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Schweizer Glace im Trend

Gegen die Hitze hilft Glace. Die Hersteller verzeichnen Rekordverkäufe – und setzen vermehrt auf Schweizer Rohstoffe.

von Foodaktuell Importer

Wenn bei grosser Hitze Glace schlecken allein nicht mehr reicht, hilft nur noch Abkühlung im Wasser. Schon ein Fussbad bis zu den Knien wirkt Wunder wie hier in der Aare mitten in der Altstadt von Thun.

Der Sommer heizt, die Schweiz schmachtet – und die Glaceproduzenten jubeln. Glacestengel und Cornets in der Badi, geeiste Desserts im Restaurant und zu Hause sind bei diesen Temperaturen gefragt wie nie. “Im Moment läuft es unglaublich, wir sind alle sehr beschäftigt”, sagt Alexandre Carrel, Marketingleiter bei der Nestlé-Tochter Frisco. Derzeit sei man sehr gut auf Kurs, Jahresrekordverkäufe wie im Jahrhundertsommer 2003 seien trotz des kalten und nassen Frühlings noch möglich. “Aber das Wetter kann natürlich jederzeit wieder alles ändern”.

Hitziger Kampf um Markanteile

Das Geschäft mit den kühlen Köstlichkeiten ist ein hitziges. Hinter den Kulissen kämpfen zwei grosse Konzerne und eine Reihe von kleineren Playern verbissen um Marktanteile in einem gesättigten Markt – der Konsum liegt seit Jahren bei rund 48 Millionen Liter Glace. Unilever mit den Marken Lusso und neu auch Ben & Jerry’s sowie Nestlé mit den Marken Frisco und Mövenpick dominieren den Markt mit je rund einem Drittel Marktanteil. Vor allem das so genannte Impulsgeschäft an Kiosken und in Badeanstalten ist fast ganz in der Hand der zwei Grossen.

Milchverarbeiter Emmi mischt seit 2006 mit einer eigenen Marke im Glacemarkt mit. Marketingleiter Christian Beck ist mit der aktuellen Entwicklung zufrieden. Vor allem in der Gastronomie verzeichne Emmi grossen Zuwachs an Neukunden und weise nun bereits einen Marktanteil im zweistelligen Prozentbereich auf, sagt er. Auch im Detailhandel ist Emmi mit Bidons, Cornets und Lutschern vertreten. Emmi produziert auch einen grossen Teil der Eigenmarken der grossen Detailhändler.




Die Glaceproduktion läuft auf Hochtouren – hier bei Emmi in Ostermundigen BE. (Bild zvg)
Emmi stellt dort weitere Produkte im Lohn für Unilever, Nestlé und Coop her. Der Anlass für Emmi, mit einer eigenen Marke ins Glacegeschäft einzusteigen, lag am Entscheid von Unilever, den grössten Teil der in der Schweiz verkauften Glacen, zum Beispiel Magnum, nicht mehr bei Emmi in Ostermundigen BE produzieren zu lassen, sondern in eigenen Glacefabriken in der EU.

Während der Aufbauphase sei man natürlich besonders euphorisch, sagt Beck. Der Markt sei “pickelhart”. Dazu gehöre auch, dass Kunden wieder abspringen. Mit einer Optimierung des Vertriebsnetzes und einer Ausweitung des Angebots um ein Kindersortiment – im Glacemarkt ein entscheidendes Segment – habe man aber in der Gastronomie einen guten Stand.

Schweizer Herkunft wird wichtiger

Emmi setzt beim Glace-Sortiment auf Swissness – der Rohstoff Schweizer Milch ist ein wichtiges Verkaufsargument. Darauf hat auch die Konkurrenz reagiert: Nestlé verkauft die Rahmglace neu unter dem Namen “all natural” und mit einem Schweizerkreuz. “Das bedeutet, dass nur natürliche Rohstoffe enthalten sind, und dass 100 Prozent Schweizer Milch drin ist”, sagt Carrel. Es würden auch neunzig Prozent aller Nestlé-Glacen in der Schweiz hergestellt.


Nestlé produziert in Rorschach nicht nur die Glacemarken Frisco sowie Imperial sondern seit einigen Jahren auch Mövenpick – nach Originalrezepten. Die Migros produziert ebenfalls Glace industriell in der Schweiz d.h. die Marke «Crème d’Or» und «i gelati» bei der Migrostochter Midor in Meilen ZH. Auch Giolito in Bern ist Mitglied beim Verband Schweizerischer Glace- und Eiscream-Fabrikanten, der zur fial gehört, importiert aber die gleichnamige Glace aus Italien. Und bei den grossgewerblichen Herstellern ist wohl Mister Cool der grösste, der in Zuchwil SO produziert, auch im Lohn für andere, aber auch importiert.

Schweizer Rahm statt Pflanzenfett – das bedeutet auch, dass der Rohstoff teurer ist. Bis vor zwei Jahren wurde der Rahm für die Glaceproduktion verbilligt, zuerst mit Staatsbeiträgen und dann mit Geldern der Dachorganisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Christian Beck von Emmi glaubt aber an den Rohstoff Schweizer Milch. Dessen Verwendung sei ein Bekenntnis zum Standort Schweiz und zu den damit verbundenen Arbeitsplätzen im bernischen Ostermundigen. Nestlé-Mann Carrell erklärt, der Anteil der Rohstoffkosten sei bei Glace nicht derart hoch, dass der teurere Rahm stark ins Gewicht falle. (Text: LID / Roland Wyss-Aerni)

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