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WEEKENDNEWS 4. September 2010

BSE-Fall entdeckt in den Niederlanden / Keine nationale Mengensteuerung durch Schweizer Milchproduzenten / Direktor Anton Schmutz verlässt GastroSuisse / Nestlé investiert CHF 500 Mio in Kaffeeprojekte

von Foodaktuell Importer

Direktor Anton Schmutz verlässt GastroSuisse nach nur einem Jahr (bis Sommer 2009 war er langjähriger Direktor von Fromarte)

BSE-Fall entdeckt in den Niederlanden

03.09.2010 – (lid) – Erstmals seit zwei Jahren ist in den Niederlanden wieder ein Rind positiv auf BSE getestet worden. Das verseuchte Fleisch gelangte aber nicht in den Handel.
Ein zweiter Test beim geschlachteten Tier habe das Ergebnis bestätigt, wie die niederländische Regierung gemäss der Nachrichtenagentur SDA am 3. September mitteilte. In den Niederlanden werde das Fleisch aller Tiere solange zurückgehalten, bis es auf BSE getestet worden sei. Die Rinderseuche ist für den Menschen gefährlich, weil sie die Hirnkrankheit Creutzfeldt-Jakob auslösen kann.

Globale Lebensmittelpreise auf höchstem Stand seit zwei Jahren

02.09.2010 – (lid) – Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisatin der UNO (FAO) sind die weltweiten Lebensmittelpreise so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr.
Der Preisindex für Nahrungsmittel stieg von Juli auf August um 5 Prozent, wie aiz.info schreibt. Die Preise befinden sich damit auf dem höchsten Wert seit September 2008. Der Rekordwert vom Juni 2008 lag allerdings noch um 38 Prozent höher. Ursachen für den Preisanstieg sind laut FAO die gestiegenen Preise von Weizen, Zucker und Ölsaaten.

Keine nationale Mengensteuerung durch Schweizer Milchproduzenten

Der Bundesrat will die im 2009 aufgehobene staatliche Milchkontingentierung nicht durch eine nationale privatrechtliche Kontingentierung in den Händen der Organisation Schweizer Milchproduzenten (SMP) ersetzt haben. Er lehnt einen entsprechenden parlamentarischen Vorstoss ab.

Die von Nationalrat Andreas Aebi (SVP, BE) eingereichte Motion verlangt, dass der
Bundesrat der Organisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) auf Gesuch hin die
“Allgemeinverbindlichkeit” für ein Mengensteuerungsmodell erteilt. Das Modell der SMP sieht vor, die Milchmenge pro Handelsorganisation (PO, PMO) oder pro Verarbeitungsunternehmen für Direktlieferanten, gemäss den Lieferrechten des Milchjahres 2008/09, ohne Mehrmengen, festzulegen. Zusätzliche Milchmengen sollen mit Abgaben von bis zu 30 Rp./kg Milch belastet werden.

Der Bundesrat lehnt die Motion ab, weil

•deren Umsetzung eine nationale, privatrechtliche Milchkontingentierung durch die SMP mit staatlicher Hilfe ermöglichen würde;

•sich die Abgabe auf zusätzlichen Milchmengen nicht vom System der
Überlieferungsabgabe der früheren staatlichen Milchkontingentierung unterscheidet;

•das Parlament bei der Debatte über den Ausstieg aus der Milchkontingentierung und nochmals bei der Beratung der AP 2011 ausdrücklich ausgeschlossen hat, dass die staatliche Kontingentierung durch eine privatrechtliche Kontingentierung in den Händen einer einzigen Produzentenorganisation ersetzt würde;

•das Modell der SMP vollständig dem Konzept von Selbsthilfemassnahmen einer
Branchenorganisation widerspricht, bei denen die gemeinsamen Interessen aller Glieder einer Wertschöpfungskette im Vordergrund stehen;

•eine restriktive, arbiträre Milchmengenplanung im Sinne des Modells der SMP zu
Verlusten von Marktanteilen im In- und Ausland führen würde und keine nachhaltig
positiven Effekte auf den Milchpreis bewirken würde, da dieser hauptsächlich von den Entwicklungen auf den internationalen Märkten beeinflusst wird;

•ein einseitiges Diktat der SMP über Mengen und Abgaben insbesondere von den
Milchverwertern und Produzentenorganisationen, welche nicht Mitglied der SMP sind, abgelehnt würde. (Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 1.09.2010)

