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Eine Marke setzt «frische» Massstäbe

Länderspezifische Angebote und strikte Prozesse machen den Erfolg der Schweizer Eisberg-Gruppe aus. Doch auch Europas führender Hersteller von Salat-Convenience muss sich laufend perfektionieren.

von Alimenta Import

Wie kann ein Unter­nehmen seit 30 Jahren erfolgreich nur auf ein Produkt setzen? Die Eisberg-Gruppe macht es vor: Pionier- und Unternehmergeist, Innovationskraft, aber auch Schweizer Perfektion ziehen sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte: In den 70er-Jahren beschlies­sen die Gebrüder Leuenberger, auf ihrem Bauernhof in Dänikon ZH Frischgemüse anzubauen. Dieses wird zunächst auf Wochen­märkten verkauft, dann an die Migros geliefert. 1973 gehört der Familienbetrieb zu den ersten ­Anbietern von «küchenfertigen Convenience-­Salaten». Die 1983 gegründete Firma Eisberg spezialisiert sich fortan auf geschnittene und gewaschene Mono- und Mischsalate.

Die Gründer sind Macher und Trend­setter. Als im damaligen Ostblock praktisch noch kein Eisbergsalat angebaut wurde, schmuggeln sie Saatgut über die Grenze und tragen massgeblich dazu bei, den ­Salatkonsum dort populärer zu machen. 1992 expandiert die Firma nach Polen und Ungarn, gründet drei Jahre später weitere Niederlassungen in Rumänien und Italien. Heute umfasst die ­Eisberg-Gruppe sechs Niederlassungen und fünf Produktionsstandorte.
Die Gruppe beschäftigt 400 Mitarbeiter und beliefert 14 Länder. Damit verfügt ­Eisberg europaweit über das grösste Vertriebsgebiet und ist mit seinen Convenience-Salaten in Zen­tral- und Osteuropa die Nummer 1. Die Kunden sind führende Firmen aus dem Retail-Segment, der Lebensmittelindustrie und der Sys­temgastronomie wie McDonald’s. Neben dem Kernprodukt verwendet Eisberg für ihre Salat­kompositionen über 20 verschiedene Sorten.

Topqualität und lange haltbar

 «Wir produzieren jeden Tag das gesamte Sortiment und liefern unsere Salate stets frisch und zeitgerecht», erklärt Michael Krackhardt, Leiter Operations. Um eine mindestens fünftägige Haltbarkeit zu garantieren, auferlegt sich Eisberg strikte Prozesse und Kontrollen. Dazu gehören regelmässige Hygieneproben. Auch gilt das Prinzip der lückenlosen Kühlkette: Sobald der Salat auf dem Feld geschnitten ist, muss er bei 2 bis 4 Grad gelagert, geschnitten, dann in 1 bis 2 Grad kaltem Trinkwasser gewaschen und nach dem Verpacken ohne Unterbruch bei 4 bis 6 Grad Celsius ge­lagert und transportiert werden.
Eine weitere wichtige Komponente zur ­Sicherstellung von Qualität durch Frische ist die Schutzatmosphäre. Eine Wissenschaft für sich. Um die Bildung von Bakterien oder Oxidation zu vermeiden, muss das Luftgemisch im Salatbeutel die richtige Zusammensetzung haben. Geräte steuern hier passgenau die ­Dosierung, die je nach Salatmischung oder Schnittgrösse unterschiedlich ausfällt.

Ganzjährige lückenlose Lieferung
Mit seinen Produktionseinheiten vor Ort deckt Eisberg jeweils einen Radius von 500 Kilo­metern ab. Damit will man die Transportwege möglichst kurz halten und eine lückenlose Lieferung sicherstellen. «Um auch gegen alle Eventualitäten, etwa Naturkatastrophen wie jüngst die Überschwemmung in Polen, gewappnet zu sein, braucht es ein verlässliches Notfallkonzept», erklärt Krackhardt. Zwecks Minimierung der Ausfallrisiken arbeitet die Gruppe deshalb mit mehreren lokalen An­bauern sowie Logistikfirmen zusammen und bildet immer dichtere Netzwerke. Darüber ­hinaus sorgt Eisberg für eine ganzjährige Verfügbarkeit ihrer Produkte: In den Sommermonaten werden die Rohwaren in der Regel in Mittel- und Osteuropa, ausserhalb der Saison aus Spanien, Italien, Nordafrika und anderen Produktionsländern bezogen. Bei alledem setzt Eisberg auf eine effiziente Logistik und modernste Technologien: Die Supply-Chain-Plattform in Spanien und das gruppenweite Entreprise Resource Planning System (ERP) ermöglichen einen professionellen Wareneinkauf und eine strategisch günstige Beschaffungsplanung für die Kunden. Mittels Barcodes und Scannern lassen sich jederzeit die Ursprünge des Produkts wie Herkunft und Zeitpunkt der Ernte feststellen.

