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WEEKENDNEWS 28. August 2010

Erste Cassis de Dijon-Lebensmittel / Dramatische Abnahme der Viehexporte / Strompreise steigen 2011 um 4% / Salmonellen in den USA: Mängel bei der Lebensmittelsicherheit / Schweizer Weizenpreis soll steigen

von Foodaktuell Importer

Erste Cassis de Dijon-Lebensmittel kommen auf den Markt

27.08.2010 – (lid) – Ab der kommenden Woche werden erstmals Lebensmittel nach dem Cassis de Dijon-Prinzip in die Schweiz eingeführt. Das Bundesamt für Gesundheit habe bisher sechs Gesuche bewilligt, schreibt die Nachrichtenagentur SDA. 13 Gesuche wurden hingegen abgelehnt und bei 24 wurde noch keine Entscheidung getroffen. Nach dem Cassis de Dijon-Prinzip können Produkte, welche in der EU oder im EWR in Verkehr gesetzt werden dürfen, auch in der Schweiz ohne weitere Kontrollen in Umlauf gebracht werden. Lebensmittel unterliegen aber einer Spezialregelung und bedürfen weiterhin einer Bewilligung.

Unter den neu bewilligten Produkten befindet sich auch ein Sirup aus Frankreich, der nur zehn Prozent Fruchtanteil enthält. In der Schweiz war bisher ein Mindestanteil von 30 Prozent festgeschrieben. Diese Regelung ist nun aber hinfällig, weil künftig jeder Fruchtsirup, der den französischen Regeln entspricht, in der Schweiz verkauft werden darf.

Ebenfalls bewilligt wurde ein dänisches Gesuch für den Vertrieb von verdünntem Obstwein mit einem Wasseranteil von 85 Prozent sowie ein französischer Käse, der die Aufschrift “0 % Fett” trägt. In der Schweiz waren bisher nur die Bezeichnungen “fettfrei” und “fettarm” erlaubt. Sämtliche abgelehnten Gesuche kamen aus Deutschland. Dabei ging es meist weniger um die Produkte, als um deren Anpreisung. So sind in der Schweiz viele Slogans, die auf gesundheitsfördernde Wirkungen abzielen, Arzneimitteln vorbehalten.

Dramatische Abnahme der Viehexporte

(LID 27.8.2010 Jonas Ingold) – Nach Abschaffung der Ausfuhrbeihilfen für Viehexporte ist der Exportmarkt in der Schweiz fast völlig zusammengebrochen. Dadurch gerät auch der Inlandmarkt unter Druck. Im ersten Halbjahr 2009 wurden 2’759 Rindviecher aus der Schweiz exportiert. Im gleichen Zeitraum 2010 waren es gerade noch 297, also fast zehn Mal weniger.

Der Grund für die Abnahme ist klar: Der Bund strich per 1. Januar 2010 die Beiträge für Viehexporte. Bis zu diesem Datum erhielten die Exporteure pro Kuh rund 1’100 Franken Bundesbeiträge, damit sie mit den EU-Preisen konkurrenzfähig waren. In der EU kostet eine Kuh im Schnitt etwa 2’000 Franken, in der Schweiz ist sie mehr als 50 Prozent teurer. Vieh zu Schweizer Preisen zu exportieren ist also praktisch nicht möglich.

Überraschend kam der Zusammenbruch der Exporte nicht, Kenner hatten damit gerechnet. Deshalb wurde bereits 2009 versucht die Exportbeiträge zu retten. Der St.Galler SVP-Nationalrat Elmar Bigger reichte eine Motion zur “Förderung des Viehexportes” ein, die vom Bundesrat Massnahmen zur Exportunterstützung forderte. Während der Nationalrat der Motion im Juni 2009 noch zustimmte, wurde sie vom Ständerat im September zu Grabe getragen.

Elmar Bigger gab sich nach der Abweisung der Motion nicht geschlagen und reichte im Dezember 2009 eine parlamentarische Initiative ein, die verlangt, dass die Abschaffung der Exportbeihilfen rückgängig zu machen sei und bis dahin der Bundesrat die Förderung des Viehexportes sicherzustellen habe. Einen Teilerfolg kann die Initiative bereits verbuchen: Die Wirtschaftskommission des Nationalrates hat der parlamentarischen Initiative knapp mit 14 zu 11 Stimmen zugestimmt. Dass die Initiative aber auch alle weiteren Hürden schafft, ist unwahrscheinlich, spätestens im Ständerat dürfte sie – wie im Vorjahr die Motion – scheitern.

Ebenfalls für eine Wiedereinführung der Beiträge setzt sich der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) mittels einer Resolution ein. Die Alp- und Berggebiete sind besonders vom Exportrückgang betroffen, weil die Aufzucht von Rindvieh dort einen traditionell wichtigen wirtschaftlichen Faktor darstellt.

