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Die Sache mit dem Fleisch

Obwohl er selbst keine «Koteletten-freie» Küche unterhält plädiert Adrian Krebs für mehr Vielfalt im vegetarischen Kochbuch.

von Alimenta Import

Vor wenigen Wochen ist das Buch «Eating Animals» des amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer in deutscher Sprache erschienen. «Tiere essen», wie das Werk hierzulande heisst, hat zu lebhaften Diskussionen sowie einer Flut von Artikeln und Sendungen im deutsch­sprachigen Blätter- und Senderwald geführt. ­Niemand konnte es sich leisten, das Thema links liegen zu lassen. Häufig wurde die Besprechung des Buchs von einem Artikel begleitet, in ­welchem Vegeta­rier erklärten, warum sie auf den Fleischkonsum verzichten. Foer selber kommt in seinem Buch zu einem relativ pragmatischen Schluss: Kein Fleisch essen wäre das Beste, ist aber für die meisten Leute keine Option. Er schlägt deshalb eine Senkung des Konsums und einen fleischlosen Tag pro Woche vor.

Unabhängig davon, was man von Foers Buch hält, kann die Diskussion über den Fleischkonsum nicht schaden. Die Nahrungsmittelkonkurrenz von Masttieren zum Menschen ist ein kritisches ­Thema, und wenn man langfristig die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sichern will, ist die Reduktion des Fleischkonsums wahrscheinlich ein wichtiger Pfeiler der Strategie.
Damit eine solche Verhaltensänderung stattfinden kann, braucht es Anstrengungen in der Küche und im Kopf. Die vegetarische Küche, wie sie heute praktiziert wird, ist immer noch vielerorts ein Stiefkind. Am ausgeprägtesten wohl im Restaurant, wo Vegetarier oft auf einen aus dem Wasser gezogenen Gemüseteller verwiesen werden, während die Fleischesser über ihren panierten Schnitzeln oder anderen Leckereien schwelgen.

Ändern muss sich aber auch die Gedankenwelt des Fleischessers. Ich selber bin ein begeistertes, aber – so meine ich – relativ vernünftiges Mitglied dieser Spezies. Ich brauche nicht jeden Tag Fleisch und mag auch gerne Indisch und sonst Fleischloses. Trotzdem ist in mir drin eines tief verankert: Zu einem «rechten» Essen gehört Fleisch oder mindestens Fisch. Wenn ich Besuch empfange, koche ich sicher nicht vegetarisch. Die Vegetarier haben deshalb beim gesellschaftlichen Umdenken eine Schlüsselfunktion: Sie können ohne Gesichtsverlust Fleischloses aufstellen und uns Fleischessern aufzeigen, wie fein die Koteletten-freie Küche sein kann.