Datum:

Kick für Festen ohne Resten

90 Prozent des Abfalls bei Veranstaltungen stammen vom Catering. Ein Wettbewerb suchte nach Lösungen, um Essen ohne Verpackungsorgie anzubieten. Die Branche sucht Auswege aus dem Littering.

von Alimenta Import

Spaghetti mögen alle. Doch im Outdoorbereich sind die Teigwaren nur umständlich mit Plastikteller und Besteck zu essen. Warum also nicht «Spaghetti am Stiel» anbieten, die um einen Holzspiess gewickelt ohne weiteres Zubehör genossen werden können? Priska Wahrenberger reichte die Idee beim Wettbewerb «Fingerfood 2010» ein – doch ganz so einfach ist die Umsetzung nicht. Denn Spaghettiwickeln ist mühsam, zudem tropft die Sauce vom Spiess herunter – und wie, bitte sehr, kommt der Reibkäse auf den Snack?

Lasagne statt Spaghetti
Wahrenberger war eine von rund 70 Auszubildenden, die den an der Igeho 2009 lancierten Wettbewerb «Fingerfood 2010» zum Anlass nahmen, Takeaway-Lösungen mit minimaler Verpackung zu entwickeln. Ein Dutzend der Teilnehmer wurde im März zu einem Innovationstag eingeladen, um die Idee mit Experten aus Gastronomie, Event-Management und Ökologie weiter zu entwickeln. Im Fall der «Spaghetti am Stiel» kam man auf ein Lasagne­blatt, das, mit Sauce bestrichen und Käse bestreut, eingerollt und dann geknickt wird. Und schon sind die «Pastelati» fertig, die genauso gut wie Spaghetti schmecken, aber statt mit Teller und Besteck bloss mit Wachspapier und Serviette genossen werden können.

Präsentation entscheidet
Noch werden «Pastelati» nicht industriell gefertigt, auch die anderen kulinarischen Geis­tesblitze von «Fingerfood 2010» warten auf ihre kommerzielle Entdeckung. Jurymitglied und Event-Spezialist Robert Rosanis erläuter­te die Sicht der Caterer: «Die Verpflegung muss insbesondere in grosser Stückzahl herstellbar sein und an der Abgabestelle möglichst wenig Logistik benötigen.» Das Schweizer Publikum, das im internationalen Vergleich überdurchschnittlich reiselustig ist, sei auch an Festivals durchaus neugierig, wenn es neue gastronomische Ufer zu entdecken gebe. ­Voraussetzung sei aber eine einwandfreie und liebevolle Präsentation. Jacqueline Javor Qvortrup, Dozentin am Institut für Lebensmittel- und Getränkeinnovation an der ebenfalls beteiligten Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, wies darauf hin, dass man bei der Prämierung erst Prototypen präsentiere. «Als Nächstes sind die Caterer und die Industrie am Zug, um die Ideen zur Marktreife weiter zu entwickeln.» Entscheidend für diesen Schritt sei, dass ein Snack marktfähig sowie massentauglich werde und nicht zuletzt auch dem Publikum schmecke.

«Wettbewerb kann inspirieren»
Coop etwa will den Ball aufnehmen, so Chris­­tian Rüttimann von der Abteilung Wirtschafts­politik/Nachhaltigkeit: «Unser Unternehmen hat zwar selbst wenig Takeaway-Verkaufs­stellen. Doch als Anbieter von Convenience-Produkten wollen wir über die Bücher gehen, insbesondere durch unseren Grossisten Prodega.» Die Wettbewerbsergebnisse könnten durchaus als Inspirationsquelle dienen.
Grundsätzlicher geht die Migros das Thema an. Anlass ist die Teilnahme mit ­an­deren Fastfood-Anbietern an den Basler ­Littering-Gesprächen, an denen das Abfall­aufkommen durch Takeaway-Verpackungen diskutiert wurde. «An der Euro??08 etwa, als die Migros in Basel ein wichtiger Caterer war, verzichteten wir beim Wurstverkauf auf den Karton und boten ein ‹Pack ins Brot› an», ­erinnert sich Christine Wiederkehr-Luther, Hauptprojektleiterin Ökologie beim Migros-Genossenschaftsbund (MGB).

Verminderung hat Potenzial

Der MGB überprüft jetzt die Verpackungen generell – und hat dafür eigens eine neue Stelle geschaffen. Weil Takeaway-Produkte oft aufwendig verpackt seien und ökologische Leistungen gut kommuniziert werden könn­ten, wird dieser Bereich genauer unter die Lupe genommen, so die neue MGB-Expertin Heidi Oswald. In einem ersten Anlauf wurden die Verpackungen der meistverkauften Produkte untersucht. Ein Optimierungspotenzial existiere dabei sehr wohl, so Oswald, und nennt einige Beispiele:
¦ PET-Schalen etwa bei Fertigsalaten knapper dimensionieren;
¦ Trays: dem Kunststoff Rezyklat beimischen, was die Umweltbelastung reduziert;
¦ überverpackte und doppelt verpackte Lebens­mittel abspecken, zum Beispiel Etikette statt Kartonmanschette;
¦ Materialeinsatz reduzieren, indem etwa PET-Flaschen dünnwandiger konzipiert werden. Allerdings gibt die MGB-Fachfrau zu bedenken, dass neben der Ökologie auch Faktoren wie Produktschutz, Marketing und Transportfähigkeit bei der Gestaltung einer Verpackung zählen.
    www.fingerfood2010.ch