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Kommentar: «Öko-Schaden durch glückliche Schweine

Hansuli Huber vom «Schweizer Tierschutz» kontert Bundes-Wissenschafter

von Foodaktuell Importer


Unter dem Originaltitel «Glückliche” Schweine schaden der Umwelt» hatte die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART in Zürich am 3. Juni 2010 eine Medienmitteilung versandt. Sie erschien auch in foodaktuell.ch: https://www.foodaktuell.ch/nachrichten.php?art=1445. Fazit der ART zu einer Tagung: «Moderne Laufhöfe erlauben Nutztieren Auslauf, aber auf solchen offenen Flächen entweichen viel schädliche Klimagase in die Umwelt. Reinigungsautomaten könnten es verhindern». Heute erhielt die foodaktuell.ch-Redaktion den folgenden Kommentar von Hansuli Huber, Geschäftsführer Schweizer Tierschutz STS (Bild):


Mit ihrer einseitig auf Ammoniak-Probleme fixierten Wissenschaftler-Froschperspektive hat die dem BLW unterstellte Forschungsanstalt Reckenholz-Tänikon nicht nur den Schweizer Bauern, sondern auch der von Bundesrätin Leuthard propagierten Qualitätsstrategie einen Rückenschuss verpasst. „Glückliche Schweine schaden der Umwelt“, behauptet die Forschungsanstalt in einer Pressemitteilung. Man reibt sich verwundert die Augen: Die ganze Bio- und IP-Bewegung ein Schwindel, sind die ökologisch korrekten Haltungsformen nun Vollspaltenböden und Käfigbatterien?

Im Blick-Stil wird einmal mehr das bekannte Ammoniak-Horrorszenario breitgetreten, mit Übertreibungen, Halbwahrheiten und Mutmassungen wie wir es zum Überdruss von den tricksenden Uno-Klimaexperten kennen. Dank Reckenholz wissen wir jetzt endlich, dass die Sturmschäden im Wald nicht den orkanartigen, mit Riesenkräften angreifenden Winden zu verdanken sind – früher nannte man das Naturgewalten – sondern dem bösen Ammoniak, das sich aus den Kotfladen der glücklichen Schweine und Kühe davonstiehlt und die Baumwurzeln infiltriert.

Die Öffentlichkeit wird angeschwindelt: Die Tierzahl zu reduzieren sei nicht realistisch, da die Welt immer mehr Fleisch essen wolle. So als ob die Welternährung von der Schweiz abhinge und unser Land ein Fleischexporteur und „Fleisch-Gewinnler“ à la Dänemark oder Niederlande wäre, die doppelt soviel Schweine produzieren wie der Heimmarkt abnimmt, während die Schweiz kaum ¾ des Inlandbedarfes selber erzeugt. In der Tat hat sich in den letzten dreissig Jahren weltweit die Fleischproduktion verdoppelt, die Pouletmast verfünffacht. In der Schweiz hingegen gingen sowohl der Fleischkonsum als auch die Gesamt-Anzahl Grossvieh-Einheiten GVE markant zurück.



Beispiel Intensivmast: Gänsefarm in Ungarn

Salopp gesagt: Überall in der Welt steigt die Massentierhaltung an und hier sinkt sie. Ein schweizweites Ammoniakproblem herbeizureden und hier Unsummen in Forschung und Vermeidung auf Kosten der Bauern und des Tierwohles zu investieren ist barer Unsinn, schädigt unsere Nahrungsmittelerzeugung und nützt nur den Massentierhaltern im Ausland, die sich im Gegensatz zu den Schweizer Bauern einen Deut um die Umwelt und das Tierwohl kümmern. Dies umso mehr, als die Bauern mit dem Schleppschlauchverfahren längst einen wirksamen Beitrag leisten.

Wenn schon gälte es, den Kantonen, welche die Tierhaltung seit 2000 massiv ausgedehnt haben – etwa Luzern – endlich einen Riegel zu schieben. Hier wird nämlich viermal soviel Schweinegülle/Fläche erzeugt und ausgebracht als im CH-Durchschnitt. Das Gros der Schweizer Kantone hat aber weniger als 1 GVE/ha. Hier ist und bleibt der Hofdünger und seine Stickstoffbestandteile, was er immer war: Ein wertvoller und sinnvoller Teil einer naturnahen Landwirtschaft. Deshalb: Wenn Tierbesatz auf die Fläche abgestimmt ist, sind Ökologie und artgerechte Haltungsformen keine Gegensätze!

Autor: Dr. Hansuli Huber, dipl.ing.agr. ETH, Geschäftsführer Schweizer Tierschutz STS