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WEEKENDNEWS 25. Juli 2010

Europäische Getreidepreise steigen wegen der Hitzewelle an / Impfung gegen Zöliakie in Aussicht / Gentechweizen-Versuch: Tiefere Erträge im Freiland

von Foodaktuell Importer



Emmentaler Käse – vom Subventions-produkt zum Markenartikel: Bilanz nach 10 Jahren.

Europäische Getreidepreise steigen wegen der Hitzewelle an

22.07.2010 – (lid) – Die Preise für Getreide und Kartoffeln sind an den Warenbörsen auf Rekordstände geklettert, weil die Hitzewelle zu Ernteeinbussen führt.
An der Euronext-Börse in Paris stieg der Preis für Getreide-Futures mit 179,50 Euro pro Tonne so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. Grund dafür ist die Hitzewelle. Insbesondere grosse Getreideexporteure in Osteuropa wie Russland, die Ukraine und Kasachstan rechnen wegen der Dürre mit grossen Ernterückgängen. So sinkt der Ertrag in Russland von bis zu 108 Millionen Tonnen in den letzten 2 Jahren auf voraussichtlich 85 Millionen Tonnen.

Bio-Suisse: Martin Riggenbach als neuer Präsident vorgeschlagen

23.07.2010 – (lid) – Der Vorstand von Bio-Suisse schlägt den 49-jährigen Martin Riggenbach als Nachfolger der zurücktretenden Präsidentin Regina Fuhrer vor.
Der Meisterlandwirt Riggenbach führt in Solothurn einen Biohof mit Ackerbau und Mutterkühen, schreibt der Schweizer Bauer auf seiner Onlineplattform. Riggenbach ist Mitbegründer und erster Präsident von Bio Nordwestschweiz. Ob er zum Präsidenten gewählt wird, entscheidet sich an der Delegiertenversammlung im Frühjahr 2011.

Migros setzt auf Schweizer Getreide aus naturnahem Anbau

MGB 23. Juli 2010 – Die Migros kauft ab der nächsten Ernte im 2011 rund
einen Drittel mehr IP-Suisse-Getreide als bisher ein. Damit stärkt
sie den Agrarstandort Schweiz und setzt sich für die Biodiversität
ein. Denn die IP-Suisse-Getreide-Produzenten leisten einen Beitrag
zur Erhaltung der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt.

Die Migros, IP-Suisse und die Schweizerische Vogelwarte Sempach
stehen gemeinsam hinter dem Label TerraSuisse. Die Migros ist die
grösste Abnehmerin von IP-Suisse-Getreide. Ab der nächsten Ernte im
2011 will sie rund einen Drittel mehr Brotweizen beziehen als bisher,
nämlich insgesamt 90’000 Tonnen. Das Getreide wird von der
M-Industrie Jowa zu Broten und Backwaren verarbeitet sowie in der
Migros als Mehl verkauft. “Wir sind stolz darauf, dass die Migros
unsere Leistung anerkennt und nun eine noch grössere Menge an Weizen
aus naturnahem Anbau bestellt”, erklärt Res Stalder, Präsident der
IP-Suisse.

Das IP-Getreide kommt bei den Broten und Backwaren mit dem Label
TerraSuisse zum Einsatz. Zusätzlich wird das Mehl auch für andere
Produkte der Jowa benutzt, mit Ausnahme von M-Budget-, Migros Bio-
und Spezialbroten. “Wir setzen bei unserer Produktion klar auf
qualitativ hochwertige Rohstoffe aus der Schweiz”, erklärt Marcel
Bühlmann, Unternehmensleiter der Jowa.

Hansueli Siber, Leiter Frische MGB, sieht in dem Schritt vor allem
eine Stärkung des Labels TerraSuisse. “Die Produzenten für
TerraSuisse bekennen sich zu einer naturnahen Landwirtschaft und
leisten einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität in
der Schweiz. Dieses Engagement schätzen unsere Kundinnen und Kunden”,
sagt er.

Die Produzenten für TerraSuisse halten sich an die Richtlinien der
IP- Suisse. So verzichten sie im Getreidebau vollständig auf
Fungizide und Insektizide. Ausserdem schaffen sie Lebensräume für
seltene Pflanzen und Wildtiere. Sie lassen zum Beispiel extra Lücken
im Getreidefeld, in denen Feldlerchen nisten können. Oder sie legen
Ökoflächen wie Brachen und Steinhaufen an, von denen Kornblumen,
Insekten und Eidechsen profitieren- um nur einige der zahlreichen
Biodiversitäts-Massnahmen zu nennen.

