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BAG verzichtet auf Gesund-Label

Deutliche Ablehnung von fast allen Seiten

von Foodaktuell Importer


Mit einem Label für gesunde Lebensmittel wollte das Bundesamt für Gesundheit einen Beitrag zur Volksgesundheit leisten. In der Konsultation wurde das Vorhaben nun abgeschmettert.

Wer ins Ladenregal greift, soll auf einen Blick erkennen, ob das gewählte Lebensmittel gesund ist oder nicht. Das ist die Wunschvorstellung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), der Präventionsmediziner – und vielleicht auch der Konsumentinnen und Konsumenten. Denn Übergewicht durch falsche Ernährung wird in den westlichen Gesellschaften zum immer grösseren Problem.

Um die Wunschvorstellung zu realisieren, liebäugelte das BAG mit einem Label, das “Bewusst wählen”, auf Englisch “Choices”, heisst und vom Konzern Unilever erfunden wurde. Die Konsultation bei allen Beteiligten, die von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung durchgeführt wurde, hat nun aber gezeigt, dass das Label keine Chance hat.

Deutliche Ablehnung, kommt nicht nur von Seiten der Lebensmittelhersteller, sondern auch vom Detailhandel und den Konsumentenorganisationen. Selbst Gesundheits- und Präventionsorganisationen befürworten das Label nur teilweise. Der 160 Seiten starke Bericht mit den Konsultationsergebnissen verdeutlicht nicht nur, wie vielfältig die Argumente gegen das Label sind, sondern wie komplex das Thema gesunde Ernährung an sich ist, und wie vielfältig die Interessen.

Die Rede ist immer wieder von Bevormundung, von einer Verwirrung der Konsumenten, vom zweifelhaften Nutzen auf das Ernährungsverhalten. Zugespitzt ist die Kritik in dem Satz: “Es gibt keine gesunden und ungesunden Lebensmittel, sondern nur gesunde und ungesunde Ernährungsweisen.”

“Choices” wird heute bereits von Unilever und einigen weiteren Firmen verwendet. Es kennzeichnet jeweils das gesündeste Produkt aus einer Produktgruppe. So kann es beispielsweise sein, dass ein Jogurt mit 8 Gramm Zucker auf 100 Gramm das Label nicht erhält, während ein anderes Produkt mit 20 Gramm Zucker auf 100 Gramm als “gesund” ausgezeichnet wird, weil es einer anderen Kategorie angehört.

Trügerischer Nutzen

Aufschlussreich ist die Befragung, die bei Konsumenten durchgeführt wurde. Viele Konsumenten fanden vor allem die Ampel-Kennzeichnung hilfreich und glaubten, dadurch die richtigen Produkte für eine möglichst gesunde Ernährung zu treffen. Auch Nährwertangaben wurden als hilfreich erachtet. Tatsächlich führten diese beiden Kennzeichnungen aber häufig zur falschen Wahl. Die Gesellschaft für Ernährung zieht aus der Studie das Fazit, dass die Kombination von GDA und Label den grössten Nutzen bringen würde.

Das BAG will ungeachtet des Scheiterns der Kennzeichnungen die Information der Konsumenten über Lebensmittel verbessern. So soll im Gleichschritt mit der EU eine Nährwertkennzeichnung obligatorisch werden. Das werde aber nicht ausreichen, findet man beim BAG. Viele Konsumentinnen und Konsumenten wünschten sich weitere Entscheidungshilfen für die gesunde Wahl von Lebensmitteln. Man wolle gemeinsam mit Konsumentenorganisationen und mit der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung Vorschläge dazu erarbeiten.

Drei Varianten, ein Ziel

Für die Kennzeichnung von “gesunden” Lebensmitteln sind in Europa zurzeit drei Varianten im Gebrauch:



Die Ampel: Rote, gelbe und grüne Punkte zeigen, ob ein Lebensmittel einen hohen, mittleren oder tiefen Anteil an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz enthält.


Die Guideline Daily Amounts (GDA), die angibt, wie viel Prozent des täglichen Bedarfes an Fett, Energie, Zucker Salz oder Eiweiss ein Produkt enthält.

Das Label “Choices” (Bild siehe oben), das aus einer Produktegruppe jeweils die Produkte kennzeichnet, die einen bestimmten Gehalt von gesättigten Fettsäuren, Transfettsäuren, Natrium und Zucker nicht übersteigen. (Text: LID / Roland Wyss-Aerni)

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