Datum: Branche:

Lesetipp: Schweizer Fleischwirtschaft 2009

von Foodaktuell Importer


Standortbestimmung von Proviande



Die tierische Produktion besitzt in der Erzeugung landwirtschaftlicher Güter
eine wichtige Position. Bild: Mutterkuhherde im St.Gallerland.

Proviande hat kürzlich den jährlichen Bericht «Der Fleischmarkt im Überblick 2009» herausgegeben. Er enthält Textinformationen und einen ausführlichen Tabellenteil, oft mit Mehrjahresvergleich. Themen: Konsum privat und Ausserhaus, Preisentwicklung, Inlandproduktion, Aussenhandel.

Broschüre A4, 68 Seiten

25 Franken

bestellen bei Proviande, Tel 031 309 41 11, mike.schneider@proviande.ch
www.proviande.ch

foodaktuell.ch präsentiert eine Leseprobe:

Gesamtschweizerisch
wurden mit Tierproduktion auf Stufe Landwirtschaft 5,1 Mrd.
Franken erwirtschaftet. Dies entspricht fast der
Hälfte des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswertes
von total 10,7 Mrd. Franken. Verglichen
mit dem starken Vorjahr entspricht dieser Wert einem
Minus von rund 9%. Die tierische Produktion
teilte sich hauptsächlich auf in die Fleischproduktion
mit 50,8% und die Milcherzeugung mit 45,2%.
Die Produktion von Fleisch war somit erneut der
wichtigste Produktionszweig.

Der Fleischumsatz im Detailhandel ist in den letzten
Jahren stetig angestiegen. Im Jahr 2008 erreichte er
die Marke von 5,6 Mrd. Franken.3 Mit rund 25 000
beschäftigten Personen ist die Fleischwirtschaft
gleichzeitig ein wichtiger Arbeitgeber. Mit einer Produktion
von rund 450 000 Tonnen Fleisch verwertet
die schweizerische Fleischwirtschaft einen Grossteil
der in der Schweiz produzierten Tiere.

2.1.1 Gesamtkonsum

Der Fleischkonsum bekam die Finanzkrise, welche
2009 weltweit die Konsumentenstimmung prägte,
ebenfalls zu spüren. Die Gesamtmenge an konsumiertem
Fleisch, berechnet als Menge verkaufsfertiges
Fleisch, ging um 1,0% zurück. Beim preislich
teureren Kalbfleisch wurde dabei eine Zunahme von
4,6% verzeichnet. Hingegen sanken die Mengen
an Rindfleisch (–1,9%) und Schweinefleisch
(–1,0%).

Der Geflügelfleischkonsum blieb unverändert.
Der gesamte Fleischkonsum pro Kopf sank
um 1,8% von 53,35 kg auf 52,38 kg, womit der steigende
Trend der letzten Jahre gebrochen wurde.
Der Inlandanteil war in allen Kategorien grösser als
im Vorjahr. Besonders gestiegen ist der Anteil der
einheimischen Produktion beim Rind- und beim
Kalbfleisch, denn hier war die inländische Produktion
2008 sehr tief. Beim Kalbfleisch stammten 2009
mehr als 98% aus inländischer Produktion, beim
Rindfleisch 85,4% gegenüber 80,8% im Jahr zuvor.

2.2.1 Preisentwicklung von Fleischprodukten

Der Rückgang des Gesamtkonsums 2009 erfolgte
trotz zum Teil sinkender Konsumentenpreise. Der
Preistrend an der Ladenfront zeigte in den letzten
Jahren tendenziell nach oben, 2009 wurde diese
Entwicklung gebrochen. Der Landesindex der Konsumentenpreise
(LIK) für Nahrungsmittel war um
0,3% tiefer als im Vorjahr, Fleisch sank um 0,6%.
Dieser Rückgang beim Fleisch wurde vor allem vom
Schweinefleisch (–3%), vom Rindfleisch (–0,9%)
und vom Geflügel (–0,7%) verursacht.



Diagramm: Fleischpreis-Entwicklung 2005 bis 2009 (Dezember 2005 = 100)

Der Warenkorb,
der für den LIK verwendet wird, berücksichtigt
die Einkäufe von Nahrungsmitteln mit 10%. Dabei
ist der Anteil von Fleisch mit 2,5% am grössten.
Das Preisniveau war nicht nur beim Endverbraucher,
sondern entlang der ganzen Wertschöpfungskette
unter dem Niveau des Vorjahres. Verglichen
mit den tiefen Zahlen von 2008 war das Inlandangebot
an Rindvieh und Schweinen im Berichtsjahr
grösser und als Folge davon waren die Produzentenpreise
um durchschnittlich 9,5% (MT T3) beziehungsweise
13,3% tiefer.

Die günstigeren Rohmaterialpreise wurden entlang
der Wertschöpfungskette teilweise weitergegeben,
womit auch die Konsumentenpreise unter dem Vorjahr
zu liegen kamen. Jedoch vermochte dieser
Rückgang den Konsum nur teilweise zu beleben.
Einzig beim sehr preissensiblen Kalbfleisch wurde
der Markt überdurchschnittlich angekurbelt und der
Pro-Kopf-Konsum stieg um 3,5%.

