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Früchte der Umstrukturierung ernten

Nach Jahren der Turbulenzen mit Übernahmen, Betriebsschliessungen und der Neuausrichtung kehrt Ruhe in das Getränkeunternehmen Ramseier AG ein. Gerade rechtzeitig zur Feier des 100. Geburtstages.

von Alimenta Import

«Wenn die Neustrukturierung schematisch auf eine Zeitachse gestellt wird, sieht das Ganze ziemlich plausibel aus. Doch die Detailarbeit darf auf keinen Fall unterschätzt werden», sagt Christoph Suter der Ramseier Suisse AG. Suter ist als Leiter Supply Chain Management zuständig für die Umstellungen in den Betrieben der Ramseier AG, die in den letzten Jahren in der Unter­nehmung vor sich gingen. Und dies waren im Rahmen der Fusion mit Granador vor fünf Jahren nicht wenige.
Doch vorher galt es, auf Unternehmens­ebene festzulegen, welche Betriebe für welche Funktionen infrage kommen. Sicher war nur, dass es im mit Überkapazitäten belasteten Obstsaft- und Getränkeabfüllmarkt der Schweiz galt, die Standorte auszu­nützen.
Jetzt füllt der Betrieb in Sursee und ­Kiesen Obstsäfte ab, wo gleichzeitig auch Obst gepresst wird. Am Standort Elm, den die damalige Pomdor 1997 übernahm, werden Mineral­wasser und Süssgetränke (Elmer Citro) ab­gefüllt. In Hitzkirch LU in der ehemaligen ­Granador, in Oberaach TG, in Kiesen BE und in Sursee LU wird gemostet. Am Firmenhauptsitz in Sursee wird heute der grösste Teil der Obstsäfte abgefüllt.

Ausnahmetransport und Kollateralschaden

Relativ einfach gestaltete sich die Zügelarbeit der Anlagen. Diese konnten teilweise ganz oder dann in Einzelteile zerlegt an den neuen Standort gebracht werden. «Doch die Garantie, dass die Maschinen am neuen Standort wieder korrekt arbeiten, hat man dennoch nicht», sagt Christoph Suter. Unvorhergesehenes kann auch eintreten, wie wenn etwa mit den neuen Anlagen plötzlich die Frischwas­serkapazität nicht mehr reicht. Oder auf den ­ers­ten Blick sah die Standortverschiebung der Tanks einfach aus. Doch kompliziert wurde es beim Transport. Die konnten ja nicht einfach in Einzelteile zerschnitten werden. So musste dann auch schon mal eine Gebäudemauer abgebrochen werden, der Tank wurde mit einem Kran herausgenommen, verladen und per Ausnahmetransport nach Sursee gebracht und dort wieder durch eine abgebrochene Mauer an den richtigen Standort gesetzt. ­Suter bezeichnet dies als Kollateralschäden.
Die Kosten für solche Unternehmens­­umstellungen können sich erfahrungsemäss auf Dutzende von Millionen Franken belaufen, obwohl die Firma keine Zahlen nennt, was die Reibungsverluste der strukturellen Umwäl­zun­gen gekostet haben. Auch für die 300 Mitarbeiter war die Restrukturierung eine schwierige Zeit, da sie nie wussten, ob
sie ihren ­Arbeitsplatz behalten können oder nicht.