Der Bundesrat verharrt auf seiner Position, indem er darauf verweist, dass die Aufhebung aller Exportförderungsinstrumente in der laufenden WTO-Doha-Runde per 2013 vorgesehen sei und deshalb ohnehin spätestens dann vorgenommen werde müsse. Diese Argumentation stösst in der Branche auf wenig Verständnis: “Dieser massive Einbruch ist aufgrund der voreiligen WTO-Gehorsamkeit von Politik und eidgenössicher Verwaltung erfolgt”, schreibt Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler-Verbandes im Bündner Bauer. Zurzeit ist es tatsächlich zweifelhaft, ob die Doha-Runde abgeschlossen wird und das Exportsubventions-Verbot der WTO je angewendet wird.

Weil dieses Jahr vorrausichtlich 5’000 Kühe weniger ins Ausland exportiert werden können, kommt auch der Inlandmarkt in Bedrängnis. So befürchtet BDP-Nationalrat und SAV-Präsident Hansjörg Hassler einen Preiszerfall auf den inländischen Viehmärkten. “Vor allem bei Rindern wird es wegen den fehlenden Exporten zu Problemen kommen” meint auch Peter Bosshard.

Beim Nutzviehmarkt in Langenbruck, der ersten grösseren Veranstaltung der Saison, liess sich der Preiszerfall aber noch nicht bestätigen. Der Verkauf verlief für die Händler zufriedenstellend. Im Herbst wird aber das Inlandangebot steigen, weil das Vieh von der Alp zurück kommt und ein Teil davon auf dem Markt landet. Hält die Nachfrage nicht mit, so kann es zu einem merklichen Preisabfall kommen.

Sauer stösst den Viehhändlern auch die Ungleichbehandlung mit EU-Exporteuren auf. Diese erhalten nämlich nach wie vor staatliche Unterstützung beim Export, um auf Basis von Weltmarktpreisen exportieren zu können. Dadurch sind die Schweizer Viehhändler bei Exporten nach Osteuropa oder Nordafrika – wo die Nachfrage nach Vieh gross ist – noch stärker im Nachteil.

Strompreise steigen 2011 um 4%

(VSE / AES 26.8.2010) – Im nächsten Jahr erhöhen sich die Strompreise für
Haushalte sowie grössere Gewerbe- oder Dienstleistungsbetriebe im
Mittel um rund 4%. Die Preisanpassungen der einzelnen
Versorgungsunternehmen unterscheiden sich jedoch stark. Dies hat eine
Stichprobenerhebung des Verbands Schweizerischer
Elektrizitätsunternehmen ergeben.

Eine vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE)
durchgeführte Umfrage bei einer repräsentativen Auswahl von
Elektrizitätsversorgungsunternehmen zeigt, dass im nächsten Jahr die
Strompreise eines typischen Haushalts um etwa 4% höher liegen werden.
Für einen Haushalt mit einem Stromverbrauch von etwa 4’500 kWh steigt
damit die jährliche Stromrechnung um 40 Franken. Auch bei einem
grösseren Dienstleistungs- oder Gewerbebetrieb bzw. einem kleineren
Industrieunternehmen erhöhen sich die Preise durchschnittlich in der
gleichen Grössenordnung.

Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den einzelnen
Versorgungsunternehmen. Die Preisänderungen schwanken zwischen -5%
und +10%, in Einzelfällen können sie noch grösser sein. Starke
Aufschläge erfolgen meist bei Versorgungsunternehmen und
Kundengruppen, die bisher sehr tiefe Preise hatten. Die
Preisanpassungen sind in der Regel durch teurere Energiepreise und
durch die aufgrund des kürzlich verfügten Urteils des
Bundesverwaltungsgerichts ansteigenden Netznutzungsentgelte
verursacht.

Die an der Umfrage des VSE beteiligten 23 grösseren Unternehmen
versorgen rund 40% der gesamtschweizerischen Stromkunden. Kurt Rohrbach, VSE-Präsident, unterstrich an der Medienkonferenz,
dass die Schweiz auch zukünftig in der Lage sein müsse, Strom
zuverlässig und kostengünstig der Wirtschaft und den Konsumenten zur
Verfügung zu stellen. Dies bedinge Investitionen in Milliardenhöhe in
Netze und Anlagen. Dem europäischen Trend steigender Preise könne
sich die Schweiz aber nicht vollkommen entziehen; sie stehe
allerdings vergleichsweise gut da.

Salmonellen in den USA: Mängel bei der Lebensmittelsicherheit

25.08.2010 – (lid) – Die Salmonellenepidemie in den USA ist auch auf mangelnde Lebensmittelkontrollen zurückzuführen. Neue Gesetze sollen Abhilfe schaffen. In den USA mussten mehr als eine halbe Milliarde Eier von zwei Farmen im Bundesstaat Iowa zurückgerufen werden, weil sie mit Salmonellen verseucht waren. Mit besseren Gesetzen über die Lebensmittelsicherheit hätte die Epidemie wohl verhindert werden können, wie die New York Times schreibt. So sind sowohl das Landwirtschaftsdepartement als auch die Lebensmittelbehörde (FDA) für die Lebensmittelsicherheit verantwortlich. Dabei sind aber die Verantwortlichkeiten kompliziert und teils unlogisch.

