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Eis am Stiel im 2010: rekordverdächtig

Nicht nur heisse Temperaturen lassen den Schweizer Glacekonsum in die Höhe schnellen: Die Sehnsucht nach dem Sommer, bescherte der Saison 2010 einen fulminanten Start. Von frostigen Temperaturen und einer Kaltwetterfront, die den Frühling überschattete, liessen sich Schweizerinnen und Schweizer die Lust auf Glace nicht verderben. Die positive Marktentwicklung zeigte sich bereits Ende des letzten Jahres: Der Verkauf von Cornets (+ 8 %), Blöcken und Bidons (+ 15 %) verzeichneten einen kräftigen Umsatzzuwachs. Insgesamt konsumierten die Eidgenossen im vergangenen Jahr rund 50 Millionen Liter Speiseeis.

von Foodaktuell Importer

Aus dem ersten Quartal 2010 gehen die Lutscher als grosse Gewinner hervor: Mit einer Zunahme um 43 Prozent fand ein beinahe rekordverdächtiger Absatz statt: Über 300’000 Liter Glace wurden in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres allein in Form von “Eis am Stiel“ konsumiert.

Der Glacémarkt gilt als einer der innovativsten und schnelllebigsten überhaupt und jedes Jahr kommen zahlreiche Neuheiten auf den Markt. Das Erkennen von Trends und neuen Kundenbedürfnissen sei im Rahmen einer Neulancierung ebenso wichtig, wie die intensive Zusammenarbeit zwischen Marketing, Maschinenhersteller und Rohstoffliferanten, sagen die Experten der Branche. Dauerte die Realisierung eines Produktes vor vierzig Jahren nur wenige Monate, vergeht auf dem Weg von der Idee bis in die Kühltruhe heute ein gutes Jahr.

Entwicklung des Konsums von Speiseeis (in 1’000 Liter)


Ob eine Kreation ein hippes Modeprodukt sein soll oder sich zu einem “Longseller” entwickeln darf, lässt sich im Vorfeld steuern. “Manchmal bringen auch ‘kleine’ Erfindungen den grossen Erfolg“, sagt Marco Zanchi, Leiter Marketing Frisco/Nestlé Suisse.” Seit wir den Waffelspitz unserer Cornets mit Schokolade füllten und das Dekor mit Struktur dank einer neuen Verpackung stabilisieren konnten, gewannen wird einen Marktanteil von über 20 Prozent”.

Aus der Frisco-Werbung 2010: Das EXTRÊME Limited Edition Mango mit dem einzigartigen Mangosorbet und köstlicher Mangosauce, vereint mit reifen Fruchstückchen in einer cremigen Rahmglace, umhüllt von der knusprigen EXTRÊME-Waffel.“ Die Glacen enthalten noch mehr Stückchen und Sauce als bisher. Natürlich sind auch die EXTRÊME Limited Edition Cornets aus Schweizer Rahm und rein natürlichen Zutaten hergestellt und garantieren somit den vollen Genuss.

Grundsätzlich gilt: Experimentelle Kreationen unterliegen einem schnelleren Wechsel als traditionelle Geschmacksrichtungen und Formate. In diesem Sinn gibt es in jedem Sortiment Favoriten, denen die Konsumenten über Generationen die Treue halten: Bei Unilever ist das klassische Magnum der millionenfach verkaufte Publikumsliebling. Bei Nestlé/Frisco zählt die legendäre Rakete zu den Dauerrennern, beim noch jungen Glacefabrikanten Emmi begeistert CONINI, die schlanke Version des Cornets jedes Jahr hunderttausende von Glacefans.

Zur Zeit setzt der Schweizer Glacemarkt auf verschiedene Trendbereiche: Erstklassige Rohprodukte verbinden die gefragte Premium-Qualität mit dem Bedürfnis nach Genuss. Das der Glacekonsum ein sinnliches Erlebnis bleiben darf, bestätigt eine unabhängige Studie, die das Londoner KRC Research Institut in Auftrag gab. Dabei kamen die befragten internationale Ernährungsfachkräfte zum Schluss: Wer sich hin und wieder eine Süssigkeit erlaubt – darunter natürlich auch ein Glace – ernähre sich unter dem Strich disziplinierter und gesünder als andere.

