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WEEKENDNEWS 12. September 2010

Mangel an Schweizer Honig / Identitäts-Chip als elektronische Ohrmarke bei Nutztieren / Pilzproduktion gilt neu als landwirtschaftlich / 4. ICD-Gastro-Award 2010 mit Überraschung / ORIOR Gruppe steigert Umsatz und Gewinn

von Foodaktuell Importer

Mangel an Schweizer Honig

10.09.2010 – (lid) – Honig von Schweizer Bienen ist in den letzten Monaten teilweise Mangelware geworden. Bei der Migros gab es lange nur noch ausländischen Honig, bei Coop hingegen war der Nachschub gewährleistet. Seit Mai habe die Migros keinen inländischen Honig mehr verkaufen können, sagte Migros-Sprecherin Monika Weibel gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. In einigen Verkaufsstellen sei inzwischen wieder frischer Honig von regionalen Produzenten in den Verkauf gelangt.

Für den Mangel an Nachschub von Schweizer Honig macht man beim Grossverteiler das Bienensterben, das nasse Wetter im Frühling während der Trachtzeit der Bienen sowie den fehlenden Nachwuchs bei den Imkern verantwortlich. Man stehe in Verhandlungen, um den Kreis der Lieferanten auszubauen, sagte Weibel weiter. Der Frühling sei eine schlechte Zeit für den Blütenhonig gewesen, bestätigt Christina Kast vom Zentrum für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope in Liebefeld. Während der Blütezeit von Raps und Löwenzahl habe es vor allem in tiefen Lagen viel geregnet. Besser sei dann das Wetter vor der Sommerernte gewesen.

Walliser Raclette AOC kommt im Herbst auf den Markt

10.09.2010 – (lid) – Im Herbst kommt erstmals Walliser Raclette mit der geschützten Herkunftsbezeichnung AOC auf den Markt. Bis Ende August konnten alle 15 Käsereien und ein Affineur, die sich für AOC-Pflichtenheftkontrollen angemeldet hatten, zertifiziert werden, wie die Sortenorganisation Raclette du Valais AOC in einer Medienmitteilung schreibt. Bei den Kontrollen ging es darum zu prüfen, ob die AOC-Bedingungen bei der Milchproduktion, der Käseherstellung sowie der Reifung eingehalten werden. Damit sind 70 Prozent der Käsemengen, die in Walliser Berg- und Regionalkäsereien hergestellt werden für AOC zugelassen. Die Sortenorganisation geht davon aus, dass bis Ende Jahr der Anteil noch steigen wird. Der Begriff “Raclette du Valais AOC” wird ab 2011 auch in der EU geschützt sein.

Identitäts-Chip als elektronische Ohrmarke bei Nutztieren

Das Leben eines Schweins könnte in Zukunft von der Geburt bis zur Schlachtung mittels elektronischen Ohrmarken rückverfolgt werden. Die Technologie dazu muss noch entwickelt werden. Kein Schwein ist wie das andere. Die einen werden nach Vorgaben der integrierten Produktion gehalten, die anderen nach Bio-Richtlinien. Das Auseinanderhalten von Schweinen aus den verschiedenen Produktions­systemen ist vor allem auf dem Schlachthof aufwändig, weil die Tiere beim Ablad einzeln nach Herkunft gekennzeichnet werden müssen.

Nun zeigt eine Studie der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, dass dieser Ablauf effizienter gemacht werden könnte und zwar mittels elektronischer Ohrmarken. Kombiniert mit einer Datenbank lassen sich Lebensdaten wie Geburtsort, Herkunft oder der Standort des Mastbetriebs speichern. Dazu trägt jedes Schwein eine Ohrmarke mit einem eigenen, individuellen Identitäts-Chip. Mit diesem könnte nicht nur der Werdegang des Einzeltiers dokumentiert, sondern auch Auskunft über das Haltungssystem (Bio, IP) gegeben werden. Das Lesen der elektronischen Ohrmarken auf dem Schlachthof erfolgt automatisch mit einem (mobilem oder stationärem) Lesegerät.

In einer Umfrage wurden unter anderem rund tausend Schweizer Landwirtinnen und Landwirte befragt. 63 Prozent von ihnen lehnen die Rückverfolgbarkeit mit elektronischen Ohrmarken ab. Unter anderem befürchten sie einen administrativen Mehraufwand und steigende Produktionskosten. 21 Prozent der Befragten befürworten die neue Technologie.