So ist zwar die Lebensmittelsicherheit für Eier an und für sich in den Händen des FDA, die Verantwortung über flüssige Eier für industriell angefertigte Nahrungsmittel und Geflügel liegt aber beim Landwirtschaftsdepartement. Zusätzlich wäre im Falle von Iowa noch das Landwirtschaftsdepartement des Bundesstaates für gewisse Bereiche zuständig. Aufgrund der komplizierten Kompetenzverteilung kontrollierte laut NY Times schlussendlich gar niemand die Farmen in Iowa.

Ein neues Gesetz zur Sicherheit von Eiern wurde zwar vor einem Monat in Kraft gesetzt, konnte aber die Salmonellenfälle nicht mehr verhindern. Die neue Regelsetzung zog sich zuvor über rund 20 Jahre hin, weil sich verschiedene Behörden über Zuständigkeiten stritten. Ein allgemeines Gesetz über die Lebensmittelsicherheit wird zurzeit im US-Senat behandelt. Dieses soll der FDA mehr Kompetenzen bei der Kontrolle von einheimischen und importierten Lebensmitteln verschaffen. Die Gefahr von Ansteckung mit Salmonellen durch verseuchte Eier soll derzeit gebannt sein, weil alle Eier konsumiert oder zurückgerufen wurden.

Heidelbeeren: Eine der grössten Ernten in Aussicht

25.08.2010 – (lid) – Während bei den Äpfeln die kleinste Ernte seit zwölf Jahren erwartet wird, ist diejenige der Heidelbeeren eine der grössten. Eine der grössten Ernten zeichnet sich ab (SOV). Noch dauert die Haupternte der Schweizer Heidelbeeren zwischen zwei und drei Wochen an. Doch schon jetzt zeichnet sich eine der grössten bisherigen Ernten ab, wie Rolf Matter, Sprecher des Schweizerischen Obstverbandes, gegenüber dem LID erklärte.

Wurden letztes Jahr 156 Tonnen der blau-violetten Früchte gepflückt, sind es heuer bereits 178 Tonnen. Zum einen haben die diesjährigen Wetterkapriolen den Heidelbeeren kaum etwas anhaben können, zum anderen ist die grosse Ernte Resultat einer stetigen Ausdehnung der Anbaufläche: Waren es zu Beginn der 1990er Jahre gerade mal 10 Hektaren, sind es derzeit deren 45, auf denen Heidelbeeren kultiviert werden. 2009 machten die Heidelbeeren aus inländischer Produktion 21 Prozent der in der Schweiz konsumierten Heidelbeeren aus.

Schweizer Weizenpreis soll steigen

25.08.2010 – (lid) – Der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) will aufgrund der international steigenden Weizenkurse eine Preiserhöhung für inländischen Weizen. Die Getreideernte in der Schweiz ging mit tieferen Erträgen als im Vorjahr zu Ende.
Der SGPV verlangt Weizenpreise über dem Vorjahresniveau. Wegen der tiefen Weltmarktkurse, des schwachen Euro und der Mehlzollreduktion sei der Weizenpreis im Juli zwar noch stark unter Druck gewesen, schreibt der SGPV in einer Medienmitteilung.

Mittlerweile seien aber die internationalen Weizenpreise wieder gestiegen. Die Preise für Importweizen betragen derzeit franko Grenze inklusive Zoll bei der Klasse Top zwischen 58 und 60 Franken. Ende Juli lag der Preis noch bei rund 51 Franken. Dies rechtfertige eine Preiserhöhung für Schweizer Weizen, so der SGPV.

Die Getreideernte 2010 ist mittlerweile in allen Regionen beendet, wie Swiss Granum in einer Medienmitteilung schreibt. Die Brotweizenproduktion wird auf 372’000 Tonnen backfähigen Weizen geschätzt, was einer Abnahme von 11 Prozent gegenüber 2009 entspricht. Grund sind Ertragsrückgänge und vermehrtes Vorkommen von Auswuchs. Die Qualität war zu Erntebeginn gut, nahm aber aufgrund der Niederschläge Ende Juli und Anfang August ab. Vor allem die Kantone Aargau, Luzern, Schaffhausen und Thurgau waren stark von Auswuchs betroffen. Mit rund 111’000 Tonnen ging die Produktion von Futterweizen um rund fünf Prozent zurück.

Auch Gerste konnte mit rund 177’000 Tonnen weniger geerntet werden, was vor allem auf weniger Anbaufläche zurückzuführen ist. Die Rapsernte ging mit einem Prozent weniger nur minimal zurück. Die Produktion beträgt rund 65’000 Tonnen. Dabei handelt es sich um provisorische Ergebnisse. Die endgültige Erhebung liegt laut Swiss Granum noch nicht vor.