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«Wertevernichtung wäre nicht nötig»

Hersteller aus der Lebensmittelwirtschaft sind im Spannungsfeld zwischen Preissenkungen und der Konzentration ihrer Abnehmer. Vier Exponenten nehmen Stellung.

von Alimenta Import

    Bruno Winiger
Hug AG, Malters

Der Eintritt von Harddiscountern bedeutet Chance und Risiko zugleich. Positiv ist sicher, dass die Handelslandschaft mit den neuen Anbietern ­wieder etwas breiter wurde. Negativ wirkte sich die mit dem Eintritt gestartete Preisspirale nach unten aus. Damit wurde eine Wertvernichtung gestartet, welche nicht nötig gewesen wäre.
Vor allem im Biscuitsbereich ist der Druck ge­stiegen. In diesem Segment verfügen die Hard­discounter über ein breites Sortiment.
Es muss uns gelingen, die Werte unserer Markenprodukte zu erhalten und damit einen fairen Preis zu realisieren. Nur so können wir den Produk­tionsstandort Schweiz langfristig sichern.

Wir müssen wieder davon wegkommen, nur über den Preis zu sprechen. Ziel muss sein, gemeinsam die Bedürfnisse der Konsumenten zu erkennen und die Produkte attraktiv zu vermarkten.

    Armin Roos
Schweizer ­Rheinsalinen AG

Ich sehe dies als Chance, da sich neue Marktteilnehmer nebst dem Grundsortiment mit eigenen Spezialitäten von den andern abheben können.
Das 1-kg-JuraSel mit Jod und Fluor kostet im Handel seit dem Markteintritt von Lidl bei allen Grossverteilern mit 95 Rappen gleichviel. Mit Spezialitäten wie Meersalzen, Himalaja-Salz usw. kann man eine viel grössere Marge erzielen.
Die höheren Ansprüche an Flexibilität, Schnelligkeit, Qualität und Logistik. Sie wirken einerseits kostentreibend, anderseits fördern sie die stetige Verbesserung und Entwicklung des Unternehmens.
Die Kommunikation und Koordination im Bereich Einkauf und Marketing – oft arbeitet jeder Bereich separat, was für uns Produzenten die ­Zusammenarbeit komplizieren kann. Im Bereich Qualitätsmanagement sollte meines Erachtens der Aufwand bei uns Produzenten für Audits, Berichte, Zertifizierungsvielfalt (ISO 9000, ISO 22000/­ GMP, BRC, IFS usw.) durch gegenseitige Anerkennung von Handels-Standards reduziert ­werden können.

Patrick Kurmann, Rivella. Wir beurteilen dies als Chance. Der Markteintritt und -ausbau durch neue Anbieter wird die Schweizer Detailhandelslandschaft weiter beleben.
Die Rivella AG ist weder im Aldi noch in Lidl mit ihren Produkten vertreten.
Es wird ein weiterer Preiszerfall bei den Endverkaufspreisen geben, dadurch entsteht ein zunehmender Druck auf Produzenten. Den Forderun­gen des Handels nach günstigeren Preisen stehen stetig steigende Produktions- und Rohwarenkos­ten ­gegenüber. Der Druck, weiter zu rationalisieren und Abläufe zu optimieren nimmt noch zu.
Ein Preiskampf bis zum «Es-geht-nicht-mehr» erachten wir als volkswirtschaftlich ungesunde Wertvernichtung, bei der es schliesslich nur Verlierer geben wird (Arbeitsplatzverluste). Es gilt, diese Negativspirale zu stoppen. Gerade Markenartikel geben dem Detailhandel die Möglichkeit, sich zu differenzieren und dem Käufer ein emo­tionales Markenerlebnis zu bieten; sie sorgen für Sicherheit, schaffen Vertrauen und bieten Orientierungshilfen im Alltag. Markenartikel sind oft der Treiber für Innovationen. Zudem verdient der Handel gutes Geld mit ihnen. Dies gilt es wieder vermehrt zu schätzen.

    Johannes Trümpy
Geska AG

Discounter mit einem Sortiment von 2000 bis 3000 Artikel sind eine Chance, sofern die Marke aktiv und stark ist. Hard-Discounter mit kleinem Sortiment bieten keine Chance, da die Marktleis­tung sich nur über den Preis definiert.
Ich kann mir gut vorstellen, unsere Produkte bei Lidl anzubieten. Die Professionalität der Handelspartner ist derjenigen der Markenproduzenten ebenbürtig.
Der «Multichannel-Konsument» wird immer un­berechenbarer und ist extrem vielseitig. In einem breiten und allen Bedürfnissen entsprechenden Angebot (Bio, Ethno, regional, frei von, Discount, Luxus, convenience usw.) liegt der Schlüssel zum Erfolg.
Ein Effizienzpotenzial sehe ich im kontinuierlichen Resultatabgleich und der Erfolgsmessung des laufenden Geschäftsganges und der Promo­tionen im Speziellen.