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Fleischmarkt Europa im Überblick

Der Fleischverzehr ist in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung in 2009 zum zweiten Mal in Folge leicht zurückgegangen, Insgesamt lag der Pro-Kopf-Fleischverzehr im vergangenen Jahr bei 60,9 Kilogramm. Rind- und Kalbfleisch sowie Geflügel sind Gewinner an der Fleischtheke. Für 2010 gehen Marktexperten davon aus, dass Fleischpreise gar nicht oder nur ganz leicht steigen werden.

von Foodaktuell Importer



Schweinefleisch bleibt Bestseller tzotz leichter Abnahme, aber Gefügel holt stark auf. Bild: Schweinshaxe in der Schwarte, Bestseller im Restaurant Schweizerhaus in Wien.

Schweinefleisch wurde von den Verbrauchern erneut am Häufigsten konsumiert, jedoch sank dessen Verzehr im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Kilogramm auf 39 kg. Das Segment Geflügelfleisch zeigt seit Jahren einen kontinuierlichen Aufwärtstrend: Wurden 2006 noch 10kg verzehrt, stieg der Anteil 2009 auf nunmehr 11,3 kg. Im Vergleich zum Vorjahr 2008 bedeutet dies ein Zuwachs von 0,1 Kilogramm. Rind- und Kalbfleisch sind weitere Gewinner an der Fleischtheke.

Mit insgesamt 8,5 kg hat jeder Konsument durchschnittlich etwa 100g mehr zu sich genommen. Konstant ist seit Jahren der Absatz von Schaf- und Ziegenfleisch – er liegt seit 2006 bis 2009 bei 0,7 kg pro Kopf der Bevölkerung. Die Preise von Fleisch- und Fleischerzeugnissen sind im vergangenen Jahre moderat um 2,1 Prozent gestiegen, die Steigerungsrate lag 2008 noch bei rund 2,6 Prozent. Für 2010 gehen Marktexperten davon aus, dass Fleischpreise gar nicht oder nur ganz leicht steigen werden.

Finanzkrise und die Fleischmärkte.

Die Weltwirtschaft leidet noch an den Auswirkungen der Finanzkrise. Einzig China und Indien konnten diesem Dilemma trotzen und ansehnliche Wachstumsraten vorlegen. Und auch wenn die Prognosen für 2010 hoffnungsvoll sind, so ist doch Vorsicht geboten, denn jetzt kommt es darauf an, wie schnell die Wirtschaft sich auch im Westen erholt.

Eine neue Studie des Meat Clubs des renommierten Schweizer Marktforschungsinstitutes Gira befasst sich mit der Finanzkrise und den Auswirkungen auf die europäischen Fleischmärkte. Demnach bewegt sich der globale Fleischkonsum trotz der Finanzkrise auf stabilem Niveau – dank China, wo der Fleischverbrauch zulegen konnte. Die FAO erwartet bis 2050 sogar eine Verdoppelung des Fleischverbrauchs. Dem stabilen Fleischverbrauch 2009 stand ein starker Rückgang der Ausgaben für Fleisch gegenüber.

Die ChinesInnen essen immer mehr Fleisch. Bild: Pekingente.

Die Hoffnung auf eine positive Entwicklung in diesem Jahr könnte allerdings durch höhere Erdölpreise einen Dämpfer erhalten, da höhere Rohstoffpreise zu einem direkten Kostenanstieg in der ganzen Fleischkette und schliesslich zu einer schwächeren Fleischnachfrage führen. Auch die Entwicklung am internationalen Währungsmarkt spielt naturgemäss eine grosse Rolle im Fleischhandel. Der Euro schwächt sich gegen den US-Dollar ab mit der Folge, dass die Rohstoffkosten anziehen könnten. Ein starker US-Dollar aber eröffnet neue Möglichkeiten für den Export. Andere wichtige Währungen werden ebenfalls zulegen, die betroffenen Länder werden deshalb Exportmöglichkeiten auf dem internationalen Markt verspielen.

Einschneidende Vorkommnisse aufgrund von wichtigen Klimafaktoren sind nicht zu erwarten. 2009 war ein gutes Getreidejahr mit niedrigen Futtermittelpreisen, weshalb sich die europäischen Futtermittelpreise mindestens bis Herbst 2010 auf dem Vorjahresniveau halten können. Auch in punkto Tiergesundheit drohen derzeit keine grossen Probleme, die dem Welthandel in die Quere kommen könnten. Wachsamkeit ist allerdings geboten: Von der Afrikanischen Schweinepest in Russland geht ein latentes Gefahrenpotenzial aus, während Der BSE-Effekt derzeit abebbt.

