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Agrarmärkte werden nervös wegen Hitzewelle

Die Hitzewelle der vergangenen Wochen hat an den Agrarmärkten für Unruhe gesorgt. Hohe Temperaturen und geringe Niederschläge beeinflussen Angebot und Nachfrage.

von Foodaktuell Importer




Bei den Bauern wächst mit jedem Hitzetag die Sorge über die Getreide- und Kartoffelernte, vor allem wenn keine Bewässerung möglich ist. Bei Gemüse drohen Ernteausfälle. Bei den Schweinen sinkt das Schlachtgewicht, weil sie weniger Speck ansetzen. Auf der Nachfrageseite lassen sich die Auswirkungen der hohen Temperaturen gut bei Frischobst beobachten. So stiegen die Einkäufe von Melonen, während bei Äpfeln ein Minus zu verzeichnen ist.

16.07.2010 – (lid) – Die derzeitige Hitzewelle setzt dem Schweizer Gemüse zu. Besonders schlimm für die Pflanzen sind die heissen Nächte. Im Seeland herrscht seit bald einem Monat Hitze und Trockenheit. Dank dem hohen Grundwasserspiegel ist für die Seeländer Bauern genügend Wasser vorhanden und die Trockenheit somit kein Problem, wie Hans-Peter Kocher vom Inforama Seeland gegenüber dem LID sagt.

Ein Problem stellt aber die grosse Hitze dar. Insbesondere, dass es in den Nächten kaum abkühlt, ist für viele Gemüsearten problematisch. Die Pflanzen können sich dadurch nicht erholen und beginnen teilweise zu blühen. Besonders davon betroffen seien im Seeland Broccoli, Fenchel und Lauch, sagt Kocher weiter. Dies führt zu Ernteausfällen.

Auch Landwirte, welche für den Herbst Spinat aussäen wollen, sind von der Hitze betroffen, weil beim aktuellen Klima die Samen nicht keimen können. Auch in der Ostschweiz setzt die Hitze dem Gemüse zu. “Mit den Temperaturen über 32 Grad entwickeln sich die Pflanzen rückwärts, am schlimmsten sind die Tropennächte” sagt Peter Konrad, Leiter der Fachstelle für Gemüse- und Beerenbau am LBBZ Arenenberg. Besonders problematisch sei dieses Jahr der schnelle Wechsel von feuchtem und kaltem Wetter zu Hitze und Trockenheit gewesen, so Konrad weiter.

Neben dem Gemüse sind auch Beeren von der Hitze betroffen. Viele Himbeeren sind verkümmert, die Qualität der geernteten Beeren ist hingegen trotz Hitze gut. Pflanzenkulturen in Gewächs- und Folienhäusern werden teilweise mit Hagelschutznetzen abgedeckt, um die Hitze in den Häusern zu vermindern.

Aber auch die Arbeiter auf den Betrieben litten unter den Temperaturen, betont Konrad. So sei einerseits für die Bewässerung viel Arbeit nötig, andererseits verursache diese auch laufende Kosten. “Dank der Investitionen in die Bewässerung und der hervorragenden Arbeit und dem Einsatz der Bauern kann der Markt mit Gemüse und Beeren dennoch genügend versorgt werden” so Peter Konrad.

Schweine setzen weniger Speck an

Bonn, 16. Juli 2010 – (AMI) – Die heissen Sommertemperaturen machen Mensch und Tier zu
schaffen. Spurlos geht die Hitzewelle auch an
den Schweinen nicht vorüber. Wie den Verbrauchern, vergeht auch ihnen in drückender Schwüle die Lust auf Essen. Sie
setzen weniger Speck an und kommen leichter zur Schlachtung. Ganz ausgeprägt sind diese
Gewichtsschwankungen in Spanien, wo zwischen Winter und Sommerschwein bis zu fünf
Kilogramm Differenz liegen können.

In der gemässigteren Klimazone sind die
Unterschiede nicht so gross. Zu Jahresbeginn lagen die durchschnittlichen Schlachtgewichte
bei 95,5 Kilogramm, momentan liegen sie etwas oberhalb von 94 Kilogramm. In den
vergangenen Wochen verloren die Schweine von Woche zu Woche rund 200 Gramm, so
dass bei anhaltend hohen Temperaturen davon auszugehen ist, dass die Schlachtgewichte
noch unter die Marke von 94 Kilogramm sinken werden.

Die Entwicklung des Schlachtgewichtes hat Einfluss auf das Marktgeschehen, denn
zusammen mit der angebotenen Stückzahl bestimmt sie das Angebot. Und davon gab es in
den letzten Wochen mehr als genug, denn die Verbraucher haben wegen der hohen
Temperaturen oder Urlaubsreisen weniger Schweinefleisch gekauft. Nun hofft die
Erzeugerseite auf ein rückläufiges Angebot, damit der zuletzt sinkende Schweinepreis
wieder steigen kann.

Chancen auf ausreichende Kartoffelernte schwinden

Bonn, 16. Juli 2010 – (AMI) Mit jedem Hitzetag sinkt die Hoffnung der Landwirte eine
ausreichende Kartoffelernte in diesem Jahr einzufahren. Auch die regionalen Niederschläge
führten in dieser Woche zu keiner Entspannung am Kartoffelmarkt, da die
Hauptanbaugebiete in Niedersachsen und Bayern, aber auch der Nordosten Deutschlands,
erneut so gut wie leer ausgingen. Einige Speisesorten der Haupternte brechen vor allem auf
leichten benachteiligten Standorten wegen Hitze, Trockenheit und Sturmschäden bereits
zusammen.