Mediterranes für Rumänien
«In der Schweiz nimmt der Konsum von Baby-Leaf-Salaten zu, doch gesamthaft ge­sehen werden immer noch konventionelle Mischsalate stärker nachgefragt. In Rumänien oder Österreich hingegen sind die Konsumenten eher auf Produkte fokussiert, die im mediterranen Raum beliebt sind, so beispielsweise Rucola und Nüsslisalat», erzählt Reto Preisig, Leiter Sales & Marketing: «Eisberg stimmt seine Produkte jeweils genau auf die individuellen Bedürfnisse der Länder ab. Dazu pflegen wir persönliche Kontakte zu ­unseren Kunden und Lieferanten, machen ­regelmässig Marktstudien und führen vor Ort Degustationen durch.» Ein internationales ­Innovationsteam ist laufend daran, frühzeitig Trends zu erkennen und zukunftsweisende Produkte zu entwickeln – wie etwa den kürzlich eingeführten Kindersalat für Polen.  «Nach den grossen Evolutionssprüngen in der Vergangenheit setzen wir Innovationen heute schrittweise um», so Krackhardt. Ziel ist nicht nur, das Sortiment zu variieren, sondern auch bei den Verfahrenstechniken, in der Logistik und im Vertrieb immer weiter zu optimieren. «Und um die hohen Qualitätsanforderun­-gen einzuhalten, ist die Schulung aller an der Wertschöpfungskette Beteiligten extrem wichtig – ebenso wie die Kommunikation.» So bezieht Eisberg den Input all ihrer Bezugsgruppen in die laufenden Verbesserungen mit ein und erteilt selbst Feedback.

Auch organisatorisch setzt Eisberg Massstäbe: Dank der Matrixstruktur tragen die ­lokalen Eisberg-Niederlassungen die Eigenverantwortung. Das zentrale Kompetenzzentrum am Gruppensitz in Zürich unterstützt die Länder mit massgeschneiderten Standards und Services. Schweizer Spezialisten kümmern sich um die Ausbildung und den Know-how-Transfer, etwa bei den Rohwarenlieferanten, machen Qualitätskontrollen, u.a. auf dem Feld, oder integrieren neue Prozesse und Technologien in den Betrieb.

Wachstum aus eigener Kraft
Mit McDonald’s ist Eisberg in Osteuropa gross geworden. Doch auch mit anderen Kunden wie Metro und Tesco pflegt die Gruppe strategische Partnerschaften. Akquisitionen sind nicht ausgeschlossen. Wachstum aus eige­ner Kraft und Expansion in verdaubaren Portionen, heisst die Devise. «Wir wollen ­unsere Wachstumsstrategie in der Tiefe umsetzen: mit mehr Mitarbeitern, Lieferanten, Anbaugebieten und einer noch besseren Risikoverteilung», so Krackhardt. In Osteuropa  ist die Gruppe zwar präsent, doch gibt es dort noch grosses Potenzial. Derweil rücken immer mehr Anbieter aus anderen Ländern nach. Um an der Spitze zu bleiben, will sich Eisberg weiter perfektionieren. Künftig wird es darum gehen, neue Produkte zu kreieren und bestehende, beispielsweise aus der «Family»-Linie, weiter zu entwickeln, um damit zusätzliche Kundensegmente zu erschliessen. Gleichzeitig gilt es die Kosteneffizienz, vor allem in der Logistik, weiter zu steigern.

Die Marke Eisberg ist mittlerweile europaweit bekannt und steht in mehreren Ländern für diesen Frischsalat schlechthin. Laut Preisig zeigt der letztes Jahr neu lancierte Markenauftritt verstärkende Wirkung bei den Verkäufen. Auf der Verpackung untermalt das farbige Logo mit dem zart rankenden Rucolablatt die Frische und die stets keimende Innovationskraft von Eisberg.