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KURZNEWS 15. Juni 2010

EU-Milchpreise langfristig unter 30 Cents / EU: Lockerung des Fütterungsverbots von Schlachtabfällen an Tiere / Getreideproduzenten kontra Biskuit-Industrie / Nanosilber gehört nicht in Lebensmittel / Forscher entwickeln allergiearme Erdnüsse

von Foodaktuell Importer

Nachfrage nach Raclette wieder gestiegen

15.06.2010 – (lid) – Seit Jahresbeginn verzeichnet der Raclette-Käse wieder eine Nachfragesteigerung, dies sowohl im Inland als auch im Ausland.
Im letzten Jahr blieb der Verbrauch in den Schweizer Privathaushalten mit 8‘652 Tonnen gegenüber dem Vorjahr stabil. Die exportierte Menge von 1‘157 Tonnen ist um 33 Tonnen oder 2,7 Prozent tiefer als im Jahr 2008.

Jedoch konnte bereits im ersten Quartal 2010 die Exportmenge wieder um 22 Prozent ausgedehnt werden. Dies gab Raclette Suisse an der Mitgliederversammlung vom 15. Juni 2010 in Seewen bekannt. Auch im Inland hat die Nachfrage stark zugenommen. Deshalb kam es zu Jahresbeginn vereinzelt sogar zu Lieferengpässen. Raclette Suisse rechnet auch in Zukunft mit einer steigenden Nachfrage.

Ebenfalls positiv bewertet wurde die Einführung einer einheitlichen Kaseinmarke seit dem 1. Januar 2010 bei Produkten der Marke Raclette Suisse. Diese spezielle Kennzeichnung besteht aus dem Logo von Raclette Suisse, der Nummer des Fabrikationsbetriebes und dem Herstelldatum. Die Kaseinmarke dient der Transparenz und der Kontrolle sowohl im Handel als auch für den Konsumenten.

EU-Milchpreise werden langfristig unter 30 Cents liegen

14.06.2010 – (lid) – Niederländische Forscher der Universität Wageningen rechnen damit, dass der Milchpreis in der EU bis 2020 bei 29 Euro Cents pro Kilogramm zu liegen kommt.
Wird die Doha-Runde der WTO erfolgreich abgeschlossen, so könnten die Preise noch um zwei bis drei Cents tiefer sinken. Derzeit liegt der Milchpreis in der EU bei durchschnittlich 34 Cents pro Kilogramm. Die noch geltenden Quotenbeschränkungen würden die strukturellen Anpassungsprozesse behindern, so die Forscher zu Agra-Europe vom 14. Juni. Sie sprechen sich deshalb für eine flexiblere Gestaltung der vorgesehenen Quotenerhöhungen bis 2015 aus.

Nach der Abschaffung der Quote ist laut Studie keine oder nur eine geringe Ausweitung der EU-Milchproduktion zu erwarten. Da es zu einer Umverteilung der Milchproduktion kommen wird, befürworten die Forscher einen grenzüberschreitenden Quotenhandel bis 2015. Zugleich schlagen sie einen Warenterminhandel mit Milchprodukten vor, wie er bereits an der Eurex in Frankfurt Ende Mai eingeführt wurde. Damit soll eine Sicherheit für die auch in Zukunft schwankenden Milchpreise geschaffen werden. Diese Schwankungen werden auch als Argument aufgeführt für die Beibehaltung der Direktzahlungen.

Obstverband erwartet eine mittelgrosse Ernte

14.06.2010 – (lid) – Die Beeren- und Obstkulturen präsentieren sich trotz teilweise ungünstigen Wetters während der Blütezeit in einem recht guten Zustand. Der Obstverband (SOV) kritisiert das Konsolidierungsprogramm und lehnt den Agrarfreihandel weiterhin entschieden ab. Marco Pezzatti, Direktor des Schweizerischern Obstverbandes (mw)
“So nass und kalt wie im vergangenen Monat Mai und Anfang Juni war es schon mehrere Jahre nicht mehr”, erklärte SOV-Direktor Bruno Pezzatti anlässlich der Delegiertenversammlung vom 11. Juni in Thun.

Trotzdem sei es um die Beeren- und Obstkulturen gut bestellt: Bei den Erdbeeren, deren Ernte bereits in Gang sei, rechnet er mit Erträgen wie im Vorjahr. Leicht rückläufig sei die erwartete Ernte hingegen bei den Tafel-, Konserven- und Brennkirschen. Und auch bei den Aprikosen muss nach der letztjährigen Grossernte mit kleineren Erträgen gerechnet werden. Mit guten bis sehr guten Ergebnissen sei hingegen bei den Zwetschgen zu rechnen, während bei den Tafeläpfel und –birnen aufgrund des verregneten Blühet eine Einschätzung noch schwierig sei.

Pius Jans, Präsident des SOV, kritisierte das Konsolidierungsprogramm des Bundesrates, welches Ausgabenkürzungen bei der Landwirtschaft vorsieht. Diese Reduktion finanzieller Mittel stehe in Widerspruch zur vom Bundesrat angestrebten Liberalisierung des Agrarmarktes. Weiterhin ablehnend steht der SOV einem Agrarfreihandelsabkommen gegenüber: Mit einem liberalisierten Markt würden zwischen 30 und 40 Prozent Marktanteile im Inland verloren gehen. Diese könnten auf dem Exportmarkt nicht oder nur geringfügig kompensiert werden.

