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Das angespannte Verhältnis zum Handel

Wenn sich die Detailhandelslandschaft verändert, verändert sich auch die Herstellerseite. Der Konzentrationsprozess auf beiden Seiten ist noch lange nicht abgeschlossen.

von Alimenta Import

Die Zeiten haben sich geändert. Nicht wie vor vierzig Jahren, als die ersten TV-Spots über die schwarzweiss Bildschirme flimmerten und die Hersteller von Produkten dann dem Handel grosszügigerweise sagen konnten: «Du darfst es verteilen, dann liefern wir halt.» Schon bald mussten einzelne TV-Spots gestoppt werden, weil die Hersteller nicht mehr liefern konnten.

«Auch kleinere Anbieter kämpfen um
den ­Regal­platz. Dies ist für uns eine Heraus­­forderung.» Barbara Tönz, Coca-Cola
zum Vorwurf der Angebotsübermacht von Coca-Cola.

Heute präsentiert sich die Detailhandelslandschaft ein wenig anders. «Nicht nur die Lis­ting­gebühr war damals ein Fremdwort», sagte Thomas Hochreutener von GfK Switzerland an der schweizerischen Detailhandelstagung in Horgen. «Das Verhältnis Hersteller–Handel hat sich heute grundlegend geändert.» Das Oligopol im Detailhandel gibt den Tarif an. Ebenso sprach vor vierzig Jahren noch niemand von alternativen Verkaufskanälen wie Tankstellenshops, Online-Handel, Fachmärkten, Outlet-Shops oder von Lidl und Aldi.

«Wir möchten mit Aldi und Lidl wachsen, aber primär mit unseren Produkten wie
Caffè Latte.» Marc Heim, Emmi
.

Heute liegen die Anteile der Discounter in ­Europa bei 45%. In der Schweiz werden die beiden Discounter, wenn sie ihre angestrebte Anzahl von je 200 Filialen erreicht haben, 2,5 Milliarden Umsatz (5%) vom 50 Milliarden Franken schweren Lebensmittelhandelsumsatz erreichen. Die Konzentration auf der Handelsseite führt weiterhin auch zu einer Konzentration auf der Produktionsseite.

«Durch die starke Zuwanderung in die Schweiz werden die Läden nicht ­erkannt, wohl aber die internationalen Marken­produkte.» Etienne Schüpfer, Mars.

Die Detailhandelslandschaft bewegt sich immer noch sehr stark und wird von den Verschärfungen im Wettbewerb und dem damit ­verbundenen Aufbau von Eigenmarken, den Preissenkungen usw. getrieben. Diese Veränderungen betreffen den Handel sowie die Industrie und somit auch die Kooperationen dieser Partner untereinander. Die Frage, ob beispielsweise internationale Konzerne noch Niederlassungen in der Schweiz brauchen, stellt sich. 

«Wir sollten uns alle freuen, dass man
in der Schweiz noch Geld verdienen kann.»
Mathias Adank, Zweifel.

Die Beziehung zwischen Handel- und Industriepartnern in der Schweiz wird von einem ständigen Auf und Ab geprägt. Am Detailhandelsforum sprachen Exponenten aus der Lebensmittelwirtschaft über die Beziehungen zum Handel und zum Konsumenten.