Anders sieht es bei den vor- und nachgelagerten Bereichen wie Tierhandel, Tiertransport oder Detailhändler aus. Die Mehrheit von ihnen zeigt grosses Interesse am Einsatz elektronischer Ohrmarken bei Mastschweinen. Für sie gibt es neben der Effizienzsteigerung auf dem Schlachthof weitere Vorteile. Bei einem Seuchenausbruch etwa würde man genau wissen, welche Schweine mit den kranken Tieren Kontakt hatten. Auf diese Weise könnte eine Verbreitung schneller gestoppt werden. Einen weiteren Vorteil gibt es speziell für die Zuchtbetriebe. Sie könnten die Gewichtszunahme jedes einzelnen Schlachtschweins genau verfolgen und wüssten so, von welchen Elterntieren die besten Nachkommen hervorgehen.

Allerdings gibt es noch einige Probleme, wie die umfangreichen Praxisuntersuchungen zeigen. Die elektronischen Ohrmarken können leicht abfallen, wenn das Schwein sich dauernd damit an der Wand scheuert oder wenn es auf der Ohrmarke des Nachbarn herumkaut. (Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART, Tänikon 9.09.2010)

Raabs Fischschlachtung bleibt ungesetzlich – Verein fair-fish verlangt behördliche Massnahmen

Für alle Beobachter völlig überraschend liess Hans Raab am 8. September via Schweizer Fernsehen verbreiten, dass er die Produktion in der von ihm im Februar 2010 «definitiv» stillgelegten Fischfabrik «Melander» seit sechs Wochen wieder hochfahre. Gleichzeitig liess er wissen, er wolle wieder genau jene Tötungsmethode der Fische anwenden, welche der Schweizer Tierschutzverordnung widerspricht.
Falls Raab es wirklich ernst meint (was der Verein fair-fish aufgrund der näheren Umstände gern bezweifeln möchte), wird er sich erneut Massnahmen der St. Galler Behörden aussetzen, die zu nichts anderem führen können als zu einer erneuten Schliessung der Fabrik.

Raab hatte im März 2010 eine Schadenersatzklage gegen den Kanton St. Gallen, den Tages-Anzeiger-Verlag, den Verein fair-fish und dessen Fachstellenleiter eingereicht: 40 Millionen für die Investition für die (von ihm selber) stillgelegte Fabrik und 65 Millionen für angebliche entgangene Gewinne in den nächsten 20 Betriebsjahren. Begründung unter anderem: die Beklagten hätten seine Marke «Melander» durch üble Nachrede «über Nacht zerstört», so dass er zur Betriebsaufgabe gezwungen gewesen sei.

Wenn Raab nun den Betrieb doch wieder aufnimmt, entzieht er der ohnehin aussichtslosen Klage eines seiner eigenen Hauptargumente. Folgerichtig soll er inzwischen auf die Klage verzichtet haben. Der Verein fair-fish ist erleichtert, dass er nun seine Energien wieder ganz auf sinnvolle Aufgaben konzentrieren kann statt auf einen für niemand verständlichen Prozess.

Nicht erleichtert ist fair-fish hingegen über die Absichts Raabs, stur an seiner nicht erlaubten Schlachtmethode festzuhalten. fair-fish fordert Raab auf, entweder den (eher unwahrscheinlichen) wissenschaftlich Nachweis dafür zu erbringen, dass seine Methode die Vorgaben des Gesetzes erfülle, so dass der Bund diese Methode im Rahmen einer Teilrevision der Tierschutzverordnung anerkennen könnte, oder aber den im März 2009 von fair-fish unterbreiteten konkreten Vorschlag für eine rasch praktikable Methode umzusetzen.

Sollte Raab nicht innert vernünftiger Frist einlenken, erwartet der Verein fair-fish, dass die St. Galler Behörden gestützt auf das Tierschutzgesetz die nötigen Massnamen ergreifen, notfalls bis in zu einem Verbot der Tierhaltung. Denn es kann nicht sein, dass ein Industrieller mehr und mehr Tiere mästet, die er am Ende nicht tierschutzkonform töten will. Raab könnte für die Schlachtung auch nicht ins angrenzende Ausland ausweichen, da seine Methode in Österreich und Deutschland ebenfalls nicht zugelassen ist. Die Behörden tun daher gut daran, das Problem zu lösen, bevor es noch grösser wird.

