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Französischkenntnisse sind gefragt

Sprachkenntnisse sind nützlich, sowohl im Privat- als auch im Berufsleben. Aber wann werden die Sprachkenntnisse im Berufsleben benötigt? Welche Sprachen sind wichtig und wann ist der beste Zeitpunkt, diese zu lernen?

von Alimenta Import

Sprachkenntnisse spielen direkt nach dem Lehrabschluss in Berufen der Lebensmittelindustrie oft keine grosse Rolle. Dies bestätigt auch Virgina Del Pozo von der Personalvermittlung Best4you Personal. Erst bei höheren Positionen seien die Sprachkenntnisse von Vorteil oder sogar ein Muss. Auf der Ausbildungsstufe des Ingenieurs sei Englisch meist kein Problem und werde fast als selbstverständlich betrachtet. Jedoch werde die Wichtigkeit von Französischkenntnissen oft unterschätzt.
Auch Aurelio Wettstein von Bina hält fest, dass bei nationalen Firmen Französisch-, beziehungsweise Deutschkenntnisse wichtiger seien als Englisch. Im Migros-Genossenschaftsbund gelte die Regel, dass jeder seine Muttersprache spreche und die jeweilig andere verstehen müsse.

Verantwortung erfordert Sprachkenntnisse
André Wegmüller von der Grossmolkerei Cremo bemerkt, dass die Anforderung an die Sprachkenntnisse in Deutsch und Französisch der Mitarbeiter steige, je mehr Verantwortung diese übernehmen. Im technischen Bereich und im Verkauf seien bei Cremo zunehmend auch Englischkenntnisse gefragt.
Bei Chocolats Camille Bloch SA sind Sprachkenntnisse im Bereich der Produktion – je nach Stufe – nicht zwingend, wie Sandra Biedermann erklärt. Jedoch würde dies auch bei Übernahme von mehr Verantwortung ­immer wichtiger und Deutschkenntnisse könnten bei ansonsten gleicher Qualifikation möglicherweise den Ausschlag geben. Beim mittleren Kader seien sie jedoch kein Muss.

Lernen von Fremdsprachen
Erste Sprachkenntnisse erwirbt man meist in der Schule. Nutzt man die Sprachen jedoch nicht, geht vieles wieder vergessen. Um dies zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Variante sind Sprachkurse am Abend. Diese können auch als Vorbereitung auf einen Sprachaufenthalt oder auf eine ­Arbeitsstelle in einer anderen Sprachregion dienen.
Sprachaufenthalte im Ausland mit täglichem Unterricht fördern neben der Sprache auch das Verständnis für fremde Kulturen. Weniger kostspielig und noch intensiver ist das ­Antreten einer Arbeitsstelle in einer anderen Sprachregion, zum Beispiel in der Romandie. Dort verwendet man die Sprache im Alltag und lernt die fremde Kultur täglich besser kennen. Wie Personalberaterin Virginia Del Pozo erklärt, hätten die meisten Bewerber ihre Sprachkenntnisse durch einen Sprachaufenthalt erworben, manchmal auch durch ein Auslandssemester an einer anderen Univer­sität. Es gäbe jedoch kaum Bewerber, welche ausdrücklich nach Stellen in der anderen Sprachregion suchten.

Kaum Interesse an Stellen in der Romandie
Aurelio Wettstein von der Firma Bina erklärt, dass Auszubildende der kaufmännischen Richtungen und Mechaniker je einen Monat in Migrosbetrieben in der Romandie verbringen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Bei Lebensmitteltechnologen werde dies bisher nicht automatisch gemacht. Sollte der Auszubildende Interesse an einem solchen Austausch zeigen, werde dies entsprechend ­organisiert. Weiter erzählt er, dass Romands sich kaum auf Stellen in der Deutschschweiz bewerben, umgekehrt gäbe es etwas mehr ­Bewerbungen, jedoch seien es auch dort Ausnahmen. Bina, wie auch der Migros-Genossenschaftsbund, unterstützen ihre Mitarbeiter mit Sprachkursen.

Sprachaufenthalt während der Ausbildung

Die Firma Cremo besitzt sowohl in der deutsch- als auch in der französischsprachigen Schweiz Betriebe. André Wegmüller, zuständig für die Milchbeschaffung, erklärt, dass die Auszubildenden so eine gute Gelegenheit erhielten, die andere Sprache zu lernen. Das ­Interesse an Arbeitsstellen in der jeweilig anderen Sprachregion sei jedoch in den letzten Jahren zurückgegangen. Cremo unterstützt Mit­arbeiter bei Interesse zusätzlich mit Sprach­kursen.
Wie Sandra Biedermann von Camille Bloch erzählt, bewerben sich auf der Stufe der Technologen sozusagen keine Deutschschweizer. Wenn sich ein Deutschschweizer für eine Lehrstelle bewerben würde, wäre dies kein Problem. Zu diskutieren wäre, ob er die Schule während der Ausbildung in der Deutsch- oder in der Welschschweiz besucht. Auch Praktikan­ten, welche sich bei Camille Bloch bewerben, hätten meist Französisch als Muttersprache oder bereits Grundkenntnisse. Franz Birchler vom Schweizerischen Milchwirtschaftlichen Verein (SMV) betont, dass es bei Käsern früher üblich war, während der Lehre ein Jahr in der Romandie zu verbringen. Heute komme dies nur noch in Einzel­fällen vor. Auch heute noch suchten Deutschschweizer in der Romandie oder Westschweizer in der Deutschschweiz eine Stelle, jedoch seien es im Vergleich zu früher immer weniger. Die Branche fördere und unterstütze Sprachaufenthalte. Franz Birchler ergänzt, dass der Nutzen von Sprachaufenthalten all­ge­­mein als hoch eingeschätzt werde. Der SMV habe auch oft Stellen vorgeschlagen oder vermittelt.

Der beste Zeitpunkt

In einem scheinen sich alle einig zu sein: Wichtig werden Sprachkenntnisse im Berufsleben oft erst, wenn bereits einige Stufen auf der Karriereleiter erklommen oder weiterführende Ausbildungen gemacht wurden. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Sprachkenntnisse aber bereits vorhanden sein. Das heisst, sie müssen früher erworben werden. Vor oder nach der Lehre oder dem Studium ist oft der beste Zeitpunkt. Das Erlernen neuer Sprachen fällt in jungen Jahren meist leichter. Ausserdem werden mit finanziellen Verpflichtungen wie einer eigenen Wohnung oder eigener ­Familie kaum noch längere Sprachaufenthalte gemacht oder zusätzliche Zeit für Sprachkurse aufgewendet.