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Coop und ProSpecieRara verlängern Partnerschaft

Zum UNO-Jahr der Biodiversität verlängern Coop und ProSpecieRara die für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit um weitere drei Jahre. PSR-Produkte bleiben ferner bio-zertifiziert.

von Foodaktuell Importer



ProSpecieRara PSR hat in bald 30jähriger Arbeit 1000 Garten- und Ackerpflanzen, 450 Beeren- und 1’800 Obstsorten sowie 26 Nutztierrassen erfasst und gerettet. Bild: alte Gemüsesorten von PSR bei Coop.

Seit 1982 setzt sich die Stiftung ProSpecieRara PSR für gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen ein, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Ziel dieses Engagements ist die Rettung und Erhaltung der biologischen Vielfalt. Schon 1999 hat Coop mit ProSpecieRara einen Partnerschaftsvertrag geschlossen mit dem Ziel, die kulturelle und kulinarische Vielfalt zu fördern und populär zu machen.
Zum UNO-Jahr der Biodiversität wurde diese für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit um weitere drei Jahre verlängert.

An der Expo.02 konnten die Besucherinnen und Besucher der Coop Restaurants erstmals Blaue Schweden-Kartoffeln und Coeur de Boeuf-Tomaten kosten. Diese kulinarischen Raritäten wären ohne den gemeinsamen Einsatz von ProSpecieRara und Coop inzwischen wohl endgültig von der kulturellen Landkarte der Schweiz – und von unseren Speisekarten – verschwunden.

Hinter jeder dieser alten Sorten steckt eine lange Geschichte.
Seit 2002 wurde das Angebot an ProSpecieRara-Gemüse und -Früchten bei Coop kontinuierlich ausgebaut. Rund 30 verschiedene Gemüsesorten sind übers Jahr erhältlich. Aktuell haben verschiedene Tomaten, Zucchetti, Auberginen und Peperoni Hochsaison – perfekt z.B. für eine sommerliche Gemüsepfanne, welche Auge und Gaumen eine Abwechslung bereitet.

Das Baselbieter Röteli ist eine kleine, rote, eiförmige Tomate mit ausgewogenem Aroma und sehr feiner Haut. Zu ProSpecieRara gelangte sie auf Umwegen: 1992 übergab eine Dame aus dem glarnerischen Schwanden einige dieser Früchte an ProSpecieRara. Sie nenne sie «Baselbieter Röteli», denn sie hätte sie von einer Frau aus Liestal /BL, welche sie ihrerseits von einer alten Dame erhalten habe.

Auf diese oder ähnliche Weise gelangen viele der alten Sorten zu ProSpecieRara. Sie werden über Generationen innerhalb einer Familie weiter gegeben und haben von dieser auch ihren familien-internen Namen. Dieser wird, da er sie oft auch äusserlich treffend beschreibt, später zum offiziellen Sortennamen.

Ein Beispiel für eine solche Namensgebung ist die Aubergine «Rotonda bianca sfumata di rosa» – der Name bedeutet übersetzt: «Runde, weisse mit einem Hauch Rosa» und beschreibt präzise das Aussehen dieser Frucht, die nicht nur zart aussieht, sondern auch so schmeckt. Sie hat eine feine Haut, festes Fleisch und nur wenige Samen. Ab Mitte August hat diese Köstlichkeit, die seit 2006 wieder bei Coop erhältlich ist, Saison.

Die Peperoni gelangten bereits im 16. Jahrhundert aus Südamerika nach Europa. Anfangs wurden sie als billige Alternative zum schwarzen Pfeffer in den Hausgärten Osteuropas angebaut. Erst später entstanden die heute bekannten, milden Gemüsepeperoni. Der spitz zulaufende Hornpeperoni stammt aus dem italienischen Raum und ist eine alte Züchtung. In der Form erinnert er an ein Rinderhorn und heisst auf Italienisch entsprechend Corno di bue. Er kann bis zu 30 Zentimeter lang werden, ist dunkelgrün und rot ausreifend. Er ist mild, recht saftig und bei Vollreife aromatisch und süss.

ProSpecieRara hat in bald 30jähriger Arbeit 1000 Garten- und Ackerpflanzen, 450 Beeren- und 1’800 Obstsorten sowie 26 Nutztierrassen erfasst und gerettet. Nach der wissenschaftlichen Erfassung werden die aufgefundenen Sorten von Privatpersonen in ihren Gärten angebaut und so für künftige Generationen erhalten. Oder eben in grösserem Stil angebaut und bei Coop einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

All diese seltenen und im Anbau nach Bio Suisse-Vorgaben oft anspruchsvollen Sorten zu kultivieren, erfordert Knowhow: In einem ersten Jahr wird auf einer Kleinstfläche ProSpecie-Rara-Saatgut ausgesät, um erste Erfahrungen zu sammeln. Überzeugt die rare Gemüsesorte kulinarisch und optisch, wird das Gemüse im Folgejahr auf mehreren Hektaren angebaut.

Nun zeigt sich, ob die Sorte allen Anforderung in punkto Anbau, Lagerung und Transport gerecht wird und vor allem, ob die Kunden die neue Sorte akzeptieren. Dieser Entwicklungsweg birgt nebst dem Witterungsrisiko weitere zum Teil nicht vorhersehbare Risiken und eine Ernte kann möglicherweise unverschuldet nicht eingefahren werden. Um solche Ausfälle zu kompensieren, steht seit Anfang Jahr ein Entwicklungsfonds zur Verfügung. Dieser Entwicklungsfonds wird von allen involvierten Parteien solidarisch getragen und geäufnet.

Bis ein ProSpecieRara-Gemüse in grösserem Stil bei Coop angeboten werden kann, steckt viel Arbeit drin. Doch es ist wichtig, dass diese Sorten trotz allen Herausforderungen in die Läden kommen, denn dies sichert die Vielfalt am nachhaltigsten. Die Nachfrage und der kommerzielle Erfolg retten die raren Sorten am Wirksamsten vor dem Vergessen.

Weil ProSpecieRara-Gemüse nicht nur rar, sondern auch in Bio-Qualität sind, müssen sie für den Verkauf grösstenteils verpackt sein (oder im Offenverkauf einzeln mit einem Kleber ausgezeichnet werden). Dies ist notwendig, um die Bio-Produkte klar von den konventionellen zu trennen, so dass Verwechslungen nicht möglich sind. Auf den Verpackungen von ProSpecieRara-Gemüse sind jeweils im Leporello-Prospekt zusätzlichen Produktinformationen und ein Rezeptvorschlag für das jeweilige Produkt enthalten. (Mitteilung Coop)