Edles Vanillemark oder nur Vanillin mit banalem Geschmack und E-Nummer? Muss Vanilleglace gelb sein? Konsumentinnen und Konsumenten sind kritischer geworden.

Auch die Natürlichkeit der Ingredienzen sei wichtig geworden, betont Christian Beck, Leiter Marketing Ice Cream bei Emmi. Das Auskochen echter Vanilleschoten, die Verwendung von erntefrischen Erdbeeren oder das Beimischen von frisch gemahlenem Kaffe sind bei den Traditionalisten unter den Glacefans starke Argumente.”

Schweizer Konsumenten, die zur Zeit bevorzugt auf Altbekanntes setzten, darunter ihr Lieblingsaroma Vanille – gefolgt von Schokolade und Erdbeer – hätten jedoch nichts dagegen, zwischendurch eine neue Kreation auszuprobieren”, weiss Peter Frei, Out of Home Director bei Unilever. Die amerikanische Kultmarke Ben & Jerry entspricht mit originellen und dennoch vertrauten Geschmacksrichtungen – beispielsweise “Cookie Dough” oder “Chocolate Fudge Brownie” der Lust auf Abwechslung und Abenteuer.

Extravagante Mariage mit Mövenpickglace: Rindstatar mit (süsser) VSOP-Cognac-Glace.

In der Gastronomie sorgen Glacerezepturen für Furore, die man aus der Haute-Cuisine kennt: Eine Kugel Zimtglacé als Zwischengang oder ein Rosensorbet als krönender Abschluss der Mahlzeit. Wer sich eine erschwingliche Exklusivität leisten will, ohne einen Löffel in die Hand nehmen zu müssen, hat neu die Wahl zwischen limitierten Cornetkollektionen oder einem goldumhüllten Magnum-Lutscher in der Aromenkombination Caramel-Vanille.

Wie die Glace aufs Stängeli kam

Einem glücklichen Zufall – oder besser gesagt der Vergesslichkeit eines Kindes – ist die Erfindung des “Eis am Stiel” zu verdanken, die in diesem Jahr ihren 105.Geburtstag feiert:
In einer Winternacht des Jahres 1905 mixte der 11-jährige Frank Epperson aus San Francisco eine Limonade aus Wasser und aromatisiertem Brausepulver, rührte das Getränk mit einem Holzstäbchen und stellte es zwecks Abkühlung vor das Fenster in seinem Zimmer. Abgelenkt durch ein Spiel vergass er den “Soft-Drink” und ging später zu Bett.

Als er am Morgen erwachte, erinnerte er sich an das Getränk. Zuerst wusste er nicht, was er mit dem farbigen Klumpen Eis anfangen sollte, den er nun vorfand. Als es sich in der Wärme des Zimmers vom Rand abzulösen begann, kippte er den Inhalt des Bechers um und hielt das erste “Popsicle” (Eis am Stiel) in der Hand. Neugierig fuhr der Junge nun mit der Zunge über das himbeerrote Gefrorene und fand, wie er sich fünfzig Jahre später erinnerte: “Es schmeckte köstlich”.

Lutscherproduktion bei Frisco in Rorschach

Damals nahm er seine Kreation mit zur Schule, seine Freunde hätten ihr allerdings keine grosse Beachtung geschenkt, so Epperson, und so geriet die Zufallsentdeckung erneut in Vergessenheit. In einem heissen Sommer des Jahres 1923 – Frank Epperson war inzwischen Vater geworden – erinnerte er sich an seine “Erfindung”. Die ersten Kühlschränke mit Tiefkühlfächern hatten in den Haushaltungen Einzug und damit erkannte Epperson den richtigen Zeitpunkt um sein “Popsicle” zum Patent anzumelden.

Begründet wurde es mit eher spröden Worten: “Gefrorenes Eis am Stiel ist die fortschrittliche Methode, gefrorene Süssware in attraktiver Form und angebrachter Weise verzehren zu können, ohne sie dabei durch Kontakt mit Hand, Teller oder Gabel zu verschmutzen”.
1925 verkaufte der Erfinder sein Patent und die Rechte bereits an die Joe Loewe Company in New York. Damit begann der weltweite Siegeszug der Stängeli-Glace, die es heute in tausenden von Variationen gibt. (Text und Diagramm: fial)