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WEEKENDNEWS 2.Oktober 2010

Milchmengen-Steuerung: Nationalrat stimmt Motion Aebi deutlich zu / Confiseur Läderach plant eigenen Couverture-Herstellbetrieb / Fial: Wenig Freude an der Swissness-Vorlage / Projekt Alplammfleisch lanciert

von Foodaktuell Importer

Nationalrat stimmt Motion Aebi deutlich zu

01.10.2010 – (lid) – Der Nationalrat hat der Motion von Andreas Aebi (SVP) zur Milchmengensteuerung zugestimmt.
SVP-Nationalrat Andreas Aebi hatte mit seiner Motion im Nationalrat Erfolg. (lid)
Der Nationalrat sprach sich mit 104 zu 60 Stimmen bei 20 Enthaltungen deutlich für die Annahme der Motion aus. Der Bundesrat hatte die Motion zur Ablehnung empfohlen. Bundespräsidentin Doris Leuthard hatte von einer neuen Milchkontingentierung gesprochen.

Die Überproduktion von Milch sei nicht ein Problem des Bundes, sondern hausgemacht, die Branche habe den Übergang ins neue System bis heute nicht im Griff. Laut Motionär Andreas Aebi ist sein Vorschlag aber keineswegs eine Rückkehr zur Milchkontingentierung. Jeder, der zu guten Preisen mehr Milch verkaufen könne, könne dies auch weiterhin tun. Die Motion geht nun in den Ständerat, der sie voraussichtlich in der Wintersession behandeln wird.

Erfreut über den Entscheid zeigten sich die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der Schweizerische Bauernverband (SBV). Die SMP spricht in einer Medienmitteilung von einem deutlichen Zeichen gegen den Verdrängungskampf innerhalb der Milchbranche und gegen weiter sinkende Milchpreise. Der SBV sieht in der Annahme der Motion einen klaren Entscheid im Sinne eines ausgeglichenen Milchmarktes und will sich dafür einsetzen, dass die Motion auch im Ständerat eine Mehrheit findet. Neben der Motion Aebi brauche es aber noch weitere Massnahmen, um einen gesunden Milchmarkt zu erreichen, schreibt der SBV in einer Medienmitteilung. So benötige man klare Regeln für die Milchkauf- und Milchverkaufverträge sowie Vorgaben zur Segmentierung über die gesamte Milchbranche.

Weltweite Fleischproduktion wächst

01.10.2010 – (lid) – Die wichtigsten Fleischproduzenten erzeugen laut US-Agrarministerium (USDA) 2010 weltweit rund 238 Millionen Tonnen Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch.
Dies entspricht einer Zunahme um neun Prozent seit 2005, wie aiz.info schreibt. Gründe dafür sind das Bevölkerungswachstum sowie die zunehmende Kaufkraft, vor allem in Asien. Laut der International Permanent Meat Organization (OPIC) müsste die Fleischproduktion in den nächsten 40 Jahren verdoppelt werden, um mit dem Verbrauchswachstum Schritt halten zu können.

Confiseur Läderach plant eigenen Couverture-Herstellbetrieb

Läderach, 1. Oktober 2010 – Die Confiseur Läderach AG will in Zukunft ihre hochwertigste
Schokolade-Couverture unter Verwendung selektiv beschaffter Kakaobohnen vermehrt selbst
herstellen. Das Glarner Familienunternehmen baut damit die Kontrolle über sein exklusives handwerkliches Confiserie-Sortiment weiter aus, nachdem seit dem Kauf der Merkur-Confiserien AG 2004 bereits der direkte Verkauf an die Endkonsumten in heute rund 30 Schokolade-Boutiquen in der Schweiz erfolgreich umgesetzt wurde. Die Investition in die Verarbeitung des wichtigen Rohstoffes Kakao erlaubt es Läderach künftig, die gesamte Wertschöpfungskette eigenverantwortlich zu steuern.