Impfung gegen Zöliakie in Aussicht

Oxford/Melbourne (pte/22.07.2010/10:30) – Britische und australische Wissenschaftler haben die genaue Ursache für die Immunreaktion, die zu einer Zöliakie führt, entdeckt. Laut dem Team um Bob Anderson vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research http://www.wehi.edu.au sind drei Substanzen verantwortlich: Das Gluten in Weizen, Roggen und Gerste. Damit ist ein neuer Ansatzpunkt für die Entwicklung von Behandlungsmethoden und vielleicht sogar für eine Impfung gefunden. Zöliakie wird durch eine Intoleranz gegen Gluten verursacht, das in Nahrungsmitteln wie Brot, Nudeln und Keksen enthalten ist. Allein in Grossbritannien dürfte laut BBC einer von 100 Menschen betroffen sein. Ein Zusammenhang zwischen Gluten und Zöliakie wurde erstmals vor 60 Jahren hergestellt.

Die Wissenschaft hat seither an der Erforschung des die Krankheit auslösenden Bestandteils gearbeitet. An der aktuellen Studie nahmen 200 Zöliakie-Patienten in Krankenhäusern in Oxford und Melbourne teil. Die Freiwilligen wurden ersucht, Brot, Gersten-Muffins oder gekochte Gerste zu essen. Sechs Tage später wurden Blutproben entnommen, um die Immunreaktion auf Tausende verschiedene Peptide zu testen. In der Folge wurden 90 Peptide identifiziert, die zu einer Immunreaktion führten. Drei erwiesen sich als besonders giftig. Laut Anderson sind diese drei Bestandteile bei den Betroffenen für den Grossteil der Immunreaktionen auf Gluten verantwortlich.

Zöliakie kann mit einer glutenfreien Ernährung in den Griff bekommen werden. Eine derartige Ernährung ist jedoch für die Patienten häufig eine grosse Herausforderung. Fast die Hälfte leidet fünf Jahre nach dem Beginn der Diät immer noch an Schädigungen des Verdauungsapparates. Anderson erklärte, dass ein neuer Therapieansatz bereits entwickelt wird. Mittels Immuntherapie werden Zöliakie-Patienten sehr geringen Mengen der drei toxischen Peptide ausgesetzt. Abstract der Studie in Science Translational Medicine: http://stm.sciencemag.org/content/2/41/41ra51.abstract?sid=8a7a392c-7b45-43a8-a116-92aaf638ecfa (Eliza Hall Institute of Medical Research 22.7.2010)

alpinavera eröffnet Laden auf dem Gotthard mit alpinen Spezialitäten

alpinavera 21.7.2010 – Am letzten Samstag eröffnete der Trägerverein alpinavera auf dem Gotthardpass seinen ersten
eigenen Shop mit Spezialitäten aus dem Berg- und Alpgebiet. Ermöglicht wurde dies durch
die enge Zusammenarbeit mit der Stiftung San Gottardo, dem Progetto San Gottardo und
Noldi Abplanalp, dem Pächter des Hotels und der Restaurants auf dem Gotthardpass. Mutige
und engagierte Lebensmittelverarbeiter aus Uri, Glarus, Graubünden und dem Tessin – alles
Partner von alpinavera – haben die Chance gepackt. Neben den feinen Alp- und Bergprodukten
wie Urner Hauswürste, Alpkäse, Urner Bireweggä oder Birnenbrot werden auch handwerkliche
Produkte von der Initiative „Urner Wolle“ verkauft.

Das Progetto San Gottardo hat einen Infopoint
im Laden und kann die Gäste aus nah und fern über die reizvolle und ursprüngliche Gotthardregion
informieren. Der alpinavera Gotthardladen hat bei guter Witterung jeden Tag von
8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Verkauf ist sehr gut gestartet, so dass der Grossteil der
Lieferanten bereits früher als erwartet nachliefern musste.

Gentechweizen-Versuch: Tiefere Erträge im Freiland

20.07.2010 – (lid) – Freilandversuche haben gezeigt, dass gentechnisch veränderter Weizen im Freiland schlechtere Erträge abwirft als im Gewächshaus.
Der Weizen, welcher mit einem Resistenzgen gegen Mehltau ausgestattet war, warf im Gewächshaus zwar doppelt so viel Ertrag ab wie normaler Weizen, im Freiland kehrte sich das Verhältnis aber teilweise um, schreibt die Bauernzeitung in ihrer Ausgabe vom 16. Juli. So brach der Ertrag um bis zu 56 Prozent ein. Ausserdem wurde der Weizen bis zu 40-mal stärker vom toxischen Mutterkornpilz befallen als die Kontrollpflanzen.

