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In friedlicher Koexistenz…

… können AOC/IGP-Produkte nebeneinander bestehen. Die Verhandlungen über den gegenseitigen Schutz von Ursprungsbezeichnungen zwischen der Schweiz und der EU sind abschlussreif.

von Alimenta Import

«Für die Bezeichnung ‹Miel de Provence› hatten wir leider keine Argumente, um diesen Namen für die Schweiz, resp. für die Ortschaft in der Westschweiz zu schützen, obwohl es dort sicher auch einige Imker gibt.» Diesen Scherz konnte sich
Jacques Chavaz vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) gut erlauben, als er die Branche am 19. August informierte. Denn der Job des BLW als Unterhändler ist abgeschlossen, die Verhandlungen über den gegenseitigen Schutz von Ursprungsbezeichnungen sind für die Schweiz positiv verlaufen und sind nun abschlussreif. Das Abkommen soll im Jahr 2011 in Kraft treten und muss in der EU noch von Ministerrat und Parlament ratifiziert werden, in der Schweiz vom Bundesrat. Mit dem Abschluss der Verhandlungen wird der Schutz von 20 Schweizer Bezeichnungen auf das gesamte Gebiet der EU ausgeweitet. Im Gegenzug erhalten rund 800 europäische Bezeichnungen den Schutz in der Schweiz.

Gemeinsames AOC-Gebiet
Bei einigen Produkten und Spezialfällen wie dem Vacherin Mont-d’Or (resp. Vacherin du Haut-Doubs) einigten sich die Verhandlungspartner auf Koexistenzlösungen. Schliesslich reicht das Ursprungsgebiet des Vacherins ­geografisch in die Schweiz und Frankreich. Ebenfalls grenzüberschreitende AOC-Produkte – in diesem Fall nach Liechtenstein – sind Ribel­mais und Bloderkäse. Dies forderte laut Chavaz die «Trilateralisierung» der Ver­handlun­gen, denn das «Ländle» ist im EWR-Abkommen mit der EU. Eine weitere Ko­existenz ist auch mit dem Namen Neuchâtel vorgesehen, jedoch nur für nicht vergleichbare Produkte.

Gruyère AOC nur in der Schweiz
Es gibt jedoch Produkte, die nach der Übergangsfrist von zwei Jahren in der Schweiz nicht mehr hergestellt werden dürfen. So beispielsweise der Reblochon, der laut Chavaz in der Schweiz eine «Quantité négligeable» darstellt. Wichtiger ist aber, dass der Gruyère auf der Schweizer Liste aufgeführt ist. Frankreich hat ein entsprechendes Gesuch um eine geschützte Ursprungsbezeichnung (AOC) auf EU-Ebene zurückgezogen, nachdem die EU-Kommission es abgelehnt hatte. Für den französischen Gruyère wäre künftig höchstens eine geschützte geografische Angabe (IGP) möglich. Beim Parmesan hat sich die Schweiz mit der EU auf eine verlängerte Übergangsfrist von sechs Jahren geeinigt. Nach dieser Frist darf Parmesan nur noch im Ursprungsgebiet gerieben und verpackt werden. Heute erfolgen diese Schritte auch in der Schweiz.

Emmentaler steht abseits

Nicht Teil des Abkommens ist der Emmentaler. In der Schweiz verfügt er zwar über eine AOC, die EU betrachtet den Namen jedoch als Gattungsbezeichnung. Die EU wäre bereit gewesen, «Schweizer Emmentaler» zu schützen. Dies ging der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) jedoch zu wenig weit, und Jürg Simon, Präsident der ES, wollte den ­Emmentaler nicht verschenken. Jürg Simon verweist überdies auf die bestehenden Verträge mit den einzelnen EU-Ländern.