es mit gesundem Menschenverstand und klarer Kommunikation, das Feuer im Projektteam zu entflammen. Auch wenn die Zeit knapp ist: Es lohnt sich, in und nach der Projektphase Zeit für ­interne und externe PR zu nutzen. Das zahlt sich für das aktuelle und für folgende Projekte aus.
*?Der Autor ist Business Development Manager bei Del Monte, Hamburg