Mit der Stärkung der eigenen Kakaokompetenz und deren Ausrichtung an den Firmenwerten leistet das Unternehmen zudem einen weiteren eigenen konkreten Beitrag zur sozial-ethischen Beschaffung. Läderach wird bis Mitte 2012 in unmittelbarer Nähe zum eigenen Logistikzentrum in Bilten/GL einen Neubau mit modernsten Produktionsanlagen erstellen. Damit wird indirekt auch der Produktionsstandort in Ennenda gestärkt, indem die dort noch überbaubaren Landreserven für zukünftige Fabrikationserweiterungen, resp. für die Realisierung neuer Produktideen, verfügbar bleiben.

Die Confiseur Läderach AG mit Sitz in Ennenda wird in zweiter Generation von Jürg Läderach, Sohn des Firmengründers, geführt. Zur Firmengruppe gehören nebst der Merkur Confiserien AG (2004) auch weitere Gesellschaften in Deutschland (1981) und Rumänien (1994). Das unabhängige Familienunternehmen beschäftigt heute weltweit 800 Mitarbeitende und etablierte sich als Vertrauensadresse für professionelle Anwender im Fachhandel und in der gehobenen Gastronomie für eine breite Auswahl hochwertigster Schokolade- und Konfektspezialitäten. Seit der Übernahme der Merkur Confiserien AG entwickelt das Unternehmen schrittweise ein erfolgreiches Konsumentengeschäft mit eigenen Boutiquen im In- und Ausland. Nebst dem schweizweiten Vertrieb exportiert die Confiseur Läderach AG ihre handgefertigten Kreationen in die ganze Welt. Zu den wichtigsten Exportmärkten zählen Japan, der Mittlere Osten, die USA, Grossbritannien und Südostasien.

BIG-M kritisiert VMI scharf

29.09.2010 – (lid) – Die Interessengruppe für bäuerlichen Marktkampf (BIG-M) kritisiert die Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie (VMI) scharf. Diese hatte in einer Medienmitteilung eine Ablehnung der Motion von SVP-Nationalrat Andreas Aebi gefordert, weil diese die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten schweizerischen Milchbranche gefährde.

Die VMI habe erneut zum Ausdruck gebracht, dass die Verarbeiter nicht gewillt seien, zusammen mit den Produzenten eine Lösung in der BOM zu finden, schreibt BIG-M in einer Medienmitteilung. Der Frontalangriff auf die Produzenten zeige das wahre Gesicht der Milchverarbeiter. Gerade die VMI sei mit ihren in x-beliebiger Höhe abgeschlossenen Lieferverträgen mitverantwortlich für das Butterbergchaos. Auch tue sich die Milchindustrie offensichtlich schwer damit, dass bei Annahme der Motion Aebi die Produzenten erstmals auch beim Preis mitreden könnten. BIG-M schreibt weiter, dass man sich die Abstimmung über die Motion Aebi vom Freitag, 1. Oktober, sehr genau anschauen werde und registriere, wer wie abstimmt. Daraus würden dann die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Fial: Wenig Freude an der Swissness-Vorlage

27.09.2010 – (lid) – Die Foederation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (fial) bekräftigt ihre ablehnende Haltung gegenüber der vom Bundesrat vorgeschlagenen Swissnessvorlage. Befürwortet wird ein Freihandel im Agrar- und Lebensmittelbereich mit der EU.
Der Tag der Schweizer Nahrungsmittel-Industrie von Montag, 27. September, handelte vom Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und staatlicher Regulierung. Im Zentrum stand die vom Bundesrat 2009 verabschiedete Swissnessvorlage, wonach Lebensmittel nur mit dem Schweizerkreuz werben dürfen, wenn die Rohstoffe zu 80 Prozent aus dem Inland stammen.

Für Oscar A. Kambly, Verwaltungsratspräsident der Kambly SA, schiesst die Vorlage weit übers Ziel hinaus. Entscheidend sei bei verarbeiteten Lebensmitteln der Ort der Wertschöpfung. Denn darin spiegle sich das Schweizerische der Produkte wider: Qualität, Wissen, Arbeitsleistung und Innovation. Dürfe die Bezeichnung „Schweiz“ nicht mehr gebraucht werden, fehle der Lebensmittelindustrie der Anreiz, überhaupt noch Schweizer Rohstoffe zu verarbeiten. Das bekämen letztlich auch die Bauern zu spüren.

