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Sicherheit trotz Holz, Glas oder Metall

«Das Gute daran ist das Gute darin.» Der Werbeslogan eines grossen ­Konservenherstellers gilt sicher nicht, wenn Fremdkörper im Produkt den Genuss von Lebensmitteln verderben.

von Alimenta Import

Fremdkörper haben in Lebensmitteln nichts zu suchen. Trotzdem gibt es immer wieder Produktrückrufe oder interne Produktsperrungen, weil beispielsweise Glas oder Metall in der abgepackten oder der lose angebotenen Ware gefunden werden. Die häufigsten Fremdkörper, die sich immer wieder in Lebensmitteln finden, sind Metallteile, Steine, Glas, (Hart-)Plastik, Folienteile, Textilien
und Fasern, Holz, Pflanzenreste, Schädlinge, menschliche Verunreinigungen.

Fremdkörper in Lebensmitteln
¦ Metallteile wie Aluminium, Eisen, nicht eisen­haltige Metalle gelangen in der Regel während des Herstellprozesses ins Produkt. Häufig durch Abrieb von Anlagen (z.??B. Kutter), Metallspäne, Elektrokabel, Schrauben, Muttern, Teile von metallverstärkten Schläuchen, Spritzenabbruch aus Behandlung von Tieren, Klammern oder sonstiges Verpackungszubehör.
¦ Steine gelangen über die Rohwaren aus landwirtschaftlicher Gewinnung ins Produkt. Auch bauliche Mängel oder Bauarbeiten können die Ursache von Steinen bzw. Putz oder Beton in Lebensmitteln sein. Hierbei müssen die Bauarbeiten nicht direkt im Umfeld der Herstellung stattfinden. Steine werden häufig über Rillen in Schuhsohlen in die Produktion getragen.
¦ Glas und (Hart-)Plastik: Ursachen können Glasbruch von Verpackungsmaterialien, Leuchtstoffröhren, Schaugläsern, Fensterscheiben oder Bruch von Hartplastikab­deckungen von Anlagen sein.
¦ Plastik, Kunststoffe gelangen durch Abrieb oder Abschabung von Fliessbändern, Bruch von Kunststoffkisten und Schabern, Pflas­ter, Abdeckfolien, Kunststoffbeutel, Big Bags, Teile von Schutzhandschuhen, Borsten von Besen oder Bürsten, Klebebänder und Ähnliches ins Produkt.
¦ Textilien und Fasern kommen häufig von zerrissenen Kleidungsstücken der Mitarbeiter, Verpackungsresten oder Befestigungen wie Paketband.
¦ Holz stammt von Splittern von Paletten, Kis­ten, Packstoffen und allen Arten von Holzmaterialien (Besen, Bürsten, Werkzeuge).
¦ Pflanzenreste werden unabhängig von der Verletzungsgefahr vom Kunden auch als Fremdkörper wahrgenommen. Es handelt sich dabei um Schalenreste, Blätter, Stiele, Kerne und Kernbrüche entsteinter Früchte, fremdartige Früchte.
¦ Schädlinge: Tiere, Insekten, Würmer, Schnecken und ähnliche Schädlinge gelangen durch geöffnete Fenster und Türen, Rohstoffe, befallenes Verpackungsmaterial ins Produkt.
¦ Verunreinigungen durch Menschen/Mitarbeiter: hauptsächlich Schmuck, Haare und Fingernägel, Medikamente oder Zigarettenteile.

Analyse, Massnahmen und Vorbeugung
Gezieltes Fremdkörpermanagement führt
zur ständigen Verbesserung hinsichtlich der ­Produkt- und Fremdkörpersicherheit. Dazu braucht es folgende Schritte:
1. Gefahrenanalyse: Dies ist der Ausgangspunkt aller Bemühungen. Hier wird
die Auftretenswahrscheinlichkeit einer Gefahr und die Stärke des dadurch entstehenden Schadens bewertet. Eine abgebrochene Kutter-Messerspitze ist natürlich wesentlich kriti­scher zu werten als ein Stofffaserteil. Die Auftretenswahrscheinlichkeit lässt sich anhand von vorgekommenen Vorfällen, Reklamatio­nen, behördlichen Beanstandungen, Betrachtungen der Pressemeldungen aus ähnlichen Branchen und Meldungen zu Produktrück­rufen objektiv ablesen.
2. Massnahmen festlegen: Aufgrund der Erkenntnisse der Gefahrenanalyse werden grundsätzliche Präventionsmassnahmen festgelegt, zum Beispiel:
¦ Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter, Hygieneregeln
¦ Rohwarenspezifikationen, Wareneingangsprüfungen
¦ Transport in hygienisch sicheren Fahrzeugen, Ladungssicherung, ausreichende Umverpackung
¦ Umfassende Schädlingsprävention, Schädlingsbekämpfung
¦ Vorgaben zur Personalhygiene (innen liegende Taschen, metalldetektierbare farbige Pflas­ter, Schmuckverbot, Haar- und
Bartnetze, keine Medikamente, keine privaten Gegenstände; nicht rauchen, essen, trinken in Produktion)
¦ Glas- und Hartplastikkataster, Messerlisten, Listen loser Metallteile (Klipse), Kunststoffkataster (Schaber, Fliessbänder), regelmässige Inspektion
¦ Werkzeuglisten und -kontrollen bei Instand­haltungsarbeiten
¦ Regelmässige Wartung von (abriebgefährde­ten) Anlagen, nach Wartung ausreichende Reinigung
¦ Ausschliesslich detektierbare Metallteile ein­setzen (Schrauben, Muttern)
¦ Holz aus Produktionsbereichen verbannen
¦ Regelmässige Betriebsbegehungen.
3. Detektion, Analysen, Checks: Innerhalb der Produktionsschritte ist es je nach Gefah­ren­analyse sinnvoll bzw. nötig, Fremdkörperdetektoren einzusetzen. Diese können sein:
¦ Metalldetektoren, Magnete (Nachweisgren­ze abhängig von Gefahrenanalyse: Welche Teilchengrössen können erwartet werden?)
¦ Röntgengeräte (bei Produkten, wo nicht metalldetektierbare Fremdkörper zu erwarten sind)
¦ Kamera- oder Lasertechnologie (zum Ab­tas­ten von Oberflächen)
¦ Siebe, Filter (bei Flüssigkeiten oder Pulver)
¦ Zentrifugen (bei Flüssigkeiten zum Abscheiden von Fremdkörpern)
4. Vorbeugende Massnahmen: Es sollte eine Auswertung der Menge der festgestellten Fremdkörper durchgeführt werden. Aufgrund der entsprechenden Bewertung werden wieder neue Gefahrenanalysen durchgeführt, die verstärkte Massnahmen und die Festlegung der Prioritäten nach sich ziehen. Damit das Gute daran auch das Gute darin bleibt.

*?Die Autorin ist Geschäftsführerin der ­
readL.media GmbH, Fachinformationen für Qualitätsverantwortliche der Lebensmittel­wirtschaft.