Der Verein fair-fish erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass auch die Zucht und die Haltung der Fische in Raabs Fabrik bereits 2008 Anlass zu Fragen gaben. Wenn Raab beim relativ einfachen Thema Betäubung und Tötung nicht einlenkt, wird er es bei den weit komplexeren Themen Zucht und Haltung wohl erst recht nicht tun. (Heinzpeter Studer, Leiter der Fachstelle Verein fair-fish 9. September 2010)

Pilzproduktion gilt neu als landwirtschaftlich

(8.9.2010 Verband Schweizer Pilzproduzenten VSP) – Eine wichtige strategische Zielsetzung für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Schweizer Pilzproduktion ist erreicht: Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 25. August 2010 beschlossen, dass der geltende Verfassungsbegriff „Landwirtschaft“ die Pilzproduktion umfasst. Damit hat der Verband Schweizer Pilzproduzenten mit der Motion, auch wenn diese vom Bundesrat zur Ablehnung beantragt wird, seine strategische Zielsetzung erreicht. Die Verwaltung wird den Vollzug im Bereich der Strukturverbesserungen entsprechend anpassen, wie der Bundesrat in seiner Antwort schreibt.

Antwort des Bundesrates vom 25.08.2010: Der Begriff “Landwirtschaft” wird in Artikel 104 der Bundesverfassung (BV) nicht näher umschrieben.
Gemäss Botschaft zur Agrarpolitik 2002 wird die Landwirtschaft als Tätigkeit definiert und durch die
hergestellten Produkte von anderen Tätigkeiten abgegrenzt. Grundlegender Prozess in der
Landwirtschaft sei die Gewinnung organischer Substanz durch die Fotosynthese mit Tageslicht. Auch
die Tierhaltung beruhe auf diesem Vorgang, sei doch auch das Tierfutter direkt oder indirekt
pflanzlichen Ursprungs.

Der Geltungsbereich der Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen ist in vielen Fällen
auslegungsbedürftig. Der Bundesrat stellte in der Botschaft zur Agrarpolitik 2011 unter Verweis auf
den Kommentar zur BV (Ehrenzeller, St. Galler Kommentar zu Art. 104, Rz. 4) fest, dass der geltende
Verfassungsbegriff “Landwirtschaft” nicht abschliessend definiert ist. Traditionell gehören die
Urproduktion im pflanzlichen und tierischen Bereich dazu.

Auch nach geltendem Recht ist davon
auszugehen, dass sich der Begriff nicht in der traditionellen Begriffsdefinition erschöpft und keinen ein
für allemal feststehenden Gehalt aufweist. Unter diesem Blickwinkel ist auch die Unterstützung des
produzierenden Gartenbaus zu sehen und somit verfassungskonform.
Die Bienenzucht und die Bienenhaltung werden ebenfalls als Teil der Landwirtschaft betrachtet. Der
Bundesrat hat dies in seiner Stellungnahme zur Motion Gadient (Förderung der Bienen in der
Schweiz; 04.3733) bestätigt.

Die Pilzproduktion wurde in der Vergangenheit nicht einheitlich der Landwirtschaft zugeordnet. Für
eine Zuordnung unter den Begriff “Landwirtschaft” spricht insbesondere, dass die
Speisepilzproduktion indirekt wie die Tierhaltung auf der Fotosynthese basiert. Dass der Bundesrat die
Pilzproduktion als zur Landwirtschaft gehörend beurteilt hat, ergibt sich explizit aus der
Landwirtschaftlichen Absatzförderungsverordnung (LAfV; SR 916.010), bei der es sich um einen
Ausführungserlass des Landwirtschaftgesetzes (LwG; SR 910.1) handelt.

Der Bundesrat ist somit der
Auffassung, dass der geltende Verfassungsbegriff “Landwirtschaft” die Pilzproduktion umfasst, damit
die in der Motion vorgebrachte Forderung bereits erfüllt ist und daher das LwG nicht geändert werden
muss. Die Verwaltung wird den Vollzug im Bereich der Strukturverbesserungen entsprechend
anpassen. Dieser wird mit den im Voranschlag 2010 und der Finanzplanung 2011-13 eingestellten
finanziellen Mitteln erfolgen.