Ausfälle sind sicher, sie zu quantifizieren fällt allerdings noch schwer.
Insgesamt ist die diesjährige Haupternte zwar im Wachstum zurück, steht aber in vielen
Regionen immer noch lebendig mit oftmals hoher Knollenanzahl je Staude da. Probleme
gibt es bei hitzeempfindlichen Sorten wie Bintje, die durchwächst. Die Gefahr von glasigen
Knollen droht. Allerdings stellen solche Sorten nicht oder nicht mehr das Hauptangebot in
Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Die übrigen Sorten könnten bei einem
Wetterwechsel in den nächsten zehn Tagen noch zu normalen bis sogar guten Erträgen
heranwachsen, so die Einschätzung einiger Verarbeiter und auch Landwirte.

Hitziger Start in die neue Getreidesaison

Bonn, 16. Juli 2010 – (AMI) Am Getreidemarkt hat die Hitzewelle der vergangenen Wochen
für Unruhe gesorgt. Während Gerste die hohen Temperaturen und Trockenheit noch
vergleichsweise gut überstanden hat, sorgen sich die Landwirte um die späteren Kulturen
Weizen, Sommergerste und Mais. Hier haben die Hinweise auf gravierende Trockenschäden
in den vergangenen Tagen eine Preisrallye ausgelöst. Die Ernte von Wintergerste ist in Deutschland im vollem Gange.

Die Hektolitergewichte
bewegen sich ersten Ergebnissen zufolge meist in einem Bereich von 62 bis 65 Kilogramm je
Hektoliter, sind also durchaus zufriedenstellend. Nur auf den leichten Böden, wo die
Pflanzen besonders unter der Trockenheit gelitten haben, fallen die Qualitäten deutlich ab.
Dort sind die Landwirte auch von den Erträgen enttäuscht. Insgesamt dürften sich die
Erträge jedoch leicht über dem langjährigen Mittel einpendeln.

Während die Wintergerste in puncto Menge und Qualität also noch einmal mit einem
„blauen Auge“ davon gekommen sein dürfte, bewirkten Trockenheit und hohe
Temperaturen bei den späteren Kulturen oftmals eine ungewöhnlich kurze
Kornfüllungsphase – mit der Folge, dass die Körner kleiner blieben und in kürzester Zeit
abreiften. Die Sorge der Landwirte gilt dabei insbesondere dem Weizen, der Sommergerste
sowie dem Mais. So deuten sich auf leichten Standorten oft bereits deutliche Verluste an
und auch auf den besseren Böden zeigen die Kulturen bereits erste Trockenschäden. Mit
Spannung werden daher die ersten Ergebnisse des Weizendruschs erwartet, der in den
kommenden Tagen in den Frühgebieten Fahrt aufnehmen wird.

Die Hinweise auf gravierende Ertrags‐ und Qualitätseinbussen haben die Getreidepreise in
den vergangenen Wochen kräftig nach oben getrieben, zumal auch aus Frankreich,
Osteuropa und den Schwarzmeerländern Hinweise auf erhebliche Trockenschäden
kommen. Am Pariser Terminmarkt „explodierten“ die Weizenkurse in den vergangenen
Tagen regelrecht: Die vordere November‐Position legte in der ersten Julihälfte um fast 30
Euro auf knapp 177 Euro je Tonne zu. Von diesen Hausse‐Signalen profitieren auch die
hiesigen Landwirte – die Erzeugerpreise legten ebenfalls kräftig zu.

Hitze bremst Äpfel und Bananen, dafür sind Melonen gefragt

Bonn, 16. Juli 2010 – (AMI) Hohe Temperaturen beeinflussen auf den Agrarmärkten nicht
nur das Angebot sondern auch die Nachfrage. Besonders gut lässt sich dies in diesen
Wochen bei Frischobst beobachten. So ist die Nachfrage nach Melonen – insbesondere
nach Wassermelonen – kräftig gestiegen. In der ersten Juliwoche stieg der Anteil der Haushalte, die Wassermelonen kauften,
gegenüber dem Durchschnitt der letzten vier Jahre um fast vier Prozentpunkte auf gut elf
Prozent an.

Der Anteil der Zucker‐/Honigmelonenkäufer kletterte gegenüber dem
mehrjährigen Mittel um immerhin zwei Prozentpunkte auf gut sieben Prozent. Gleichzeitig
ging der Anteil der Apfelkäufer gegenüber dem langjährigen Mittel um gut 4 Prozentpunkte
auf knapp 19 Prozent zurück, der Anteil der Bananenkäufer sank sogar um knapp sieben
Prozentpunkte auf knapp 23 Prozent.

Selbst in Zeiten grosser Hitze ist die Temperatur allerdings nicht der einzige Faktor für die
Obstnachfrage. So wurde der Rückgang der Apfelkäufe von einem Anstieg der
Verbraucherpreise begleitet. Dagegen wurde der Anstieg der Käufe von Melonen durch
höhere Preise nur leicht gebremst.

Gegenüber dem Vorjahr – das allerdings durch sehr
niedrige Preise gekennzeichnet war – mussten die Verbraucher für ein Kilogramm
Wassermelonen Anfang Juli mit 0,81 Euro je Kilogramm 0,17 Euro mehr bezahlen, bei
Zucker‐/Honigmelonen waren es mit 1,26 Euro je Kilogramm 0,26 Euro mehr. Bei den
genannten Obstarten hat die Temperatur in Deutschland kurzfristig keinen direkten Einfluss
auf das Angebot, da es sich um Importe (Melonen, Bananen) oder um Lageräpfel handelt. Weitere Informationen: www.marktundpreis.de/fleischwirtschaft.