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Klosterdorf plant Regionalmolkerei

Im Jahr 2008 lancierte der Regional-Entwicklungsverband Einsiedeln ein vom Bund unterstütztes, branchenübergreifendes Projekt zur Milchver­arbeitung. Ziel ist es, das Vermarktungspotenzial der Region zu nützen.

von Alimenta Import

Klaus Korner vom Regional-Entwicklungs­verband (REV) Einsiedeln SZ hat mit seinem Team ein Projekt lanciert, das zum Ziel hat, Milch regional zu verarbeiten und zu verkaufen. Zum einen soll dadurch der Strukturwandel in der Landwirtschaft vorangetrieben werden und zum anderen sollen wertvolle Arbeitsplätze in der Region entstehen. Der REV unterstützt die drei Projektgruppen durch ­finanzielle Beiträge in der Planungs- und ­Realisierungsphase sowie in administrativen ­Aufgaben. «Der Weg ist noch lang, und es gibt noch einige Steine, welche aus dem Weg zu räumen sind. Die Chancen für eine erfolgreiche Realisierung des Projektes sind jedoch sehr gross», sagt Korner.
Die Projektgruppe, die seit gut zwei Jahren damit beschäftigt ist, in Einsiedeln eine Milchverarbeitungsstätte aufzubauen, wird von René Schönbächler geleitet. Im Rahmen seines Agronomiestudiums an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen verfasste er eine Diplomarbeit zu diesem Thema. Seine Motivation, so viel Zeit in dieses Projekt zu investieren, ist das grosse Vermarktungspotenzial, welches die Region Einsiedeln bietet: «Eine eigene Milchverarbeitung in Einsiedeln ist der einzige Weg, um hier nachhaltig Milch zu produzieren.» Wenn alles nach Plan läuft, sollten ab dem Jahr 2011 die ersten Einsiedler Milchprodukte auf den Markt kommen.

Erstklassige Regioprodukte
Um das grosse Potenzial von mehr als 2 Mil­lio­nen Tagestouristen, die jedes Jahr nach ­Einsiedeln strömen, zu nutzen, möchte die Projektgruppe an einem gut frequentierten Ort eine Schaumolkerei einrichten. Zur Veranschaulichung für die Besucher sollen dereinst Frischkäse und weitere Käsespezialiäten produziert und im angrenzenden Verkaufs­lokal mit Restaurant den Besuchern zum Kauf angeboten werden. Mit qualitativ hochstehenden Produkten aus Rohmilch möchte man sich im oberen Preissegment im Markt posi­tionieren.
Neben den Touristen möchte man die Pro­dukte sowohl in der Region Einsiedeln als auch in der Region Zürich vermarkten. Verschiedene Detailhändler zeigen bereits heute gros­ses Interesse an Einsiedler Milchproduk­ten.

Kein Schnellschuss

Dass der Schweizer Milchmarkt momentan gesättigt ist und der Platz in den Verkaufsregalen entsprechend begehrt, dessen ist sich das Team um Schönbächler bewusst. «Wir wollen nichts überstürzen. Bei diesem Projekt geht es nicht darum, wegen des schlechten Milchpreises so schnell wie möglich die Milch selber zu verarbeiten, sondern ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen auf die Beine zu stellen.» Dies ist mit ein Grund dafür, weshalb man schon seit geraumer Zeit «nur» mit der Planung beschäftigt ist. Man dürfe es sich nicht erlauben, aufgrund ungenauer Recherchen und Kompromisslösungen vorschnell eine Firma aufbauen zu wollen, geht es doch um zu viel Geld und auch um die Existenz vieler Bauernfamilien in der Region. «Wir werden erst mit dem Bau der neuen Milch­verarbeitungsanlage beginnen, wenn wir uns 100-prozentig sicher sind, dass sie erfolgreich sein wird.»

Standortsuche als Knackpunkt
Egal mit wem er über dieses Projekt ge­sprochen habe, die ersten Reaktionen seien durchwegs sehr positiv ausgefallen, sagt Schönbächler. Deshalb ist es für einige Mitglieder des Projektteams momentan besonders schwierig zu akzeptieren, dass es an einem ganz wichtigen Ort immer noch nicht vorwärts geht. «Wir suchen immer noch einen geeigneten Standort.» Laut Schönbächler sollte sich diese Frage jedoch in den nächsten Mo­naten klären.
Insbesondere die Tatsache, dass die dorf­eigene Molkerei vor zehn Jahren den Betrieb eingestellt hat, führt in Einsiedeln zu Gesprächsstoff. «Wir müssen nach vorne schauen und uns im sich öffnenden Agrarmarkt positionieren», ist Schönbächler überzeugt. Der Mehrwert, welcher mit Bergmilchspezialitäten am Markt realisiert werden kann, soll die Milchproduktion in Einsiedeln nachhaltig stärken.

Produktionsleiter gesucht

Auch wenn noch nicht absehbar ist, wann mit dem Bau der Anlage begonnen werden kann, ist die Projektgruppe bereits auf Personalsuche. Nebst innovativen Landwirten beteiligt sich mit Aegidius Birchler auch ein gelernter Molkerist an der Planung. Nichtsdestotrotz
ist zusätzliches Fachwissen, insbesondere im ­Käsereibereich, willkommen: «Wir suchen ­jemanden, der bereit ist, schon jetzt Zeit in das Projekt investieren zu wollen, um seinen zukünftigen Arbeitsplatz mitzugestalten», sagt Projektleiter Schönbächler.
Kontakt: rene.schoenbaechler@gmail.com