4. ICD-Award 2010 mit Überraschung

(ICD Davos 27.08.2010) – Von 23. Bis 26. August hat sich die Kochwelt in Davos getroffen. An den International Chef Days (ICD) standen auch dieses Jahr neben der Weiterbildung und dem Networking vor allem die Awards sowie ein internationaler Wettbewerb der Lernenden im Vordergrund. Für einmal verlieh die ICD-Award-Jury sogar einen Sonderpreis für spezielle Verdienste um die Branche.

Der Einsatz der angehenden Köche aus Südtirol, Deutschland und der Schweiz war enorm: Unter Wettbewerbsbedingungen kreierten sie ein Menu für eine Gesellschaft von 800 Personen. Im Gegensatz zu anderen Wettwerben bewertete nicht nur eine Jury die Kochkünste der jungen Leute, das Menu wurde am Abend auch von den Teilnehmenden des ICD-Award mit Genuss verspeist. „Es ist schon erstaunlich, was die Lernenden in nur einem Tag, sehr beengten Küchenverhältnissen und in national gemischten Gruppen zustande gebracht haben“, begeistert sich Lehrlingsbetreuer und Fachlehrer Erwin Siegrist.

Entsprechend gross war auch der Applaus des Publikums für die angehenden Köche, die auch das Menü der eigentlichen Award-Verleihung am Mittwoch Abend unter Anleitung von gestandenen Grössen der Branche bestritten. „Für mich ist es einer der schönsten beruflichen Momente, mit diesen engagierten jungen Leuten Feines zu schaffen“, sagt Pâtissier-Weltmeister Rolf Mürner, der die Jugendlichen beim Dessert des Award-Menus anleitete.

Nicht nur die Abende, auch die verschiedenen Workshops und Vorträge waren gut besucht. Ob es um die Visionen des Kochverbandes für die Ausbildung der Köche ging – den Koch 2020 –, ob das immer knapper werdende Wasser Thema war, oder ob es darum ging aus Schnee mit grosser Show ein Sorbet zu zaubern. Einmal mehr liess sich Rolf Mürner die Küchenchefs hinter die Geheimnisse seiner Dessertwelten blicken.

Höhepunkt des alle zwei Jahre stattfindenden ICD ist jeweils die Award-Night am dritten Tag der Veranstaltung. Aus insgesamt 15 Nominationen in 5 Kategorien wählte eine renommierte Jury je einen Award-Gewinner. Ausgezeichnet wurden:

Die Firma Victorinox in der Kategorie Non-Food-Technologie

Wiberg Gewürze in der Kategorie Food Technologie

Den Preis als innovativer Trendsetter holte sich das Tropenhaus Frutigen für seine Störzucht in den Schweizer Alpen

Sandro Zinggeler, Gewinner des Wettbewerbes „La cuisine des Jeunes“, ist ausgezeichnet worden als New Talent

Für sein Lebenswerk und seine Persönlichkeit zeichnete die Jury Anton Mosimann, Schweizer Starkoch in London, aus. Mosimann zeigte sich tief bewegt von seiner Wahl: „Ich wäre nie so weit gekommen, ohne alle die guten Menschen um mich herum, ohne meine Lehrmeister und ohne meine Vorbilder.“

Ausnahmsweise hat die Jury dieses Jahr zudem noch einen Sonderpreis vergeben. Er geht an Georges Knecht, langjähriger Präsident des Schweizer Kochverbandes und heutiger Präsident der Hotel&Gastro Union. Die Jury würdigte damit speziell Knechts Verdienste um die Branche wie um den Beruf des Koches. Georges Knecht zeigte sich wie schon Anton Mosimann tief berührt von der Auszeichnung.