Monique Bourquin, Country Managing Director von Unilever Schweiz, bezeichnete die 80 Prozent-Regel als „Landesverweis“: So dürfte etwa die von Knorr produzierte Basler Mehlsuppe nicht mehr als Schweizer Produkt beworben werden. Das Problem bestehe darin, so Bourquin, dass getrocknetes Gemüse, Gewürze, Kräuter und Pilze meist nicht in der erforderlichen Menge und Qualität in der Schweizer bezogen werden könnten. Falls die Vorlage wie vom Bundesrat vorgesehen umgesetzt wird, sieht sie den Produktionsstandort Schweiz für Unilever in Gefahr.

Auch Roland Decorvet, Generaldirektor von Nestlé Schweiz, kann der Swissnessvorlage wenig Positives abgewinnen: So könnten etwa die Produkte „Le Parfait“ und „Thomy Senf“ nach der vorgeschlagenen Regelung nicht mehr als Schweizer Produkte verkauft werden.
Der Präsident der fial, Ständerat Rolf Schweiger, plädierte in seinem Referat mit Blick auf den gesättigten Inlandmarkt für einen umfassenden Freihandel im Agrar- und Lebensmittelbereich mit der EU. Die Nahrungsmittel-Industrie begrüsst, so Schweiger, den vom Bundesrat unlängst bestätigten Kurs für die Liberalisierung der Schweizer Landwirtschaft.

Ständerat will Transitverbot für Schlachttiere nicht gesetzlich verankern

29.09.2010 – (lid) – Mit 19 zu 18 Stimmen hat der Ständerat am Mittwoch beschlossen, das Transitverbot weder im Gesetz zu verankern noch auf Pferde und Geflügel auszuweiten.Der Ständerat will bei der heutigen Regelung bleiben, wonach der Transport von Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen durch die Schweiz zwar verboten, aber nicht gesetzlich festgeschrieben ist. Zudem soll das Transitverbot nicht auf weitere Schlachttiere wie Pferde und Geflügel ausgedehnt werden.

Die Gegner betonten, dass eine Regulierung überflüssig sei, zumal der Transport von Klauentieren bereits verboten sei. Und der Transport anderer Tierarten würde kein Problem darstellen.
Der Nationalrat hatte in der Frühjahrssession eine Ausweitung des Transitverbotes auf Pferde und Geflügel sowie eine gesetzliche Verankerung beschlossen. Die grosse Kammer wollte damit das bestehende Verbot bessern absichern, zumal die EU auf dessen Aufhebung drängen könnte, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. Weil sich der Ständerat nun anders entschied, geht die Vorlage zurück an die grosse Kammer.

Projekt Alplammfleisch lanciert

Diese Tage kehren die Lämmer, die den Sommer auf der Alp verbracht haben, ins Tal zurück. Ihr Fleisch ist bei der Genossenschaft Migros Ostschweiz ab dem 27. September unter der Bezeichnung „Alplamm“ erhältlich. Die Genossenschaft prüft gemeinsam mit dem Schweizerischen Schafzuchtverband, Micarna und dem Schweizerischen Bauernverband in einem Pilotprojekt das Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten an Schweizer Alp-Lammfleisch.

Norbert Lenherr ist Landwirt in Grabs. Auf seinem Landwirtschaftsbetrieb, dem Güetli, hält er Mutterkühe und Schafe. Jedes Jahr gibt er seine Lämmer auf die Grabseralp und den Schibenstoll. Wie Lenherr schicken auch viele andere ihre Lämmer auf die Alp. In den Kantonen Sankt Gallen, Appenzell Inner- und Ausserrhoden sowie Graubünden sind es jährlich über 50’000 Tiere. Die Lämmer bewegen sich frei und ohne Stress auf den Alpwiesen und fressen die würzigen Alpkräuter, die hier im Sommer wachsen. Sie verhindern, dass die Weiden verbuschen oder verwalden und tragen dazu bei, dass die typische Berglandschaft erhalten wird. Im Herbst, wenn es in den Bergen kalt wird und der erste Schnee fällt, kehren sie ins Tal zurück.