EU: Lockerung des Fütterungsverbots von Schlachtabfällen an Tiere

11.06.2010 – (lid) – Die Europäische Kommission wird voraussichtlich noch vor der Sommerpause das totale Verbot der Verfütterung verarbeiteter tierischer Produkte an Nutztiere lockern.Die Aufhebung des Verbots betrifft jedoch nur Schweine, Geflügel und Fische, unter Beachtung des Kannibalismusverbots. Dies geht laut Agra-Europe vom 11. Juni aus einem internen Entwurf des EU-Gesundheitskommissars John Dalli hervor.

Die absichtliche Verwendung tierischer Nebenerzeugnisse für Wiederkäuerfutter bliebe nach wie vor ausgeschlossen, ebenso die Nutzung von Eiweiss, das aus Rinder-, Schaf- und Ziegenkörpern gewonnen wurde. Die Experten regen jedoch eine Toleranzschwelle für Spuren von verarbeiteten tierischen Proteinen in Nutztierfutter für Nicht-Wiederkäuer und Wiederkäuer an. Mit der formellen Annahme des Papiers käme die Brüsseler Behörde Forderungen aus der Praxis entgegen.

Getreideproduzenten kontra Biskuit-Industrie

11.06.2010 – (lid) – Die Getreideproduzenten wehren sich gegen Argumente der Backwaren-Industrie, dass die Anforderungen der Swissness-Vorlage bei der Biscuit-Herstellung nicht umsetzbar seien. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Regelung sieht vor, dass 80 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz stammen müssen, damit ein Schweizer Kreuz das entsprechende Produkt zieren darf. Der Verband Biscosuisse hatte in den Medien mehrfach verlauten lassen, der für die Biscuit-Herstellung benötigte Weizen sei nur zu 20 Prozent in der Schweiz vorhanden.

Das sei Zahlenmanipulation, wirft der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) der Biscosuisse vor. Es sei klar, dass die Anforderungen an die Mehlqualität für Zwieback, Waffeln oder Lebkuchen jeweils anders seien. Laut den Zahlen einer grossen Schweizer Mühle kämen von 25’000 Tonnen Mehl, die in der Biscuit-Industrie eingesetzt werden, nur 10’000 Tonnen Mehl aus 100-prozentigem Biscuitweizen.

Die Produktion von Biscuitweizen habe in den Neunzigerjahren noch 30’000 Tonnen pro Jahr betragen, heute liege sie bei 6’300 Tonnen, heisst es weiter. Das zeige, dass das Potenzial und das Know-how vorhanden wären. Die Verarbeiter setzten aber alles darauf, damit sie das Schweizer Kreuz möglichst “billig” verwenden könnten, statt sich für eine Zusammenarbeit mit den Produzenten zu engagieren. Die Konsumenten dürften zu Recht erwarten, dass ein wesentlicher Teil des Rohstoffes aus der Schweiz stamme, wenn sie Zwieback oder Biscuit kauften, die als Schweizer Produkte angepriesen werden.

Fromalp AG: Wettbewerbskommission stimmt Übernahme zu

Luzern, 11. Juni 2010 – Die Wettbewerbskommission (WEKO) stimmt dem Zusammenschluss von Emmi und Fromalp AG (Zollikofen BE) ohne Vorbehalt zu. Die Übernahme erfolgt per 1. Juli 2010. Die Geschäftsführung übernimmt François Huguenin, bisheriger Leiter Marketing und Verkauf bei Fromalp AG. Im April 2010 hat Emmi einen Kaufvertrag für die Fromalp AG unterzeichnet. Das Zusammenschlussvorhaben wurde durch die eidgenössische Wettbewerbskommission (WEKO) ohne Vorbehalt genehmigt. Der Vertrag mit der heutigen Fromalp-Besitzerin, der deutschen Hochland SE, kann entsprechend umgesetzt werden. Die Übernahme erfolgt per 1. Juli 2010.

Als Geschäftsführer wird künftig François Huguenin amtieren. Der 49-Jährige wird zugleich seine bisherigen Tätigkeiten als Leiter Marketing und Verkauf weiterführen.
Die Fromalp AG ist spezialisiert auf die Herstellung und den Vertrieb von typischen Schweizer Käseprodukten. Das Unternehmen erarbeitete im Jahr 2009 mit rund 150 Mitarbeitenden einen Umsatz von zirka CHF 100 Millionen. Der Exportanteil liegt bei 40 Prozent. Emmi kann mit der Integration des Fromalp-Geschäftes Synergien nutzen, die Effizienz steigern und Kosten senken. Diese Kostenvorteile geben Emmi die finanziellen Möglichkeiten, sich im liberalisierten Käsemarkt besser zu behaupten und vor allem den Absatz im Ausland zu fördern.