Die International Chef Days (ICD) und die Award-Verleihungen fanden 2010 zum vierten Mal statt. Der ICD-Award ist aus einer Idee und auf Initiative der fünf engagierten Graubündner Köche – Pesche Lüthi, Andy Kiefer, Paul Häne, Kurt Jaussi und Stefan Lanz – entstanden. Der Anlass ist gedacht als Netzwerk-Möglichkeit für Schweizer und internationale Köche. Er findet alle zwei Jahre jeweils im August in Davos statt. Neben den Award-Verleihungen in Davos werden jedes Jahr die besten Koch-Lernenden aller Kantone vom ICD-Award speziell ausgezeichnet; in den „Zwischenjahren“ jeweils an der IGEHO in Basel.
2010 haben 800 Besucher aus sechs Nationen am ICD-Award teilgenommen.

Neuer Tête de Moine AOC

07.09.2010 – (lid) – Die Sortenorganisation Tête de Moine lanciert mit dem Tête de Moine AOC Reserve einen neuen Käse.
Der Tête de Moine AOC Reserve zeichne sich durch einen feinen Teig und würzig-aromatischen Geschmack aus, schreibt die Sortenorganisation Tête de Moine in einer Medienmitteilung. Der Käse reife mindestens vier Monate, was zum charakteristischen Geschmack führe. Nach AOC-Pflichtenheft müsste ein Tête de Moine nur mindestens 2,5 Monate reifen.

ORIOR Gruppe steigert Umsatz und Gewinn

(Orior Zürich, 31. August 2010) – Die im Detailhandel und in der Gastronomie stark verwurzelte ORIOR-Gruppe, welche nach einem erfolgreichen IPO seit April diesen Jahres an der Schweizer Börse kotiert ist, hat im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2010 erfolgreicher gearbeitet als je zuvor. Trotz Preissenkungen bei den Rohwaren und den damit verbundenen Senkungen der Verkaufspreise gelang es, 2010 den Nettoerlös gegenüber der Vergleichsperiode um 1.6 Prozent auf die neue Rekordmarke von CHF 246.7 Mio. zu steigern. Der sich positiv entwickelnde Privatkonsum führte zu einer noch stärkeren Zunahme des Absatzvolumens um 4.4 Prozent.

Erfreulicherweise übertraf die Ertragsentwicklung trotz steigendem Preisdruck jene von Umsatz und Volumen: der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) stieg um 5.8 Prozent auf CHF 26.1 Mio., was einer EBITDA-Marge von 10.6 Prozent entspricht. Während der EBIT um 6.7 Prozent auf CHF 19.4 Mio. gesteigert werden konnte, nahm der Reingewinn trotz der mit dem Börsengang verbundenen einmaligen Sonderkosten um 3 Prozent auf CHF 10.3 Mio. zu.

Der erfreuliche Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr und die dem Unternehmen durch den Börsengang zugeflossenen Mittel beeinflussten auch die Bilanz von ORIOR positiv. Die Nettoverschuldung Dritter konnte markant von CHF 121.1 Mio. (per Ende Dezember 2009) auf CHF 88.6 Mio. zurückgeführt werden, während sich das Eigenkapital annähernd verdreifachte und nun CHF 153.9 Mio. erreicht. Daraus ergibt sich eine solide Eigenkapitalquote von 40.7 Prozent.

„In Übereinstimmung mit unseren strategischen Zielsetzungen ist es uns gelungen, das Ertragswachstum in einem wettbewerbsintensiven Umfeld noch stärker als das Umsatz- und Volumenwachstum zu steigern und damit den besten Halbjahresabschluss seit Bestehen von ORIOR zu erzielen“, kommentiert CEO Rolf U. Sutter den Verlauf des ersten Halbjahres. „Diese Entwicklung ist auch eine Bestätigung unserer Strategie, mit den drei Segmenten Convenience, Refinement sowie Corporate, Export und Logistik, auf jene Kompetenzen zu fokussieren, in denen wir besonders stark sind und uns führende Marktpositionen sichern zu können.“

Mit zum guten Betriebsergebnis beigetragen haben die seit zwei Jahren laufenden, segmentübergreifenden Wertsteigerungsinitiativen, die insbesondere auf die Optimierung betrieblicher Prozesse ausgerichtet sind und zu entsprechenden Effizienzsteigerungen führen. Dies ermöglichte es auch, die höheren Volumen mit einem praktisch unveränderten Personalbestand von rund 1’250 Mitarbeitenden zu bewältigen.