Damit sich der Aufwand lohnt, sind die Besitzer der Lämmer auf einen fairen Preis angewiesen. Diesen Herbst setzen Norbert Lenherr und andere Schafhalter ihre Lämmer über ein Alplamm-Pilotprojekt ab. Dabei erhalten sie einen Mehrpreis. Der Schweizerische Schaf-zuchtverband, Micarna, die Genossenschaft Migros Ostschweiz und der Schweizerische Bauernverband prüfen in diesem Pilotprojekt ob das Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten an Schweizer Alp-Lammfleisch vorhanden ist. Vom 27. September bis 26. November ist in den Verkaufsstellen der Genossenschaft Migros Ostschweiz Lammfleisch von Tieren erhältlich, die den Sommer auf St. Galler, Bündner und Appenzeller Alpen verbracht haben. Das Fleisch wird am Verkaufspunkt mit einem speziellen Alplamm-Logo gekennzeichnet.

Die Projektpartner möchten mit „Alplämmern“ den Verkauf von Schweizer Lammfleisch, der bis jetzt ein Schattendasein fristet, stärken. Lämmer werden in der Schweiz natur- und artgerecht gehalten. Das Fleisch ist aus ernährungsphysiologischer Sicht sehr wertvoll und bietet höchsten Genuss und Geschmack. Es ist kalorienarm und enthält vorwiegend einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Mit Alp-Lammfleisch kauft man nicht nur ein hervorragen-des, ökologisch sinnvolles Produkt, sondern bekommt auch gepflegte Alpweiden dazu.

MARKTPLATZ

Neue GDI-Studie: «European Food Trends Report»

(GDI 29.9.2010) – Die Ernährungsmärkte befinden sich in einem
rasanten Umbruch: Immer neuen Angeboten steht ein wachsendes
Misstrauen der Konsumenten gegenüber. Diese hegen zunehmend
Sehnsüchte nach Einfachheit und Echtheit – anders gesagt: Die
Industrie bietet «Science», die Menschen wollen «Romance». Die zweite
Ausgabe des «European Food Trends Report» des Gottlieb Duttweiler
Instituts (GDI) beschreibt und analysiert diese Entwicklung und ihre
Folgen.

Im Zentrum des Reports steht die Frage, wie das Vertrauen der
Konsumenten wieder zurückgewonnen werden kann. Denn der Druck, sich
«korrekt» zu verhalten, ist weiter gestiegen. Masslosigkeit und
Entfremdung – die zentralen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte
– werden abgelöst von einem neuen Bewusstsein für Essen und Nahrung.
Die Konsumenten fordern nicht nur von sich selber Konsequenz, sondern
auch von den Anbietern: Nur wer die «schlechten» Produkte streicht,
bleibt glaubwürdig.

Einzelhändler und Gastronomen sind gut beraten, gesundes,
massvolles, ethisches, nachhaltiges und lokales Essen zu fördern –
sonst werden sich alternative Konzepte etablieren. So zeugt in
verschiedenen OECD-Ländern schon heute eine wachsende Bewegung von
«Community Supported Agriculture» vom Streben nach autonomen
Lösungen. Wer kann, wird radikal.

Bereits vereinen einige innovative Unternehmen die neuen
Konsumentenbedürfnisse mit dem Machbaren, zum Beispiel mit neuen
mobilen Nahrungsangeboten. Beim gehobenen «Fine Dining» vermittelt
«Bistronomy» den neuen Luxus des Einfachen und Authentischen. Und
verschiedene Supermärkte positionieren sich gerade als neue
Generation des «Laden um die Ecke».

Sicher ist: Der Konsument wird erst zufrieden sein, wenn er guten
Gewissens «Ja» sagen kann. Dazu braucht es auf allen Stufen der
Wertschöpfungskette Renovationen – ja Revolutionen, um «Science» und
«Romance» zu verbinden und so die direkte Verbindung der Konsumenten
zur Produktion wieder herzustellen.