Erste industrielle Saftherstellung
Nun gehören die Umstrukturierungen aber der Vergangenheit an; auch das Gezerre um den Firmennnamen. Nach der Übernahme von Granador wurden die Unternehmen ­Unidrink benannt, denn gefordert war nach der Fusion ein neutraler Name. Ein politi­-sches Kunstprodukt, das keines der beiden integrier­ten Unternehmen zu stark erscheinen liess.
Jetzt greift die Firma mit dem neuen Namen Ramseier seit zwei Jahren wieder auf eine starke Marke zurück und damit hat Ramseier wieder eine Geschichte zu erzählen. Nämlich diejenige der Pionierin aus dem Herzen des Emmentals im Jahre 1910, als sich 21 Männer zum Ziel setzten, die mühsame Handarbeit des Mostens erträglicher und vor allem rationeller zu gestalten. So wurden aus der Handvoll Ramseier-Leute schon fünf Jahre später deren 81, die Süssmost und Apfelwein auf den Schweizer Markt brachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die damalige Ramseier andere Mostereien. 1977 schloss sich dann die Firma mit drei anderen Obstverarbeitungs­betrieben zur Pomdor zusammen, worauf weitere Übernahmen folgten und damit der Aufstieg zur Nummer eins in der Schweiz.
Ob nun Ramseier nach der Integration von Granador das Grasen lassen und weitere Akquisitionen tätigen will, sagt die Firma selbstverständlich nicht. Doch die Marke soll mit Marketingaktivitäten weiter gestärkt werden. Dazu eignet sich das runde Jubiläum optimal. Derzeit sucht Ramseier den besten Interpreten, der das Volkslied «Ramseiers wei ga grase» am kreativsten intoniert (www.ramseier.ch). Das Videoportal youtube ist voll von Beispielen. Vielleicht wird damit die Rekordmarke für verkauften Süssmost und Apfelwein, die aus dem Jahre 1947 mit dem trockenen Sommer stammt, übertroffen.

Schwieriges Exportgeschäft
Heute ist es nicht nur Süssmost und Apfelwein. Es sind ziemlich viele Produkte mehr, und es geht weiter, denn Ramseier entwickelt zwischen 25 und 30 neue Produkte pro Jahr. «Doch was ist wirklich eine Innovation?», fragt sich Jann Gehri, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Braucht es die ultimative Innovation, oder liegt diese schon darin, wenn ein konventioneller Saft in ein neues Gebinde abgefüllt wird, und verbleibt eine sogenannte Innovation zwei oder eventuell zehn Jahre im Regal des Einzelhändlers? Entsprechend kann Gehri auch keine genaue Rate für erfolgreiche Innovationen nennen. Doch der letzte Schrei kommt bei den Konsumenten gut an. So der Apfelsaft mit Cranberries oder die Schorle mit Kaktusfeigen und Grüntee, oder gar die neuen Litchi- und Grapefruit-Biere.
Mit der Rückbesinnung auf den Namen Ramseier kommt der Swissness wieder grössere Bedeutung zu. Laut Gehri macht der Gesamtexport heute nur einen kleinen Anteil des Umsatzes aus. Dies sei in der Struktur der Ver­gangenheit zu suchen. Denn die Mostereien waren Selbsthilfeorganisationen der Bauern. Und solange der Absatzmarkt Schweiz gut war, warum sollte im Ausland das Heil versucht werden?
Ob die Firma die ablehnende Haltung ­gegenüber einem Agrarfreihandelsabkom-men ihres Konzernchefs der Fenaco, Willy Gehriger, teilt, ist nicht klar. Vorerst will das Unternehmen die Früchte der Umstrukturierungen ernten und im Inland Geld verdienen.

Der 40-Millionen-Flaschenfüller

Geld, das die Firma lieber in Technologie steckt, wie in den zweijährigen Krones-Füller, auf den die ganze Firma stolz ist. Obwohl die besten Leute in den Sechzigerjahren von Hand stündlich bis zu 5000 Bügelflaschen verschlos­sen, ist Automatisierung für Ramseier als eines der grössten Getränkeunternehmen der Schweiz ein Muss. Das ganze Bestreben der Firma liegt darin, dass die Anlagen ausge­lastet sind. So speist der kaltaseptische Füller in Sursee im Vierschichtbetrieb jährlich 40 Mio. PET-Flaschen oder 10 Mio. Glasflaschen. Die zwei Tetra-Anlagen, Tetra Slim und eine herkömmliche Maschine, füllen im Dreischichtbetrieb in Sursee 25 Mio. Beutel pro Jahr
ab. Der Verarbeitungskeller wurde vor zwei ­Jahren neu erstellt. Mittelfristig sind laut Christoph Suter verschiedene Projekte angedacht. So soll der Lagerkeller erweitert oder die Kühllagerkapazität vergrössert werden. So ist sichergestellt, dass auch in Zukunft der Most in Strömen fliessen kann.