Der um 3 Prozent gesteigerte Reingewinn von CHF 10.3 Mio. wurde einmalig durch die bis zum IPO noch deutlich höheren Finanzierungskosten und die Kosten von knapp CHF 1 Mio. aufgrund der vorzeitigen Ablösung des Kreditvertrages negativ beeinflusst. Ohne diese Kosten hätte sich der Reingewinn um mehr als 10 Prozent verbessert. Die deutlich günstigeren Finanzierungskosten unter dem Regime der neuen Kreditvereinbarung werden sich in Zukunft positiv auf das Finanzergebnis niederschlagen.

Das strategisch zentrale Segment Convenience verzeichnete eine in allen Bereichen überzeugende Entwicklung. Dabei konnten die Verkäufe nicht nur im Detailhandelskanal, sondern insbesondere auch in der Gastronomie gesteigert werden. Die innovativen und qualitativ hochwertigen Frisch-Convenience-Produkte bereichern das Angebot für den Gast ohne Zusatzaufwand für den Restaurateur und stossen deshalb im Gastgewerbe auf immer höhere Akzeptanz. Während der Umsatz des Convenience-Segments im Vorjahresvergleich um 3 Prozent auf CHF 99.8 Mio. zunahm, konnte der EBITDA um 19.3 Prozent auf CHF 14.8 Mio. gesteigert werden. Einmal mehr bestätigte sich die hohe Ertragskraft des Convenience-Geschäftes: mit 38.7 Prozent des Umsatzes erzielt das Segment 56.7 Prozent des EBITDA der Gruppe.

Das Segment Refinement bestätigt seine Bedeutung als zentrale Stütze der Gruppe. Mit einem gegenüber dem Vorjahr stagnierenden Umsatz von CHF 145.6 Mio. (- 0.9 Prozent) gelang es, in einem aggressiven Konkurrenzumfeld das rekordhohe Niveau der Verkäufe des Vorjahres annähernd zu halten. Intensive Marketingmassnahmen und höhere Energie-Kosten führten zu einer Einbusse beim EBITDA von CHF 0.4 Mio. auf CHF 13.2 Mio.

Das Segment Corporate, Export und Logistik erzielte vor allem wegen des stetig wachsenden Verkaufserfolges im Ausland einmal mehr hohe Zuwachsraten. Das Volumen der abgesetzten Produkte nahm um 52.6 Prozent, der Umsatz um 24.3 Prozent zu. Aufgrund des scharfen Wettbewerbs, der Schwäche des Euros und vor allem aufgrund der IPO-bedingten Einmalkosten blieb der EBITDA mit CHF -1.9 Mio. (Vorjahr -1.4 Mio.) im negativen Bereich.

„Vorbehaltlich unvorhersehbarer Entwicklungen erwarten wir, dass sich das traditionell leicht stärkere zweite Halbjahr noch besser als das erste entwickeln wird,“ sagt CEO Rolf Sutter zu den Perspektiven von ORIOR. Entsprechend dürfte das laufende Geschäftsjahr 2010 umsatz- und ertragsmässig leicht über dem Vorjahr abschliessen und ORIOR eine neue Bestmarke setzen lassen. In dieser Beurteilung baut Rolf Sutter auf den guten Geschäftsverlauf im Juli und August und auf die weiterhin gut gefüllte Innovationspipeline. „Diese wird es uns erlauben, sowohl im Convenience- wie auch im Refinement-Segment weiterhin als Trendsetter zu agieren und neue oder neu interpretierte Produkte einzuführen“ sagt dazu Rolf U. Sutter. Dies wird sich ebenso wie die erfolgreichen Food Service-Konzepte für die Gastronomie positiv auf den Umsatz auswirken.

ORIOR als traditionsreiche Schweizer Lebensmittelgruppe erzielte 2009 mit knapp 1’300 Mitarbeitenden einen Umsatz von CHF 501 Mio. ORIOR ist auf die Herstellung und Distribution von Frisch-Convenience-Food inklusive vegetarischer Delikatessen und auf die Fleischveredelung spezialisiert. Sie hält mit ihren innovativen Produkten und den Marken Rapelli, Ticinella, Spiess, Le Patron, Pastinella und Natur Gourmet wichtige Marktpositionen in rasch wachsenden Nischen im Schweizer Detailhandel und in der Gastronomie sowie in ausgewählten Absatzkanälen im benachbarten Ausland.