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Nur widerwillig zugestimmt

Für Milch, die zu Produkten der weissen Linie verarbeitet wird, hat die Branchenorganisation Milch den Richtpreis um 3 Rappen erhöht. Dies war nur möglich, weil die Grossverteiler zusagten, ihre Preise anzuheben.

von Alimenta Import

Von 62 auf 65 Rappen pro Kilo Milch erhöhte der Vorstand der Branchenorganisation (BO) Milch den Richtpreis für die Periode von Juli bis September an seiner Sitzung vom 21. Juni. Der Preis gilt ausschliesslich für Molkereimilch. Eine Preiserhöhung bei der verkästen Milch würde die Wettbewerbsfähigkeit zu stark belasten, waren sich die Vorstandsmitglieder einig.

Grossverteiler als Zünglein an der Waage
Hauptargument der Produzentenvertreter im Gremium war der gestiegene Milchpreisindex, der vom Bundesamt für Landwirtschaft er­hoben wird. Darin wird unter anderem die Situa­tion auf den internationalen Märkten berücksichtigt. Dort tendieren die Preise nach oben. Die SMP hatten denn auch schon im Vorfeld der Sitzung unmissverständlich verlauten lassen, dass es nun an der Zeit sei, den Richtpreis zu erhöhen. «Dieses Vorgehen verstärkt den Druck auf die Vorstandsmitglieder ungemein», stellt Fromarte-Direktor Jacques Gygax fest. Hinzu kam, dass sowohl Coop als auch Migros – beide haben einen Sitz im
BO-Milch-Vorstand – sich bereit erklärten, höhere Preise bei Molkereiprodukten mitzutragen.
Diese Ankündigung hat den Ausschlag dafür gegeben, dass die Richtpreiserhöhung um 3??Rappen für das kommende Quartal angenommen wurde.  Auch Gygax hat aufgrund des für ihn «überraschenden Signals» davon abgesehen, sich dagegen zu sträuben. Dies, ­obwohl die BO Milch das Risiko eingehe, ­dadurch die Motivation zu steigern, um mehr Milch zu produzieren, sagt Gygax. «Ein falsches Signal. Immerhin liegen noch fast 10?000 Tonnen Butter in den Lagern.»

Direkt betroffen von der Richtpreiserhöhung ist Jacques Gygax jedoch nicht. Fromarte hat die Vorstandsmitglieder überzeugen können, dass eine Preiserhöhung bei der verkästen Milch fatale Folgen haben würde. Derzeit kämpft die exportorientierte Käsebranche mit dem starken Schweizer Franken («Alimenta» 12/10).

Auch Cremo hat dank dem Signal der Grossverteiler zugestimmt. Das Westschweizer Unternehmen bezahlt laut Generalsekretär Michel Pellaux auf 83 Prozent der Molkereimilch den Richtpreis. Wie der neue Richtpreis umgesetzt wird, müsse noch diskutiert werden, sagt Pellaux. «Entscheidend ist, ob die Kunden, also die Grossverteiler, ­bereit sind, die höheren Preise zu bezahlen.» Er sieht jedoch weniger im Inlandmarkt ein Problem als vielmehr bei der sich vergrössernden Differenz zum Auslandpreis von Rohstoffen der Verarbeitungsindustrie.
Sowohl Coop als auch Migros stehen klar für den höheren Preis ein. Ob und wie sie ihn an ihre Kunden weitergeben, ist aber bei beiden Grossverteilern noch nicht bekannt.