Die Versuchsleitung geht davon aus, dass der GVO-Weizen viel Energie für die Resistenzbildung gegen die Pilzkrankheit Mehltau benötigt und deshalb schlechter auf Umwelteinflüsse wie Trockenheit oder Insektenbefall reagieren kann. Laut den Verfassern der Studie zeigt sich damit, dass sich Resultate aus dem Gewächshaus nicht einfach aufs Freiland übertragen lassen. Die Studie wurde im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen NFP 59 durchgeführt.

Emmentaler vom Subventionsprodukt zum Markenartikel: Bilanz nach 10 Jahren.

Emmentaler Switzerland 21.7.2010 – Über 300‘000 Tonnen Grosslochkäse werden jährlich weltweit verkauft. Bei einem Zehntel davon handelt es sich um den Emmentaler AOC, das Original aus der Schweiz. Bereits zehn Jahre sind es her, seit die Käseunion aufgelöst wurde. Aus ihr entstanden Ende 1999 eigenständige Sortenorganisationen, die sich um die Qualität, die Produktion, die Vermarktung und den Rechtsschutz ihres Produkts kümmern. Eine davon ist Emmentaler Switzerland, die Sortenorganisation des wohl bekanntesten Schweizer Käses, des Emmentaler AOC.

Mit der Auflösung der Käseunion haben sich die Herausforderungen für den Emmentaler AOC schlagartig verändert. Zu Zeiten der Käseunion wurde der Emmentaler AOC immer wieder als Instrument zur Milchabräumung gebraucht: Überschüssige Milch wurde zu Emmentaler verkäst und dieser – staatlich mit bis zu CHF 5.–/kg oder total rund 220 Mio. CHF subventioniert – exportiert. Mit der Auflösung der Käseunion fielen diese Exportsubventionen weg.

Dazu kam 2007 die Herausforderung eines mit der EU liberalisierten Käsemarktes. Die Sortenorganisation entschied sich früh für eine Qualitätsstrategie, die sie seit Jahren konsequent verfeinert. Zu diesem Zweck wurde auf der Grundlage der seit 2006 geschützten Ursprungsbezeichnung Emmentaler AOC in der Branche ein selektives Vertriebssystem geschaffen, das alle Stufen von der Milchproduktion bis zum Verkaufspunkt erfassen soll.

Der Emmentaler AOC hat sich dabei in einem äusserst kompetitiven Umfeld zu behaupten: Als den am meisten exportierte Schweizer Käse – 75 % des Absatzes wird im Ausland erzielt – sieht er sich mit einem stark umkämpften Exportmarkt konfrontiert. Ausländische Grosslochkäse produzieren zu tieferen Preisen und kommen ständig mit neuen Innovationen auf den Markt, weil sie sich an kein AOC-Pflichtenheft binden (müssen). Zudem trifft aktuell die Euro-Schwäche den Emmentaler AOC besonders stark.

Kommt dazu, dass auf Grund eines grossen Milchangebots in der Schweiz ausserhalb der Sortenorganisation immer mehr billige Schweizer Grosslochkäse produziert werden, die als Emmentaler-Anlehnungen und leider z. T. auch Fälschungen auf den Markt kommen. In dieser Hinsicht gibt es aktuell leider noch agrar- und lebensmittelrechtliche Vollzugsschwächen, die in Zusammenarbeit mit dem Bund aber rasch behoben werden sollen.

Emmentaler Switzerland setzt seit jeher auf Swissness: Mit einem Key Visual, welches das Schweizer Kreuz resp. das AOC-Gütesiegel des Emmentaler AOC ins Zentrum rückt und dem Claim «Ein Stück Schweiz», der auf allen Werbemitteln zum Einsatz kommt, wird die Schweizer Qualität transportiert, die international einen überdurchschnittlich guten Ruf geniesst. Die Fokussierung auf das Key Visual geht nun bis zum Verkaufspunkt: Bis Ende 2010 sollen bereits rund 70 % der weltweit verwendeten Emmentaler-Verpackungen vereinheitlicht werden; jeweils 40 % der Verpackung sind für das neue Key-Visual reserviert.

Es gibt nur einen Emmentaler AOC: jenen aus der Schweiz. Der Schutz dieses Namens ist über verschiedene Staatsverträge sichergestellt (neuestens über den noch nicht ratifizierten Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Russland). Soweit es ausländische Emmentaler überhaupt geben darf (z. B. Allgäuer Emmentaler), müssen diese auf ihre Herkunft hinweisen, d.h. sie müssen als Nicht-Schweizer Emmentaler erkennbar sein. Damit ist eine eindeutige Abgrenzung von Emmentaler AOC zur ausländischen Konkurrenz gegeben.
Ob es sich im Zweifelsfalle tatsächlich um das Original aus der Schweiz handelt, soll bereits 2011 bei Verdacht mit Hilfe einer sog. Herkunftsnachweiskultur zweifelsfrei nachgewiesen werden können.