Datum:

Verkäsungszulage ist unter Druck

Dem Bund fehlt es an Geld, um die Zulage für verkäste Milch weiterhin auf 15 Rappen zu belassen. Deshalb soll sie im Herbst auf 12 Rappen sinken. Und der Bund kündigt gleich eine weitere Reduktion an.

von Alimenta Import

Steigende Käseexportzahlen, wie sie letzte Woche publiziert wurden (siehe Seite 8), und die damit einhergehende Produktionsausdehnung haben ihren Preis. Dem Bund geht das Geld zur Zahlung der Verkäsungszulage aus. Deshalb ist es wahr­scheinlich, dass der Bundesrat im Herbst über eine Senkung von derzeit 15 auf 12 Rappen pro Kilo verkäste Milch befinden wird. Vorgängig werden sich die betroffenen Kreise zur entsprechenden Änderung der Milchpreisstützungsverordnung äussern können.
Hinzu kommt, dass der Bundesrat in seiner Botschaft zum Zahlungsrahmen 2012 und 2013 schreibt, er wolle je 30 und 37 Mio. Franken sparen bei den Verkäsungszulagen. Dies hätte zur Folge, dass sie auf 10 Rappen pro Kilo verkäste Milch reduziert würden.

Milchbranche sieht Nachteile

Fromarte wird sich dafür einsetzen, die Zulage auf dem heutigen Stand zu belassen. Eine Kürzung in diesem Herbst sei aber kaum zu umgehen, sagt Direktor Jacques Gygax. So oder so will der Käserverband zumindest die Siloverzichtszulage mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Auch in der Vereinigung der Milchindustrie (VMI) geht man davon aus, dass ab Herbst 3 Rappen wegfallen werden. Einer weiteren Kürzung steht VMI-Geschäftsführer Lorenz Hirt jedoch sehr skeptisch gegenüber: «Dadurch entstünde ein massiver Druck auf den Milchpreis, und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen würde geschwächt.»
Auch die Schweizer Milchproduzenten sind mit dem Ansinnen des Bundesrates gar nicht einverstanden. Sie vermuten in ihm die Absicht des Bundesrates, den Milchpreis über dieses Instrument weiter zu senken.

Eintrittsschwelle vorerst auf Eis gelegt
Um mehr Geld für «wahre» Käseproduzenten zur Verfügung zu haben und vor allem um Missbräuchen vorzubeugen, schlug Fromarte der Branchenorganisation Milch vor einiger Zeit vor, eine Eintrittsschwelle für die Aus­zahlung der Verkäsungszulage einzuführen. Der Vorschlag sah vor, die Zulage auf ver­-käste Milch nur noch bei der Herstellung von Käse mit einem Fettgehalt von mindestens 150 Gramm pro Kilo Trockenmasse auszurichten und dadurch die Produktion von ­Magerkäse davon auszuschliessen. Abklärungen haben ergeben, dass das Instrument rechtlich eingeführt werden könnte, jedoch nur mit einem gewissen administrativen Aufwand; es bedingt eine Verordnungsänderung. Zudem sei die Magerkäseproduktion derzeit marginal, heisst es bei Fromarte. Nur gerade 2 bis 3 Prozent des in der Schweiz hergestellten Käses fielen darunter. Dadurch könnten höchs­tens 5 bis 7 Mio. Franken gespart werden.
Die Milchbranche und insbesondere Fromarte wollen die Entwicklung beim Magerkäse aber im Auge behalten, denn das Missbrauchspotenzial sei gross.