Eine wichitge Rolle im Fleischhandel spielen auch politische sowie gesellschaftliche Faktoren. Tiergerechtheitsanforderungen und der Klimagipfel von Kopenhagen werden Auswirkungen auf den Fleischmarkt haben, so dass die nachhaltige Fleischproduktion eine grosse Herausforderung für die kommenden Jahre darstellt.

SB-Angebote dominieren

Im Wurstverkauf in Deutschland findet eine ähnliche Entwicklung wie im Käseabsatz statt. Der Anteil der SB-Ware steigt weiter kontinuierlich. Neu ist allerdings im Jahr 2009, dass Aldi im Wurstverkauf verloren hat, während die anderen Discounter deutlich zulegen konnten. Dies könnte als Zeichen für eine Rückbesinnung zum klassischen Markenartikel gewertet werden.

Thekenverkauf von Fleisch und Wurst in einem deutschen Supermarkt.

Der langfristige Trend zu Fleisch und Wurst in SB steht in direkter Verbindung mit der zunehmenden Präsenz der Discounter, die in Deutschland eine zunehmend dominierende Rolle als Einkaufsstätte für Lebensmittel einnehmen. Dieser Trend verstärkt sich in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten. Insofern gibt es einen Zusammenhang zwischen der Finanz- und Wirtschaftskrise und dem zunehmenden Anteil von SB-Ware in den Frequenz bringenden Frischesortimenten. Die Preisaggressivität dieser Vertriebsform führt neue Käuferschichten zu den Discountern.

Interessant ist auch das Phänomen, dass die Supermärkte mit einer Gegenoffensive zu den Discountern mit guten Inszenierungen im Fleisch- und Wurstbereich zu punkten wissen. Im Bedienungsbereich halten sich die Supermärkte erstaunlich gut und erzielen interessante Margen mit Frische-Sortimenten. Doch auch die Wurst-SB-Abteilungen der Supermärkte werden immer grosszügiger und zeigen eine Sortimentstiefe, die in früheren Zeiten den Verbrauchermärkten und SB-Warenhäusern vorbehalten war.

Auch der SB-Wurstanteil in Supermarktbereich legte 2009 mengenmässig zu. Viele Supermarktbetreiber legen grossen Wert auf eine attraktive SB-Abteilung, um die Kompetenz der Bedienungsabteilung nicht durch einen durchschnittlichen SB-Auftritt zu konterkarieren. Die gesunde Mischung von Bedienung und SB macht letztendlich den Erfolg dieser Strategie aus. Ein weiterer Trend ist die Zunahme der Convenience-Produkte, welche die SB-Entwicklung fördern. Wieder verschliessbare Verpackungen, der Trend zum Wurstbecher und die zahlreichen frischen Covenience-Produkte auf Fleisch- und Wurstbasis – häufig angeboten im Lebensmitteleinzelhandel auf attraktiven Warenpräsentationen – sind die Motoren des Trends hin zu Selbstbedienungsprodukten.

Lebensmittel-Skandale: Wem vertrauen?

Wie reagiert der deutsche Verbraucher auf Lebensmittel-Skandale? Wenn schlechte oder verunreinigte Lebensmittel verantwortlich sind für Krankheiten oder gar Todesfälle bei den Verbrauchern. Eine aktuelle Nielsen-Untersuchung zeigt überraschende Ergebnisse. Für gut ein Viertel der Deutschen ist die Sicherheit der Lebensmittel ein sehr wichtiges Kriterium bei der Wahl der Einkaufsstätte.

Knapp 60 Prozent der Konsumenten vertrauen auf die Lebensmittelsicherheit in ihrem Geschäft vor Ort. In Österreich (65 Prozent) in der Schweiz (64 Prozent) sind diese Werte allerdings noch etwas höher. Die räumliche Nähe zu ihrem bevorzugten Geschäft vermittelt den Konsumenten offenbar ein subjektives Gefühl der Sicherheit, obwohl sie dort wahrscheinlich trotzdem in der Mehrzahl überregionale Produkte kaufen, vermuten die Markforscher von Nielsen.

Nähe schafft Vertrauen, wovon besonders Dorfmetzgereien profitieren.

Drei Viertel der Deutschen sehen die Verantwortung für sichere Lebensmittel bei der Industrie. Österreichische und Schweizer Konsumenten sehen das ähnlich. Danach wird die Regierung in die Verantwortung genommen. (D:18 Prozent, A: 25 Prozent, CH: 23 Prozent).
Weniger als zehn Prozent der Konsumenten in allen drei Ländern sehen die Verantwortung beim Handel. Im Fall eines Lebensmittelskandals vertrauen die Deutschen besonders den Medien (44 Prozent) gefolgt von der Regierung (22 Prozent) der Lebensmittelindustrie (18 Prozent) und dem Handel (15 Prozent).

