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Stabiler Milchmarkt via Segmentierung in Verträgen

Die Erfahrungen im ersten Jahr der Kontingentierung haben gemäss BO Milch gezeigt, dass eine Mengensteuerung auf nationaler Ebene sowohl bei Verarbeitern wie Produzenten auf Widerstand stosse.

von Foodaktuell Importer


Die Branchenorganisation Milch will gemäss Vorstandsentscheid vom 21. September 2010 die Verantwortung für die Mengensteuerung stärker an die Markt- und Vertragspartner delegieren. Damit reagiert die BO Milch auf die Branchenbedürfnisse und auf die liberalisierten Rahmenbedingungen. Mit verbindlichen Instrumenten soll jedoch die Erhaltung und Förderung der Wertschöpfung über alle Stufen gewährleistet werden.

Der Vorstand der BO Milch bekennt sich mit einem verbindlichen Entscheid zum Seminarergebnis vom 2./3. September 2010. Die neu definierten Instrumente zur Stabilisierung des Milchmarktes fanden sowohl auf Produzenten- wie auch auf der Verwerterseite eine mehrheitliche Zustimmung. Die Erfahrung im ersten Jahr nach der Kontingentierung zeigt deutlich, dass eine Steuerung der Milchmenge auf nationaler Ebene sowohl von der Verwerter wie auch von der Produzentenseite zunehmend auf Widerstand stösst. Die zunehmend liberalisierten Märkte führen zu mehr Gestaltungsfreiraum aber auch zu mehr Verantwortung für die einzelnen Marktpartner.

Aus dieser Erkenntnis müssen die aktuellen und reglementarisch vorgegebenen Rahmenbedingungen für eine nationale und kollektive Mengensteuerung überarbeitet und den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Marktakteure angepasst werden. Die Mengensteuerung soll primär in die Verantwortung der Vertragspartner delegiert werden. Zur Stabilisierung der Märkte und zur Erhaltung der Wertschöpfung über alle Stufen will die BO Milch jedoch verbindliche Rahmenbedingungen festlegen.

Eine im Detail definierte und vertraglich verankerte Segmentierung des Milchkaufes soll verhindern, dass über den Marktbedarf gemolkene Mengen wertschöpfungsstarke Märkte und letztendlich die Produzentenpreise bedrohen. Die Transparenz der Milchkaufverträge soll zudem die Kanalisierung der Milch hin zu möglichst wertschöpfungsstarken Absatzkanälen unterstützen. Die Details dieser Neuausrichtung werden an einer ausserordentlichen Vorstandssitzung kon-kretisiert und anschliessend der Delegiertenversammlung zum definitiven Entscheid vorgelegt.

Der Vorstand hat an der Sitzung vom 21. September 2010 zudem den Richtpreis für das letzte Quartal des Jahres 2010 festgelegt. Aufgrund der aktuellen Marktlage bleibt der Richtpreis unverändert bei 65.0 Rp. pro kg Milch. (Branchenorganisation Milch vom 22. September 2010)

Vorgeschichte: Marktsegmentierung statt nationale Mengensteuerung

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hat an einem Seminar vom 2./3. September 2010 die Schwächen der bestehenden Instrumente analysiert und aus der Erkenntnis die Möglichkeiten und Grenzen einer nationalen Mengensteuerung diskutiert. Im weitgehend liberalisierten System sollen die Marktakteure für die Mengensteuerung mehr Eigenverantwortung übernehmen und somit einen Beitrag zur Marktstabilität leisten. Dazu ist das Vertragswesen durch erhöhte Verbindlichkeit und Transparenz zu stärken. Der definitive Entscheid über die künftige Ausrichtung der BO Milch ist durch die DV im November zu fällen.

Die bisherigen Mengenführungsentscheide und die damit verbundenen Umsetzungsschwierigkeiten veranlassten den Vorstand der BO Milch, im Rahmen eines Seminars über die grundsätzliche Ausrichtung und über die künftigen Aufgaben zu diskutieren. Die Möglichkeiten einer Mengensteuerung in einem weitgehend liberalisierten System wurden umfassend analysiert. In der Folge wurden neue Lösungsansätze vorbereitet. Generell wird angestrebt, dass die Marktakteure die primäre Verantwortung für die Mengenfestlegung wahrnehmen und dass im Gegenzug mit verbindlichen Vertragsvorgaben die erforderliche Stabilität erreicht werden soll.

Anstelle der heutigen Segmentierung über Vertrags-, Börsen- und Abräummilch soll in Zukunft eine verbindliche Segmentierung direkt in den Verträgen vorgenommen werden. Diese Segmentierung soll je Verwerter nach dem effektiven Verwendungszweck erfolgen. A-Milch ist für den geschützten und gestützten Bereich vorgesehen, B-Milch primär für den Export in die EU. C-Milch ist für Produzenten gedacht, welche zu tieferen Preisen Zusatzmengen ohne Stützung des Bundes für Märkte ausserhalb der EU produzieren wollen. Zur Förderung des gegenseitigen Vertrauens soll den Vertragsparteien das Recht zur Transparenz eingeräumt werden.

Mehr Sicherheit soll auch dadurch geschaffen werden, indem die Branchenorganisation einen Normvertrag mit den notwendigen Eckpunkten zur Verfügung stellen will. Anstelle von verbindlichen Mengenvorgaben sollen Anreize zur Markterschliessung und zur Wertschöpfungssteigerung geschaffen werden. Die BO Milch bekennt sich stärker zu den liberalisierten Rahmenbedingungen und will mit weniger verbindlichen Instrumenten eine gemeinsame Plattform für alle Akteure der Schweizerischen Milchwirtschaft sein. Die Milchbörse soll ergänzend als freiwillige Handelsplattform erhalten bleiben.

Die überwiegende Mehrheit der Produzenten- wie auch der Verwerterseite befürwortet diese angestrebte Neuausrichtung. An der Vorstandssitzung vom 21. September 2010 sollen die Erkenntnisse aus dem Seminar konkretisiert und zu Handen der Delegiertenversammlung vom 24. November 2010 verabschiedet werden. Zudem hofft der Vorstand, dass die Motion Aebi rasch im Parlament behandelt wird und dass dadurch rasch Klarheit über die künftig geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden kann. (Branchenorganisation Milch vom 6. September 2010)