Sollte es zu Produktionsverlagerungen kommen, sieht Emmi gute Möglichkeiten, die betroffenen Mitarbeiter von Fromalp in ihren verschiedenen Betrieben weiter beschäftigen zu können. Emmi verfügt heute in der Region Bern über mehr als 1000 Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter von Fromalp werden entsprechend ihrer Qualifikationen für offene Stellen bevorzugt berücksichtigt. (Emmi 11.6.2010)

Nanosilber gehört nicht in Lebensmittel, Textilien und Kosmetika

Die antimikrobiellen Eigenschaften von Silberionen machen sich Hersteller von verbrauchernahen Produkten seit langem zunutze. Neuerdings werden auch Silberpartikel in Nanogrösse eingesetzt. So sollen zum Beispiel die mit Nanosilber beschichteten Oberflächen in Kühlschränken das Wachstum von Keimen verhindern, und in Sportsocken soll es die Geruchsbildung vermeiden. Ob von Nanosilber ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher ausgeht, lässt sich derzeit nicht abschliessend beurteilen. „Solange wir mögliche gesundheitliche Risiken nicht sicher ausschliessen können, empfehlen wir Herstellern, auf Nanosilber in verbrauchernahen Produkten zu verzichten“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Silber und Silberverbindungen setzen Silberionen frei, die das Wachstum von Keimen hemmen können. Sie werden daher zum Beispiel in kosmetischen Mitteln, Textilien und in Haushaltsgeräten verwendet. Ausserdem ist Silber als Farbstoff für Lebensmittel (E174) zugelassen.

In jüngster Zeit wird von Herstellern von verbrauchernahen Produkten zunehmend Silber auch in Form von Nanopartikeln eingesetzt. Unter Nanopartikeln werden Teilchen mit einem Durchmesser kleiner als 100 Nanometern verstanden. Nanopartikel haben andere physikalische Eigenschaften als grössere Teilchen des gleichen Stoffes. Diese besonderen Eigenschaften machen sie für unterschiedliche Einsatzbereiche interessant. Dabei ist nicht abschliessend geklärt, ob sich ihre toxikologischen Eigenschaften ändern und sie möglicherweise zum Gesundheitsrisiko für Verbraucher werden können.

Das BfR sieht Forschungsbedarf zur Klärung grundlegender Fragen im Zusammenhang mit der Verwendung von nanoskaligem Silber als antimikrobiell wirkendes Material: In welchem Masse kommen Verbraucher mit den nanoskaligen Silberteilchen in Kontakt? Was bewirkt Nanosilber im Menschen, und wie gross ist die Gefahr der Resistenzentwicklung?

Auf die Verwendung von nanoskaligem Silber in verbrauchernahen Produkten empfiehlt das BfR bis zum Vorliegen einer abschliessenden Sicherheitsbewertung ganz zu verzichten. In Lebensmitteln sind nanoskalige Zusatzstoffe ohnehin zulassungspflichtig. Nanosilber ist in Lebensmitteln nicht zugelassen. Dies begrüsst das BfR vor dem Hintergrund der offenen Fragen zur Risikoeinschätzung.Das BfR hat eine Stellungnahme zum Thema veröffentlicht, die auf der Homepage www.bfr.bund.de einsehbar ist.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen. (BfR 10. Juni 2010)

Forscher entwickeln allergiearme Erdnüsse

Washington (pte/08.06.2010/10:00) – Wissenschaftler des US Department of Agriculture http://www.ars.usda.gov arbeiten an der Entwicklung von allergiearmen Erdnüssen. Sie sollen jene Probleme beenden, die die derzeit im Handel befindlichen Arten verursachen können. Durch eine Kreuzung der Arten ist es dem Team um Soheila Maleki gelungen, die Allergie auslösenden Proteine zu entfernen oder zu reduzieren. Die Erdnüsse sind nicht gentechnisch verändert.

Erdnuss-Allergien sind relativ verbreitet und können zu Problemen mit der Atmung führen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen. Die neu entwickelten Erdnüsse befinden sich derzeit noch in einem frühen Stadium der Entwicklung. Sollten weitere Experimente erfolgreich sein, ist laut BBC ein allgemeiner Einsatz denkbar.

Der entscheidende Punkt wird sein, ob die Erdnüsse trotz des fehlenden Proteins normale Samen mit dem gleichen Allergiepotenzial ausbilden. Prinzipiell wäre es dann so, dass Kinder, die allergiearme Erdnüsse essen, weniger wahrscheinlich allergisch werden. Laut Maleki wäre auch bei Allergikern eine viel grössere Menge erforderlich, um eine Reaktion auszulösen. Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass die neuen Erdnüsse in zwei bis fünf Jahren auf dem Markt sein könnten.

Ein weiteres mögliches Einsatzgebiet wäre die Immuntherapie. Ein vergangenes Jahr in Cambridge durchgeführter Test war laut BBC erfolgreich. Eine Gruppe von Kindern konnte geheilt werden. Weitere Forschungsprojekte laufen bereits. Die aktuellen Forschungsergebnisse wurden auf einem Kongress der European Academy of Allergy and Clinical Immunology http://eaaci.net in London der Öffentlichkeit präsentiert.