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Monokultur in der Glacétruhe

Adrian Krebs über die Geschmackslosigkeit in der Kühltruhe und die monotone Glacekultur.

von Alimenta Import

Es ist warm oder zuweilen gar heiss, und man dürstet ab und zu nach einer Erfrischung in gefrorener Form. Höchste Zeit also, um einen Blick auf das Glacéangebot zu werfen.
Es gibt eine Firma, die diesen Markt zumindest am Kiosk zu schätzungsweise 95 Prozent beherrscht. Seit Jahren wird uns in den Truhen an Bahnhöfen, auf Plätzen und an Flaniermeilen das Gleiche geboten: Rakete, Solero Straciatella, ­Pralinato, Cornet, Maxibon. Das alles schmeckt zwar recht, aber wirkliche Gaumenschmeichler sind ­diese Klassiker nicht mehr. Innovation wäre dringend gefragt. Natürlich, ab und zu stösst ­etwas Neues dazu. Als langjähriger Pralinato-Freund und Liebhaber von weisser Schokolade war ich hoch erfreut über die weisse Version, die vor zwei, drei Jahren auf dem Markt war. Nach einer Saison war das Produkt schon wieder aus der Truhe verschwunden. Letztes Jahr kam das Modell Latte Macchiato, allerdings nur an aus­gewählte Kioske. Ein echter Gewinn. Wo ist es ­heute? Längst eliminiert aus dem Sortiment. In diesem Jahr ist Kokos an der Reihe – auch nicht schlecht, ich wette einen ganzen Karton davon, dass ich es nächstes Jahr vergeblich suchen werde.

Ich mag der betreffenden Firma ihren Erfolg ­gönnen, aber für mich ist die Situation auf dem ­Kiosk-Glacémarkt ein klassisches Beispiel für die negativen Auswirkungen von Quasi-Monopolen: Es profitiert die Firma, aber nicht der Konsument. Während wie erwähnt das Sortiment so schlank wie möglich gehalten wird, steigen die Preise in einen Bereich, wo man fast ein Zwanzigernötli opfern muss, wenn eine ganze Familie ein Cornet essen will. Argumente dafür gibt es keine: Die Entwicklung der Rohstoffpreise zeigt weder bei Milch, Zucker noch Mehl nach oben, und die ­Mitarbeiter beim Hersteller und am Kiosk müssen froh sein, wenn sie den Teuerungsausgleich erhalten. Konkurrenz täte hier gut, nicht nur preislich, sondern auch, was die Kundennähe betrifft. Dies gilt übrigens auch für die Betreiberin der ­Kioske, dort wird man meist auf eine Art und ­Weise bedient, die man gelinde ausgedrückt als nüchtern bezeichnen muss.