3.2.1 Kalbfleischqualität

Eine Analyse der Fleischigkeit bei den Bankkälbern
zeigt, dass im Berichtsjahr der Trend hin zu mehr
A- und X-Kälbern auf Kosten der H- und T+-Kälber
gebrochen wurde. Diese neue Entwicklung kommt
den Wünschen der Metzger entgegen, welche Tiere
in den Fleischigkeitsklassen T und höher wünschen.
Im Gegensatz dazu besteht beim Kalbfleischmarkt
nach wie vor die Problematik, dass für die Kälbermast
je länger, je weniger Gebrauchskreuzungen
mit Fleischgenetik zur Verfügung stehen.

Zwar nehmen
die Gebrauchskreuzungen mit M-Stieren zu,
diese Tränkekälber mit guten Masteigenschaften
finden jedoch vorwiegend Verwendung in der
Grossviehmast. Die Qualitätsprobleme werden verstärkt
durch die zunehmenden Preisschwankungen.
Diese führen zu Spekulationen bei den Produzenten
und es gelangen je nach Situation zu
schwere oder noch nicht schlachtreife Tiere auf den
Markt.

3.2.2 Milchgenetik versus Fleischigkeit

Die Spezialisierung der Rindviehrassen in Richtung
Milch beziehungsweise Fleisch schreitet weiter voran.
Der Grossteil der Schweizer Kühe wird nach wie
vor für die Milchproduktion gehalten und demzufolge
auch in diese Richtung weitergezüchtet. Durch
den wachsenden Anteil an milchbetonten Rassen
nimmt die Fleischigkeit der abgehenden Kühe, aber
auch die Masteignung der Kälber ab. Der erneute
Anstieg der Kühe mit Fleischigkeitsklasse X macht
dies deutlich.

Holstein, eine milchbetonte Rasse mit geringer Fleischigkeit

Auch die Spezialisierung in Richtung Fleischproduktion
nimmt zu und somit ist auch der Anteil an
C- und H-Kühen gestiegen. Mengenmässig fallen
diese Kategorien bei den Schlachtkühen aber nur
beschränkt ins Gewicht. Etwas anders sieht es
beim Bankvieh aus. Durch die deutliche Zunahme
der Mutterkuhbestände und der Gebrauchskreuzungen
hat sich die Fleischigkeit weiter verbessert,
der Anteil an C-Tieren hat deutlich zugenommen.

Bei Schlachttieren der Kategorie X ist das Verhältnis
von Arbeit zu Ertrag für den schlachtenden Betrieb
weniger attraktiv. Gleichzeitig ist der Schlachterlös
für den Produzenten kleiner. Eine Optimierung der
Milchgenetik (standortangepasste Kühe, die auch
über eine gewisse Bemuskelung verfügen) könnte
daher die Wirtschaftlichkeit der Rindviehproduktion
entlang der ganzen Produktionskette verbessern.

4.3.1 Importe

Die schweizerische Landwirtschaft kann durch ihre
Produktion die Konsumentenbedürfnisse nicht vollständig
decken. Dies ist einerseits ein mengenmässiges
Problem, andererseits werden in der Schweiz
anteilsmässig viele Edelstücke konsumiert. Das erklärt
die Zunahme der Importe an Nierstücken und
High-Quality-Beef trotz des allgemeinen Importrückgangs.
Da im Vergleich zum Vorjahr die Importe von Kuhhälften
mit 4696 Tonnen brutto (–63%) wieder auf
das Niveau von 2007 sanken, gingen auch die Gesamteinfuhren
von nicht ausgebeintem Rindfleisch
um 62% zurück.

Würzfleisch aus Holland: Kalbsfilet mit ganzen Pfefferkörnern

Für Diskussionen sorgten die Importe
von gewürztem Fleisch unter der Tarifnummer
1602.5099. Diese Position zeigte in den letzten Jahren
eine starke Zunahme und kam 2009 auf einen
Wert von 1096 Tonnen netto (2008: 642 Tonnen netto).
Davon waren im Berichtsjahr 370 Tonnen
Frischfleisch (2008: 400 Tonnen, 2007: 570 Tonnen),
die restliche Menge entfällt auf andere Zubereitungen
(Rindfleischkonserven, Pâtés, Terrinen, Fleischgranulat
und dergleichen).

4.3.2 Exporte

Auch 2009 erschwerten die administrativen Hürden
den Export von Wurstwaren in die EU im Rahmen
des Nullzollkontingents (Nr. 09.4180). Die effektiv
exportierte Menge im Vorjahr betrug lediglich 17,7
Tonnen. Für das Berichtsjahr beliefen sich die beantragten
Lizenzen für den Export von Schweizer Produkten
innerhalb dieses Kontingents auf 44 Tonnen. Diese sind somit zwar 13% höher als 2008, die maximal
mögliche Menge von 1900 Tonnen wurde jedoch
bei Weitem nicht erreicht.

Ein Teil der Hürden
konnte im Verlaufe des Jahres durch neue Verhandlungen
abgebaut werden. So wird das Kontingent
ab 1.1.2010 nach der Reihenfolge der Verzollung
zugeteilt und es wird künftig lediglich noch ein Ursprungsnachweis
für den Export innerhalb dieses
Kontingentes benötigt. (Text: aus der Broschüre Proviande-Fleischmarkt 2009)