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Molkerei Frenkendorf Totgesagte leben länger

Seit Jahren steht es schlecht um die Regio Molkerei in Frenkendorf. Nach zweimaliger Nachlassstundung wurde im Juni die Produktion eingestellt, aber der Konkurs wurde aufgeschoben. Vielleicht geht es aber wieder weiter.

von Alimenta Import

Viele sind überrascht, dass das Thema der in Konkurs geratenen Molkerei Frenkendorf noch nicht definitiv abgeschlossen ist. Denn seitdem im letzten Juni die Molkerei den Betrieb einstellte und die 13 Mitarbeiter die Stelle verloren, hat eigentlich niemand mehr damit gerechnet, dass jemals jenseits des Juras wieder Milch abgefüllt wird. Doch nun stehen die Chancen laut Sachwalter Urs Baumann gut, dass ein Unternehmen den Betrieb übernimmt. Vier Interessenten stehen noch im Rennen, um die vor drei Jahren für 13 Mio. Franken erbaute Molkerei zu erwerben. Dabei gehen die Spekula­tionen um die künftige Nutzung weit. Von der Rückführung in den ursprünglichen Grundzweck, die Verarbeitung von regionaler Milch, bis zum Logistiklager. Letzten Freitag haben die Aktionäre der Regio Milch AG einen eingeschriebenen Brief erhalten mit der Einladung zur ausserordentlichen Generalversamlung am 27. September, um dort dem möglichen Verkauf zuzustimmen.

Schliessung bot Chance für Lanz
Als der Betrieb Anfang Juli schloss, musste die Lanz Milch AG in Obergerlafingen in einer Nachtübung die Lieferungen für viele bestehende Kunden der Regio Milch AG sicher­stellen. Dies gelang laut Andreas Lanz, indem die Produktion rasant erhöht wurde und beispielsweise auch vier neue Mitarbeiter angestellt wurden. Unter anderem fand der ehe­malige Produktionsleiter der Regio Milch AG, Frenkendorf, einen Arbeitsplatz jenseits des Juras in Obergerlafingen.

Scheiterte an einzigem Gläubiger
Doch wie kam es überhaupt so weit, dass der Betrieb in der Molkerei eingestellt wurde und die Anlagen stillgelegt wurden? Schon vor Ablauf der Nachlassstundung haben viele Interessenten ihre Offerten eingereicht, so auch die Miba. Mit dem Angebot von ungefähr 4 Mio. Franken wären drei der vier Gläubiger einverstanden gewesen, nur die Leasingfirma, eine belgisch-holländische Unternehmung, konnte sich mit dem Angebot nicht zufrieden geben. Für die Miba wäre die Übernahme laut Christoph Eggenschwiler sinvoll gewesen, hätte doch das Bedürfnis der Region nach regional produzierten Milchprodukten befriedigt werden können. Ein kleiner Teil der 250 Mio. ­Liter Miba-Milch hätte in Frenkendorf verarbeitet werden können. Momentan wird die Hälfte davon von der Elsa, ein Drittel durch Emmi und der Rest durch andere vearbeitet. Doch die Übernahme hing an einem dünnen Faden, und nachdem ein Grossverteiler die Frist zum Treue­versprechen mit dem neuen Be­sitzer ­verstreichen liess, riss er. Der Konkurs stand vor der Tür, die Angestellten erhielten die Kündigung.

Angestellte fanden Stelle
Zweieinhalb Monate später haben die meisten ehemaligen Regio-Milch-Angestellten wieder eine Stelle, und für die Miba steht die Fertigstellung ihres Logistikzentrums in Aesch auf der Prioritätenliste an erster Stelle. Dort sollen ab Oktober unter dem Übergangsnamen Miba Milchprodukte AG das Grosskunden­geschäft wie die Gemeinschaftsgastronomie und Spitäler abgewickelt werden. Vier Basler Milchhändler, Zimmermann, Wirth, Thrier und die Miba Manser, schliessen sich zu ­diesem Zweck zusammen und wollen einen Jahresumsatz von 20 Mio. Franken erreichen. Und übrigens: Wenn die Regio Milch wieder aufgehen würde, läge der Gedanke gemäss ­Eggenschwyler sicher nahe, auch wieder dort lokale Spezialitäten zu beziehen.