Anton Schmutz verlässt GastroSuisse

Direktor Anton Schmutz verlässt GastroSuisse. Wie
GastroSuisse, der Verband für Hotellerie und Restauration in der
Schweiz, heute mitteilt, erfolgt der Austritt aufgrund
unterschiedlicher Auffassungen in der Verbandsführung und im
gegenseitigen Einvernehmen. “Ich bedaure diese Entwicklung und danke Anton Schmutz für die
Zusammenarbeit”, erklärt Klaus Künzli, Zentralpräsident GastroSuisse,
im Namen des Vorstands zum Rücktritt von Anton Schmutz, der sein Amt
am 1. Juli 2009 antrat.

In einer Übergangsphase werden Zentralpräsident Klaus Künzli sowie
Tresorier und Vorstandsmitglied Tobias Zbinden in enger
Zusammenarbeit mit dem Direktionsteam verstärkt operativ tätig sein.
Die Kandidatensuche wird in den nächsten Wochen eingeleitet. Über die
Neubesetzung wird zu gegebener Zeit informiert. (GastroSuisse 1.9.2010)

Migros bezahlt doch mehr für Milch

30.08.2010 – (lid) – Die Migros-Tochter Elsa bezahlt nun doch den von der Branchenorganisation Milch (BOM) beschlossenen Richtpreis von 65 Rappen pro Kilogramm Milch. Die Elsa habe Gespräche mit den Lieferanten geführt und ausgehandelt, dass für 90 Prozent der Milch der Richtpreis der BOM bezahlt werde, schreibt die Elsa in einer Medienmitteilung. Die entsprechende Erhöhung des Milchpreises erfolgt rückwirkend auf den 1. Juli 2010.

Bisher hatte sich die Elsa geweigert, die Richtpreiserhöhung um drei Rappen umzusetzen. Die Migros begründete dies damit, dass man bereits substanziell höhere Preise als andere Verarbeiter bezahle und die Preise nicht weiter erhöhen könne. Die Migros war für diesen Entscheid heftig kritisiert worden. So demonstrierte Ende Juli die Interessengruppe BIG-M vor dem Migros-Hauptsitz in Zürich gegen deren Milchpreispolitik.

Nestlé investiert CHF 500 Mio in Kaffeeprojekte

(Nestlé Vevey, 27. August 2010) – Nestlé lancierte in Mexiko-Stadt den Nescafé Plan, welcher Nestlé’s Engagement bezüglich Kaffeeanbau, -produktion und -verbrauch zusammenfasst. Der Nescafé Plan beinhaltet verschiedene Zielvorgaben, die dem Unternehmen eine weitere Optimierung der Kaffeeversorgungskette ermöglichen. Bis 2020 wird Nestlé CHF 500 Millionen in Kaffeeprojekte investieren, aufbauend auf CHF 200 Millionen, die innerhalb der letzten zehn Jahre investiert wurden.

Dies beinhaltet Investitionen in der Höhe von CHF 350 Millionen für den Nescafé Plan und CHF 150 Millionen in Nespresso. Rainforest Alliance, eine internationale Nicht-Regierungs-Organisation, wird Nestlé zusammen mit Partnern des Sustainable Agricultural Network (SAN) und der Kaffeevereinigung 4C dabei unterstützen, die Zielvorgaben des Nescafé Plans bezüglich Kaffeeanbau zu erreichen.

Über die nächsten fünf Jahre wird Nestlé die Menge von direkt bei Produzenten und ihren Verbänden eingekauftem Nescafé Kaffee verdoppeln. Schliesslich wird Nestlé pro Jahr 180’000 Tonnen Kaffee von rund 70’000 Produzenten beziehen. Mit der Unterstützung durch Rainforest Alliance und 4C wird die Gesamtmenge direkt eingekauften grünen Kaffees bis zum Jahr 2015 die international anerkannten 4C Nachhaltigkeits-Standards erfüllen. Ausserdem werden 90’000 Tonnen Nescafé bis im Jahre 2020 unter der Berücksichtigung der Prinzipien von Rainforest Alliance und SAN eingekauft werden.

Bis 2020 wird Nestlé dank dem Nescafé Plan 220 Millionen ertragsreiche, krankheitsresistente Kaffeepflanzen an Produzenten verteilen. Dies verhilft den Produzenten ihre Plantagen zu verjüngen, während der Ertrag auf dem exisitierenden Land vergrössert und das Einkommen verbessert wird.

