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Milchbauern in die Verantwortung nehmen

von Alimenta Import

Letzte Woche hat der Nationalrat die Motion Aebi gutgeheissen. Diese fordert bekanntlich die ­Mengenregelung auf privatrechtlicher Basis durch die Schweizer Milchproduzenten. Damit soll der  Überschussproduktion der Riegel geschoben werden, ein Anliegen, das die Branchenorganisation Milch seit geraumer Zeit ohne Erfolg verfolgt. Nun hat sich die Fromarte in einer Medienmittei­lung gegen die Motion Aebi ausgesprochen. Laut einer Agenturmeldung sieht der Käser-Verband durch die Einführung eines privaten Mengen­steuerungssystems die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Schweizer Milchwirtschaft gefährdet. Die gewerblichen Käsereien hätten seit der ­Liberalisierung ihre Marktanteile beim Export ausbauen können, durch die Motion sei diese Entwicklung aber erheblich gefährdet.
Ich bin mir nicht so sicher, ob ich diese Argumente nachvollziehen kann. Erstens bin ich der Meinung, dass die Überproduktion der Branche als ganzes schadet, Käser eingeschlossen. Die Beseitigung des Butterbergs schlägt finanziell schmerzhaft zu Buche, und jedes Kilo, das ­entsorgt werden muss, schmälert die Marge der ­gewerblichen Hersteller. Dasselbe gilt übrigens auch für die Überschussmilch. Zweitens ist ein Milchproduzent, der mehr Verantwortung für das Schicksal des Produkts übernimmt, ein Gewinn für den gewerblichen Käser.

Das System der Käsereigenossenschaft, in dem die Bauern gemeinsam mit dem Käser für eine möglichst gewinnbringende Umwandlung des Rohstoffs sorgen, ist ein seit Jahrhunderten ­bewährtes Erfolgsmodell. Das grosse Problem ist heute, dass zu viele Bauern ihre Aufgabe nach dem Auspumpen des Milchtanks oder der Ablieferung an der Käsereitüre für erledigt betrachten. Wenn man nun den Bauern ermöglichen würde, die aufgeblähte Produktion selber zu verkleinern, packte man das Übel an der Wurzel. Ob sie das können, ist dann noch eine andere Frage. Wenn man sie aber entmündigt und alle Schleusen ­öffnet, ist das das sichere Rezept, um die Marge bei Produzenten und gewerblichen Verarbeitern weiter zu schmälern.