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Die Preisspirale dreht weiter aufwärts

Im Ausland wird Schweizer Käse im Herbst erneut teurer. Zum ersten Mal gilt dies auch für exportierte Molkereiprodukte. Macht der Handel mit, war die grosse Frage an der InterMopro.

von Alimenta Import

«Wenn die Währungsverluste in zehn Monaten 14 Prozent betragen, wird die Lage für Schweizer Milchprodukte definitiv ernst», sagt der Deutschland-Chef des grössten Milch- und Käseproduktexporteurs der Schweiz, Emmi. Thomas Schiemann stellt sich die Grundsatzfrage, wie lange im EU-Raum noch Schweizer Käse verkauft werden kann, wenn gleichzeitig die Verkäsungszulage wegfallen soll. Überall steht jetzt das Weihnachtsgeschäft an. Hier hat der deutsche Handel laut Schiemann kein Verständnis mehr, dass nun die Preise zum zweiten Mal innert fünf Monaten angehoben werden.

Total 12% Preiserhöhung
Andreas Müller-Henze, Chef von Switzerland Cheese Marketing (SCM) Deutschland, relativiert. Schliesslich könne kein Einzelhändler auf Appenzeller, Gruyère oder Emmentaler verzichten. Trotzdem: Drohungen, Produkte auszulisten, gibt es. Kein deutscher Importeur kann die Wechselkurse abfangen, auch die Einzelhändler nicht, so werden die Preise auf den Konsumenten abgewälzt.
Die Preise für Käse werden nun also noch im November um 6% steigen. Dies zum zweiten Mal nach der Erhöhung um ebenfalls 6% im Mai/Juni dieses Jahres. Erstmals sollen auch Produkte der weissen Linie, bei der bis anhin aus marktpolitischen Gründen auf Preiserhöhungen verzichtet wurde, um 8,5% teurer werden. Thomas Schiemann sagt, dass Emmi nun vom teuersten Anbieter zum ­«superteuersten» avanciere. Emmi ist der ­einzige namhafte Schweizer Exporteur von ­Molkereiprodukten und steht mit seinen ­Produkten nur zu deutschen, günstigeren Produkten in Konkurrenz. Schiemann stören nicht Markenprodukte von Molkereien, sondern die billigen Eigenmarken von Händlern, die im Caffè-Latte-Segment mit Preisen von 49 Cents operieren. Emmis Caffè Latte wird für 1,29 Euro angeboten – ein Preis, der im November um 8,5% angehoben wird.

Die Menge fällt zusammen
«Der Herbst wird spannend», ist SCM-Deutschland-Chef Müller-Henze überzeugt. Eigentlich sollten die Exporte wachsen. «Wegen des schwachen Euros ist dies aber kaum möglich.» Im Gegenteil: Er rechnet damit, dass das Exportvolumen zusammenfallen wird.
Einzig Spezialitäten liessen sich weiter gut verkaufen, ist Käsehändler Walo von Mühlenen überzeugt. «Wenn aber an der deutschen Theke für Schweizer Käse 40 Euro bezahlt werden müssen und an der nächsten für
ein deutsches Rindsfilet nur 20 Euro, ist dies ­bedenklich.» Emmentaler AOC, der in der Aktion im Supermarkt schon jetzt 12,90 Euro koste, werde vom Konsumenten mit Käse­sorten wie Maasdammer und Gouda oder eben deutschem Emmentaler verglichen, der für 6,90 Euro zu haben sei. Unter diesen Vor­zeichen geht auch von Mühlenen davon aus, dass die Exportmenge zurückgehen wird. Die Schweizer Milchwirtschaft müsse sich deshalb überlegen, ob nur die Überschüsse der weissen Linie gestützt werden sollen.
Auch die Produzenten der ebenfalls an der ­InterMopro anwesenden Genossenschaft der Weich- und Halbhartkäsefabrikanten (SGWH) werden die Preise im November erhöhen. Der Entscheid liege grundsätzlich jedoch bei den einzelnen Käsern, sagt Daniel Abächerli.

Fleisch hat noch eine geringe Bedeutung
Schrecken die Erfahrungen der Käsehändler nun die Fleischbranche ab, die auf dem Sprung in den europäischen Markt ist? ­Patrick ­Wilhem von Micarna, die an ihrem Stand an der InterMeat Bündnerfleisch, aber auch Rohschinken oder Rohessspeck präsentierte, sagt, dass der europäische Kunde kein Verständnis für eine währungsbedingte Preiserhöhung zeige. Für die Fleischwirtschaft scheint die ­Situation nicht so einschneidend wie beim Käse, weil der Export noch auf einem tieferen Niveau läuft.
Schlimmer findet Patrick Wilhem den zunehmenden Einkaufstourismus mit dem grenznahen Ausland.
Ein negatives Beispiel, in dem aufgrund des schlechten Währungskurses Menge verloren gegangen ist, hat Wilhem in Schottland erlebt, wo Micarna vor drei Jahren Fleisch exportierte. Durch den damals gegenüber dem Pfund stark steigenden Euro verlor das Geschäft für den Kunden rasch an Attraktivität. Trotz allem werde heute gesamthaft die vierfache Exportmenge gegenüber 2006 erreicht, sagt Wilhem.

Der Überflieger

Keine Sorgen mit dem Währungskurs hat Erich Kienle. Der ehemalige Emmi-Mar­ke­tingchef hat mit seiner Firma Innoprax im ­letzten Sommer das Milchmischgetränk ­«Shakeria» lanciert. Der Marktanteil sei innerhalb von drei Monaten auf 10% angestiegen, wusste er in Düsseldorf zu berichten. Von der Inter­Mopro aus soll der weltweite Markt erobert werden. Laut Kienle sind auch schon erste ­Lieferungen in Länder wie Turkmenistan oder China geplant, «und zwar nicht nur palettweise, sondern in Containern», wie er betont. Das UHT-Milchmischgegtränk ist prädestiniert für den Transport über weite Distanzen, muss es doch erst kurz vor dem Verkaufspunkt gekühlt werden, was ­Kosten spart.
Omer Aloussy, der Marketingchef von Elsa, will die Preise wenigstens dieses Jahr nicht erhöhen. Der Exportanteil von Elsa erreicht 15 Mio. Euro, vor allem mit Joghurts, Grande Caffè und Desserts. Für Aloussy ist die spezifische Positionierung entscheidend, gerade im Premiumbereich mit Dessertsprodukten, die einen grösseren Spielraum erlauben würden.