Dank Partnerschaften mit öffentlichen und privaten Einrichtungen in Ländern wie Mexiko, Thailand, Philippinen und Indonesien hat Nestlé in den letzten zehn Jahren bereits über 16 Millionen Kaffeepflanzen verteilt. Das Unternehmen erweitet zudem seine Programme für technische Hilfe, indem Nestlé-Agronomen jährlich über 10’000 Produzenten hinsichtlich Kaffeeanbau sowie Aufbereitung nach der Ernte beraten.

Der Nescafé Plan folgt auf den Cocoa Plan, der im Oktober 2009 lanciert wurde. Es handelt sich dabei um eine Investition von CHF 110 Millionen in die Qualität von Kakao, u.a. durch das Verteilen von 12 Millionen ertragsreichen, krankheitsresistenten Kakaopflanzen bis 2020.

Stärkere Förderung des Tierwohls und der Inlandproduktion

(STS 27. August 2010) – Der Schweizer Tierschutz STS begrüsst das BLW-Strategie-Papier «Land- und Ernährungswirtschaft 2025» zur künftigen Ausrichtung der Agrarpolitik. Fazit des STS: Verglichen mit der EU wurde zwar in der Schweiz punkto Tierwohl schon einiges erreicht – doch reicht dies noch längst nicht aus. Der STS fordert deshalb eine verstärkte Förderung tierfreundlicher Haltungformen. Angesichts der zunehmenden weltweiten Spekulation mit landwirtschaftlichen Rohstoffen sei auch die inländische Lebensmittelversorgung in Zukunft zu sichern.

Noch immer müssen in der Schweiz Millionen von Nutztieren ihr Leben widernatürlich in geschlossenen Ställen, in oft drangvoller Enge verbringen, ohne ausreichenden Platz, Auslauf und Weide. Denn bislang wendet der Bund lediglich 8 % der Direktzahlungen zur Förderung tierfreundlicher Haltungsformen auf. Obwohl diese Form der Tierhaltung im Gegensatz zur Intensiv- und Massentierhaltung erwiesenermassen für gesündere Tiere und qualitativ bessere Produkte bürgt. Konsumenten, Bauern und Tiere würden gleichermassen davon profitieren.

Der Schweizer Tierschutz STS fordert deshalb, in der Agrarpolitik umzusteuern und konsequent auf mehr Tierschutz zu setzen. Das Ziel muss sein, dass sämtliche Nutztiere in der Schweiz raschmöglichst regelmässigen Auslauf ins Freie erhalten. Im heute präsentierten Papier «Land- und Ernährungswirtschaft 2025» des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) vermisst der STS ein klares Bekenntnis zu einer bäuerlichen Tierhaltung. Dies wäre umso wichtiger, als gewisse Kreise versuchen, auch in der Schweiz Massentierhaltungen mit tausenden von Schweinen und zehntausenden von Hühnern salonfähig zu machen.

Im Weiteren plädiert der STS dafür, im Rahmen einer naturnahen, tierfreundlichen und bäuerlichen Landwirtschaft, möglichst viele Nahrungsmittel im Inland zu erzeugen. Einerseits stammen die zunehmenden Importe bei Fleisch und Eiern oftmals aus Tierfabriken, wie sie hierzulande richtigerweise verboten sind. Andererseits wird in den kommenden Jahren das Thema Versorgungssicherheit wieder aktuell werden.

Nach der Immobilien- und der Bankenpleite raten immer mehr Experten Anlegern, im Portfolio auch landwirtschaftliche Rohstoffe zu halten. So sind heute Milliardengelder in Rohstoffen und deren Handel involviert, was Spekulanten anlockt. Ein Lied davon können aktuell die Hilfsorganisationen im überschwemmten Pakistan singen: Obwohl genügend Weizen vorhanden ist, haben Spekulanten an den internationalen Rohstoffbörsen die Preise in die Höhe gedrückt, sodass die zur Verfügung stehenden Hilfsgelder jetzt nur mehr für die Hälfte der beabsichtigten Weizenkäufe reichen. Der STS kritisiert, dass das BLW in seiner Analyse der künftigen Rahmenbedingungen dieser brandgefährlichen Entwicklung zuwenig Platz einräumt.