Besonders auffällig ist in Deutschland das im Verhältnis sehr hohe Vertrauen zu den Medien. Ein interessantes Detail im Ländervergleich: Ein Drittel der Schweizer vertraut primär der Regierung, ein Viertel der Lebensmittelindustrie. Auf die Informationen von Medien und Handel vertrauen im Krisenfall jeweils 20 Prozent.

Bioprodukte geniessen laut dieser Umfrage sehr gutes Ansehen. Knapp 40 Prozent der deutschen Konsumenten meinen, dass Bio-Lebensmittel sicherer sind als konventionell hergestellte Produkte. In der Schweiz stimmt dieser Aussage ein knappes Drittel zu, in Österreich sogar mehr als die Hälfte (51 Prozent).

Food-Trends 2020

Gemeinsame Mahlzeiten werden wieder „in! Es gibt noch keine Untersuchungen, dass generell wieder mehr zu Hause gekocht wird, auf jeden Fall ist aber das Bedürfnis erkennbar, das gemeinsame Essen wieder mehr zu zelebrieren, zu mindestens beim Abendessen oder am Wochenende. Das gilt, wie neue Studien zeigen, vor allem für jüngere Menschen, die dem Essen mit Freunden wieder einen hohen Stellenwert einräumen.

Jede Krise hat ihre Folgen und Konsequenzen, die sich beim Ernährungsverhalten eher schleichend als schlagartig zu erkennen geben. Dabei zeigen aktuelle Untersuchungen in den USA wie in Europa, dass Verbraucher in Krisenzeiten nicht bereit sind, bei Essen und Trinken Qualitätsverluste hinzunehmen. Diese ethische Verantwortung sich selbst gegenüber will man nur ungern aufgeben.

Saisonal, artgerecht und naturbelassen sind heute wichtige Argumente – ein Konzept der Bio-Labels.

Darüber hinaus geht bewusste Ernährung zunehmend über die Ausrichtung auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung hinaus. Sie wird zu einer weltanschaulichen Positionierung, die auch die Herkunft und Produktionsmethoden von Lebensmittel einbezieht. Saisonale Produkte, artgerechte Tierhaltung und natur belassene Produkte sind die Stichworte.

Megatrends „Regionalprodukte“ und Wellness-Food

Die wichtigsten Kriterien für die Neudefinition von Qualität sind „frisch“, „regional“ und „handgemacht“. Regionale Produkte entsprechen nicht nur dem Bedürfnis nach Authentizität und Transparenz. Darüber hinaus gilt ihr Vertrieb als umweltschonend und unterstützt die regionale Wertschöpfung.

Die Zeiten sind längst vorbei, als gesunde Ernährung gleichzeitig als fad und langweilig empfunden wurde. Der Schlüssel zu einer gesunden Ernährung ist der Genuss. Wer sich sein Essen selbst zubereitet und dies nicht anderen überlässt, bekommt dadurch eine gewisse Machtposition, die bestimmt, ob und wie gut man isst. Dabei ist der Genuss eine neue Form des Luxus, den man sich gönnt. Hier spielen allerdings Status und Prestige eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr orientiert sich dieser Luxus an authentischen, unkomplizierten und nachvollziehbaren Produkten und Herstellungsweisen. Die Story im Freundes- und Familienkreis über hausgemachte Pasta, gewendet in einem besonderen Olivenöl, wird nun plötzlich interessanter als Gespräche über das neueste Sportwagenmodell. (Text: Messe Düsseldorf)


Foodmessen-Trio InterMopro, InterCool und InterMeat,

vom 12. bis 15. September 2010 in Düsseldorf,
www.intermpro.de
www.intercool.de
www.intermeat.de

Die InterMopro, InterCool und InterMeat 2010 in den Hallen 12 – 17 des Düsseldorfer Messegeländes ist für Fachbesucher vom 12. bis 15. September 2010 täglich von 10 – 18 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 30,- Euro (18 Euro im Online-Vorverkauf (+ Versand)), die 2-Tageskarte 47,– Euro (35 Euro im OVV). Schüler und Studenten zahlen 10,– Euro. Die Tickets beinhalten die kostenlose Hin- und Rückfahrt zur Messe mit öffentlichen Verkehrsmitteln des Verkehrsverbunds-Rhein-Ruhr. (Medienmitteilung Messe Düsseldorf)

Schweizer Vertretung der Messe Düsseldorf:

INTERMESS DÖRGELOH AG

Obere Zäune 16, 8001 Zürich

Tel. 043 244 89 10